Tausend verendet

Kannibalische Schweinereien im Stall von Amstetten

So traurig, da muss was dagegen unternommen werden.
© Aninova
Ein Bild des Grauens erwartete die Einsatzkräfte, als sie Mitte Juli einen Schweinemastbetrieb im Bezirk Amstetten betreten: Hunderte tote Schweine, verwest, in ihren eigenen Buchten zurückgelassen. Das Schlimme: Der Landwirt dürfte die Schweine vermutlich schon seit Jahresbeginn nicht mehr gefüttert haben.
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Der markerschütternde Verwesungsgeruch, der sich über die Umgebung legte, alarmierte schließlich Nachbarn - und brachte einen der erschütterndsten Tierschutz-Fälle der letzten Zeit ans Licht. Die Polizei und die Amtstierärztin rückten aus. Was sie vorfanden, übertraf jede Befürchtung. Die irre Wende heute gegen 11 Uhr: Möglicherweise sind rund 1.000 weitere Schweine gestorben. Kannibalismus unter den Tieren könne laut Behörden nicht ausgeschlossen werden. Denn, so das Furchtbare: Der Landwirt, der den Hof alleine geführt hatte, dürfte die Schweine seit Jahresbeginn nicht gefüttert haben.

400 tote Tiere, 88 Überlebende

"Dort wurde festgestellt, dass 400 Schweine verendet waren. 88 Tiere waren am Leben, diese wurden dann auf umliegende Höfe aufgeteilt", schildert Polizeisprecher Johann Baumschlager gegenüber noe.ORF.at die dramatischen Szenen. Hunderte Kreaturen, die tagelang, vielleicht wochenlang, ohne Nahrung ausharren mussten, ehe der Tod sie erlöste. Ein stiller, grausamer Untergang, der sich hinter verschlossenen Stalltüren abspielte, während das Leben ringsum seinen gewohnten Lauf nahm.

Ein Landwirt am Ende seiner Kräfte

Hinter dem Schrecken verbirgt sich offenbar eine menschliche Tragödie: Der Landwirt dürfte mit den Tieren völlig überfordert gewesen sein und stand unter erheblichem psychischem Druck. "Er hat schon seit geraumer Zeit keine Fütterungen mehr durchgeführt. Er war auch in psychologischer Behandlung", so Baumschlager. Ein Mensch, der offenbar zusehends den Halt verlor - mit fatalen Folgen für die ihm anvertrauten Tiere.

Hilfe im Krisenfall: Österreichweit und in den Bundesländern gibt es Anlaufstellen für Männer in seelischen Ausnahmezuständen. Dort wird Rat und Unterstützung im Krisenfall angeboten, etwa bei der Männerinfo unter 0800/400 777 und beim Männernotruf unter 05/7677.

Dunkle Vorahnung: Es könnten noch mehr sein

Die Behörden lassen aufhorchen: Das Ausmaß der Tragödie könnte noch größer sein, als bisher bekannt. "Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der verendeten Tiere höher sein wird", warnt Baumschlager. Die Bezirkshauptmannschaft Amstetten prüft nun die Konsequenzen, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Der Landwirt wird der Staatsanwaltschaft St. Pölten wegen Tierquälerei angezeigt, der Betrieb wurde behördlich für immer geschlossen. Weitere Konsequenzen sowie ein Tierhalteverbot werden geprüft, hieß es von der Bezirkshauptmannschaft.

Fazit: Ein Fund, der erschüttert - und der schonungslos offenlegt, wie schnell Überforderung und Leid im Verborgenen eskalieren können.

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