Vandalen-Serie

Jagd auf "Jack the Ripper": Mysteriöser Täter verwüstet Gipfelbücher

Wanderer mit rotem Rucksack steht auf Felsgipfel und blickt über ein weites Bergpanorama.
© Getty Images
In den italienischen Dolomiten treibt ein Phantom sein Unwesen, das von den Medien bereits "Jack the Ripper" genannt wird. Der Unbekannte reißt gezielt Seiten aus Gipfelbüchern, zerstört Markierungen und gefährdet damit lebenswichtige Suchaktionen der Bergrettung.
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Ein unbekannter Täter sorgt im norditalienischen Hochgebirge für Fassungslosigkeit und beschäftigt Polizei sowie Bergrettung: Seit Wochen zerstört ein Serientäter systematisch Gipfelbücher und hinterlässt sonderbare Botschaften. Alpinisten und Rettungskräfte schlagen Alarm, da die Zerstörungen bei Notfällen und Suchaktionen lebensgefährliche Konsequenzen haben können.

Verwüstung am Monte Pramaggiore: Spurensuche in den Friauler Dolomiten

Der jüngste Vorfall ereignete sich auf dem Monte Pramaggiore im Naturpark Friauler Dolomiten, nördlich der italienischen Stadt Pordenone. Wanderer machten dort eine verstörende Entdeckung: Aus dem traditionsreichen Gipfelbuch waren zahlreiche Seiten mit roher Gewalt herausgerissen worden. Italienische Medien gaben dem flüchtigen Vandalen aufgrund seines Zerstörungsmusters bereits den Beinamen "Jack The Ripper" (deutsch: Jakob der Reißer). Dieser ist angelehnt an jenen mysteriösen Serienmörder, der im 19. Jahrhundert das viktorianische London terrorisiert haben soll.

Wie eine Augenzeugin vor Ort berichtete, beließ es der Unbekannte nicht beim Heraustrennen der Blätter: Auch ein im Buch sorgsam aufbewahrtes Heiligenbildchen wurde zerrissen. Anstelle der persönlichen Einträge von Bergsteigern hinterließ der Täter eine handgeschriebene Nachricht, in der er zu radikalem Respekt vor der Bergwelt und der Natur aufruft. In der Notiz wird unter anderem die Formulierung verwendet, die Berge seien "jungfräulich wie die Madonna oder wie weißer Schnee".

Tatorte von Südtirol bis Sondrio: Eine gezielte Serie

Wie das Portal "Südtirol News" berichtet, handelt es sich beim Vorfall im Friaul keineswegs um ein isoliertes Einzelereignis. Die Vandalismus-Welle zieht sich bereits über weite Teile der Alpen:

  • Ortler-Alpen: Bereits Mitte Juni wurden auf der Vorderen Rotspitze (3.033 Meter) sowie auf der Orgelspitze bzw. Laaserspitze (3.305 Meter) beinahe zeitgleich die metallenen Gipfelbuchboxen samt Büchern mutwillig zertrümmert, wie der Alpenverein Martell dokumentierte.
  • Historische Wegmarken zerstört: Auf der Orgelspitze stieß der Täter zudem zwei gewaltige Steinmännchen um, die dort seit jeher standen und sogar vom Tal aus klar erkennbar waren.
  • Diebstahl am Hasenöhrl: Der Alpenverein Südtirol (AVS) der Sektion Latsch meldete, dass am Gipfel des Hasenöhrl der fest installierte Jubiläumskranz entwendet wurde.
  • Spur nach Sondrio: Auch in der Schutzhütte Rifugio Luigi Mambretti in der Provinz Sondrio wurde ein dortiges Bergbuch komplett ruiniert.

Mittlerweile hat sich die Serie bis nach Friaul ausgeweitet. Zuständige Stellen bestätigten gegenüber dem Alpin-Portal "L’Altramontagna", dass umfassende Kontrollen im Gange sind und intensiv nach dem Verantwortlichen gesucht wird.

Bergrettung in Sorge: Lebenswichtiges Dokument im Ernstfall

In der Bergsteiger-Gemeinschaft löst das Vorgehen Unverständnis und Empörung aus. Gipfelbücher dienen nicht nur als sentimentales Erinnerungsstück für Bergfreunde, sondern erfüllen eine sicherheitsrelevante Funktion:

  • Sie dokumentieren verlässlich, wer wann einen Gipfel, eine Route oder ein Biwak erreicht hat.
  • Bei alpinen Such- und Rettungseinsätzen liefern die handschriftlichen Einträge den Bergrettern entscheidende Hinweise auf Gehrichtung, Zeitfenster und Aufenthaltsort von Vermissten.
  • Werden Seiten vorsätzlich entfernt, gehen im Unglücksfall lebenswichtige Suchspuren für immer verloren.

Die genauen Motive des Täters liegen noch völlig im Dunkeln. Während die Behörden die Überwachung auf den Gipfeln verstärken, rätselt die Alpinszene weiter über die Hintergründe der Zerstörungswut.

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