Nach Terror-Anschlag

Berlins Bürgermeister fordert Islamunterricht an Schulen

© AFP
Nach dem islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin nimmt die Debatte über Radikalisierung weiter an Fahrt auf. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner fordert nun Islamunterricht an staatlichen Schulen – und schärfere Maßnahmen gegen radikale Moscheen.
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CDU-Politiker Kai Wegner sieht im staatlich kontrollierten Islamunterricht einen wichtigen Baustein im Kampf gegen Extremismus. Jugendliche würden immer wieder durch radikale religiöse Kreise und sogenannte Hinterhofmoscheen beeinflusst, warnte er. Ein Unterricht an öffentlichen Schulen könne helfen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und religiöse Bildung unter staatlicher Aufsicht zu vermitteln. Gleichzeitig sprach sich Wegner dafür aus, konsequenter gegen extremistische Moscheen vorzugehen. Ziel müsse es sein, radikale Einrichtungen notfalls auch zu verbieten.

Özdemir übt scharfe Kritik

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir meldete sich nach dem Anschlag zu Wort. Er kritisierte die Reaktion muslimischer Dachverbände deutlich. In deren Stellungnahmen werde seiner Ansicht nach nicht klar benannt, dass es sich um einen schwulen- und queerfeindlichen Anschlag gehandelt habe. Ebenso bemängelte Özdemir, dass der islamistische Hintergrund des Täters nicht ausdrücklich erwähnt worden sei. Eine solche Reaktion werde der Schwere der Tat nicht gerecht.

Experten warnen vor weiterer Radikalisierung

Menschen trauern weiterhin in Berlin über den schrecklichen Anschlag.

Der Islamwissenschaftler Mahmoud Jaraba von der Universität Erlangen fordert mehr Investitionen in Präventionsarbeit. Muslimische Gemeinden seien bereit, sich stärker gegen Radikalisierung einzusetzen, verfügten dafür aber oft nicht über ausreichend Ressourcen oder das nötige Vertrauen seitens der Behörden. Statt Programme auszubauen, würden teilweise sogar Mittel gekürzt. Aus wissenschaftlicher Sicht müsse jedoch damit gerechnet werden, dass sich künftig noch mehr junge Menschen radikalisieren.

Ablehnung von Homosexualität weit verbreitet

Auch der Islamwissenschaftler Bülent Uçar von der Universität Osnabrück sieht nach dem Anschlag keinen grundlegenden Wandel innerhalb der muslimischen Gemeinschaft. Die Ablehnung von Homosexualität sei in vielen islamischen Strömungen nach wie vor weit verbreitet und entspreche der Mehrheitsauffassung größerer religiöser Richtungen. Dies müsse in der gesellschaftlichen Debatte offen angesprochen werden.

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