Psychologie

Wer sich ständig entschuldigt, verrät mehr über sich als gedacht

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"Sorry, dass ich so spät antworte!" oder "Tut mir leid, dass ich anderer Meinung bin." Für manche Menschen gehört eine Entschuldigung selbst bei Kleinigkeiten einfach dazu. Doch hinter dem ständigen "Sorry" kann laut psychologischen Erklärungen mehr stecken als reine Höflichkeit.
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Sich für einen Fehler zu entschuldigen, ist völlig normal. Manche Menschen gehen allerdings noch einen Schritt weiter und bitten selbst dann um Verzeihung, wenn sie eigentlich nichts falsch gemacht haben.

Das kann etwa passieren, wenn sie eine andere Meinung äußern, jemanden kurz unterbrechen oder eine Nachricht erst später beantworten. Psychologisch wird ein solches Verhalten unter anderem mit Unsicherheit und der Angst vor Ablehnung in Verbindung gebracht.

Das Muster kann in der Kindheit entstehen

Ein möglicher Grund liegt laut psychologischen Erklärungen in der eigenen Kindheit. Wer früh gelernt hat, sich für Entscheidungen oder Handlungen rechtfertigen zu müssen, kann besonders empfindlich auf vermeintliche Fehler reagieren.

Im Erwachsenenalter kann daraus ein strenger innerer Maßstab entstehen: Betroffene sehen Situationen schneller als entschuldigungswürdig an – obwohl objektiv gar kein Fehlverhalten vorliegt.

Dabei bedeutet häufiges Entschuldigen nicht automatisch, dass jemand tatsächlich mehr Fehler macht. Vielmehr kann die eigene Wahrnehmung eine Rolle spielen.

"Sorry" als Schutz vor Streit

Eine Entschuldigung kann außerdem als eine Art Schutzmechanismus funktionieren. Wer Angst vor Kritik, Ablehnung oder einem Konflikt hat, versucht möglicherweise schon im Vorfeld, die Situation zu entschärfen.

Ein schnelles "Tut mir leid" kann tatsächlich dabei helfen, Spannungen zu vermeiden. Das Gegenüber reagiert freundlich und der Konflikt bleibt aus.

Das Problem: Auf Dauer kann dieses Verhalten dazu führen, dass die eigenen Wünsche und Bedürfnisse immer weiter in den Hintergrund rücken.

Ständige Entschuldigungen können Selbstbild beeinflussen

Wer sich regelmäßig für Dinge entschuldigt, für die eigentlich keine Entschuldigung nötig wäre, kann dadurch sein eigenes Selbstbild schwächen. Statt die eigenen Entscheidungen selbstbewusst zu vertreten, entsteht der Eindruck, ständig etwas falsch zu machen.

Besonders in einem Umfeld, in dem Harmonie und Anpassung einen hohen Stellenwert haben, kann sich dieses Verhalten verfestigen.

Dabei gilt: Nicht jede häufige Entschuldigung ist automatisch ein Zeichen für Unsicherheit. Menschen haben unterschiedliche Kommunikationsstile und kulturelle Gewohnheiten.

Weniger "Sorry" kann mehr Wirkung haben

Eine ehrliche Entschuldigung ist vor allem dann wertvoll, wenn tatsächlich etwas passiert ist. Wer hingegen ständig "Sorry" sagt, kann die Wirkung einer ernst gemeinten Entschuldigung abschwächen.

Psychologisch betrachtet kann es deshalb sinnvoll sein, vor einer Entschuldigung kurz innezuhalten: Habe ich wirklich etwas falsch gemacht – oder möchte ich nur vermeiden, dass jemand negativ auf mich reagiert?

Diese kleine Frage kann dabei helfen, zwischen echter Verantwortung und unnötiger Selbstkritik zu unterscheiden.

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