Erste Solarhaut

Der DC Tower 2 erzeugt Eigenstrom

© APA/HANS KLAUS TECHT
In der Wiener Donau City entsteht aktuell ein echtes Vorzeigeprojekt: Der DC Tower 2 wird mit einer riesigen, 12.000 Quadratmeter großen Solar-Fassade ausgestattet und verwandelt sich in ein Kraftwerk.
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Beim Hochhausbau in der Bundeshauptstadt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. In der Wiener Donau City wächst mit dem DC Tower 2 ein 175 Meter hoher Turm in den Himmel, dessen Außenhaut aktiv Strom erzeugt. Rund 12.000 Quadratmeter Photovoltaik werden auf der Ost-, West- und Südseite direkt in die Fassade integriert. Laut dem Projektentwickler S+B Gruppe handelt es sich um die erste Lösung dieser Art an einem europäischen Hochhaus.

Den Rohbau hat die PORR errichtet, und seit Anfang 2026 läuft die Montage der zukunftsweisenden Solarfassade. Die Fertigstellung des gesamten Turms ist für das vierte Quartal 2026 geplant.

Ein Solarkraftwerk in der Skyline

Wo im Jänner 2026 noch der nackte Beton des Rohbaus dominierte, zeichnet sich seit dem Frühjahr die endgültige Gestalt ab. Die Hülle des Turms ist kein gewöhnlicher Fassadenmantel aus Glas und Aluminium, sondern ein vertikales Solarkraftwerk. Insgesamt 3.432 Photovoltaikelemente werden verbaut, die nicht nur Strom erzeugen, sondern gleichzeitig die Räume verschatten und das Bild der Donau City prägen.

Hinter dem Projekt steht die S+B Gruppe als Bauherrin, während Commerz Real Investment als Investorenpartner beteiligt ist. Die architektonische Planung der Fassade übernahm die Werner Sobek AG gemeinsam mit Dominique Perrault Architecture und Hoffmann-Janz Architects. Ende 2026 sollen bereits die ersten Mieter einziehen.

Luxuswohnungen und flexible Büros

So soll der DC Tower 2 nach Fertigstellung aussehen

Der DC Tower 2 ist der zweite der drei von Dominique Perrault entworfenen Donau-City-Türme. Mit 175 Metern und 53 Obergeschossen bleibt er etwas niedriger als der DC Tower 1, das mit 250 Metern höchste Gebäude Österreichs. Auf Empfehlung des Wiener Fachbeirats für Stadtplanung wurde der Entwurf überarbeitet, sodass der Turm eine schlankere Formensprache und umlaufende Loggien erhielt. Über einem Sockel mit Gastronomie und Co-Working-Flächen liegen 30 flexible Bürogeschosse. Ab einer Höhe von 102 Metern folgen 314 Mietwohnungen im gehobenen Segment. Für die Bewohner sind Extras wie ein Kinoraum, Proberäume für Musiker und Weinlagerräume für die Penthäuser eingeplant.

Spezialtiefbau am dichtesten Punkt

Die bauliche Leistung fand auf einem der dichtesten Baufelder Wiens statt, direkt neben den bestehenden Türmen 1 und 3. Eingezwängt zwischen der U-Bahn, der Donauuferautobahn A22 und dem Wien-Kanal-Netz, startete PORR im März 2022 mit dem Spezialtiefbau. Die Baugrube reichte 22,7 Meter in die Tiefe. Im Sommer 2023 folgte die vier Meter starke Fundamentplatte, für die rund 10.000 Kubikmeter Beton gegossen wurden. Um Risse durch Hitzeentwicklung beim Abbinden zu verhindern, wurde eine spezielle Sandwichkonstruktion genutzt. Insgesamt lieferte Rohrdorfer rund 45.000 Kubikmeter Beton für das gesamte Projekt.

Innovation ohne schweren Schwingungstilger

Der Rohbau wuchs in der Spitze um ein Stockwerk pro Woche. Zum Jahreswechsel 2025/26 erreichte der Turm seine volle Höhe, im Frühjahr 2026 wurde das schützende Windschild entfernt. Für die Schalungstechnik wurden Systeme von Peri genutzt, während MAX FRANK wärmedämmende Kragplattenanschlüsse für die Loggien lieferte. Das Schwingungsverhalten bei Wind wurde über ein digitales 3D-Echtzeitmodell analysiert. Das Ergebnis: Auf einen schweren Schwingungstilger im Turmkopf konnte komplett verzichtet werden, was Gewicht und Kosten spart. Im April 2026 wurde das Projekt zudem mit dem KOOP+ Award der Österreichischen Bautechnik Vereinigung ausgezeichnet.

Strom für zweihundert Einfamilienhäuser

Der große Unterschied zu klassischen Gebäuden liegt darin, dass die Photovoltaikmodule nicht nachträglich aufgesetzt, sondern als bauwerksintegrierte Photovoltaik Teil der Fassade selbst sind. Sie sitzen in der äußeren Schicht eines zweischaligen Systems, kombiniert mit Vogelschutz und Absturzsicherung. Da das Dach eines Hochhauses im Verhältnis zur Fläche klein ist, bietet die Fassade die perfekte Alternative. Vertikale Module liefern besonders in den lichtärmeren Wintermonaten gute Erträge, da die tief stehende Sonne flacher auf die Flächen trifft. Der angestrebte Jahresertrag liegt zwischen 800.000 und 1.000.000 Kilowattstunden, was dem Verbrauch von zweihundert Einfamilienhäusern entspricht. Autark wird das Gebäude dadurch zwar nicht, aber die Fassade senkt die Betriebskosten durch Verschattung. Das Energiekonzept wird durch Ökostrom-Tankstellen, begrünte Flachdächer und energierückspeisende Aufzüge abgerundet.

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