Jugendamt

"Satanistisches Aussehen": Mädchen sprang aus Fenster

Ein Mädchen sitzt traurig auf Treppen, lehnt den Kopf auf die Arme und hat eine Tasche daneben.
© Unsplash
In Wien sorgt ein dramatischer Vorfall in der Kinder- und Jugendhilfe für heftige politische Auseinandersetzungen: Ein zwölfjähriges Mädchen sprang bei einer Übersiedlung in eine neue WG offenbar aus Verzweiflung aus dem Fenster und erlitt Knochenbrüche. Der Fall wird nun geprüft.
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Die Übersiedlung war Ende Februar nötig geworden, weil die MA 11 die bisherige WG wegen schwerwiegender fachlicher Mängel geschlossen hatte. Betroffen war auch das Mädchen aus Tirol, das wegen vermuteter Missbrauchserfahrungen als traumatisiert gilt und laut ehemaliger Einrichtung nicht von Männern betreut werden sollte.

Vorwurf. Genau das sei bei der Abholung missachtet worden, kritisiert ÖVP-Jugendsprecherin Sabine Keri, der Gedächtnisprotokolle zugespielt wurden: "Es war ganz klar kommuniziert, dass das Mädchen nicht von einem Mann abgeholt werden soll. Und dann kommt auch noch ein Mann, der Druck ausübt." Auch die Tätowierungen des Sozialarbeiters im Gesicht sorgten für Kritik: "Für mich ist das ein satanistisches Aussehen."

"Satanistisches Aussehen": Wirbel um Wiener WG-Vorfall

Widerspruch. Der betroffene Sozialarbeiter, Geschäftsführer des neuen Trägervereins, weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet sie als diffamierend. MA-11-Sprecherin Ingrid Pöschmann verteidigt sein Auftreten sogar als pädagogisch wertvoll für Kinder, die gelernt haben, nicht akzeptiert zu werden.

Prüfung. Stadträtin Bettina Emmerling (NEOS) sieht bisher keine Hinweise, dass die Angst vor dem Sozialarbeiter der Grund für den Sprung war – das Mädchen habe schon zuvor mit ihm gesprochen und auch bei einem männlichen Betreuer gelebt. Vielmehr habe es den Wohnort- und Betreuungswechsel selbst nicht gewollt.

Nach Sprung aus Fenster: MA 11 muss Vorfall aufklären

Fensterproblem. Klar ist für Emmerling: Das nicht versperrte Fenster hätte es nicht geben dürfen. "Dass dieses Fenster nicht versperrt war, das ist etwas, was in Wohngemeinschaften nicht zulässig ist." Die Mitverantwortung dafür sieht sie bei der geschlossenen Einrichtung Pro Child.

Verwandtschaft. Für zusätzlichen politischen Zündstoff sorgt, dass der Chef des neuen Trägervereins der Sohn eines hochrangigen MA-11-Personalvertreters ist. ÖVP und FPÖ üben scharfe Kritik, da die Aufträge für den Verein zuletzt deutlich gestiegen sind. Emmerling betont, das Verwandtschaftsverhältnis sei von Anfang an offengelegt worden und ohne Entscheidungsgewalt des Vaters zustande gekommen.

Fazit: Dem Mädchen gehe es mittlerweile gut, so Emmerling – doch der Fall wirft schwere Fragen zu Sicherheit, Kommunikation und Vergabepraxis in der Wiener Jugendhilfe auf.

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