Franz-Josefs-Bahnhof

Taubenklo-Posse: Bezirk ignoriert Tierschutz Austria

Eine Bank, auf die sich niemand setzen möchte.
© oe24/Rudolf Preyer
Vom "Leuchtturmprojekt" zum Taubenklo: Die Bürger des Alsergrunds sind über das Aussehen „ihres Franzls", des Franz-Josefs-Bahnhofs entsetzt, wie oe24 wiederholt berichtet hat. Die Posse findet ihre Fortsetzung: Ein Angebot der Experten von Tierschutz Austria wird – mit ohrenbetäubender Stille seitens des Bezirks beantwortet.
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Es begann mit einem Aufschrei: Der Julius-Tandler-Platz vor dem Franz-Josefs-Bahnhof sollte das neue Herzstück des Alsergrunds werden, mit neuen Bäumen, Wasserspiel und schicken Sitzbänken. Herausgekommen ist stattdessen eine Steinwüste voller Taubenkot, auf Bänken, auf Pflastersteinen, rund um jeden einzelnen der neu gepflanzten Bäume. 8 Millionen Euro wurden investiert, 6,4 Millionen davon allein im Vorjahr, doch an ein durchdachtes Taubenmanagement hatte offenbar niemand gedacht. Die erste Reaktion der SPÖ-Bezirkschefin Saya Ahmad: zwei mickrige Transparente mit der Aufschrift „Gemeinsam für einen sauberen Alsergrund".

Kinder spielen im Taubenkot.
Kinder spielen im Taubenkot. © oe24/Rudolf Preyer

Bewegung nach oe24-Bericht

Der öffentliche Druck zeigte tatsächlich erste Wirkung. Nach der Berichterstattung ruderte die Bezirksvorstehung zurück und kündigte ein Maßnahmenpaket an: dichtere Reinigungsintervalle durch die MA 48, verstärkte Kontrollen der Waste Watcher, und, bemerkenswert, die erneute Prüfung eines betreuten Taubenschlags. Genau jene Lösung, die Fachleute von Birdlife Österreich und die Opposition seit Monaten fordern. Ein entsprechender Antrag wurde im Bezirksparlament bereits beschlossen.

Sieht so ein sauberer Alsergrund aus?
Sieht so ein sauberer Alsergrund aus? © oe24/Rudolf Preyer

Jetzt bietet sich sogar Tierschutz Austria selbst an

Und dann kommt es noch dicker, im positiven Sinne: Der Wiener Tierschutzverein (Tierschutz Austria) meldet sich von sich aus bei der Bezirksvorstehung, mit einem ausführlichen, wohlwollenden Schreiben und einem echten Angebot zur Mithilfe. Es lohnt sich, aus dem Brief vom 10. September 2026 ausführlich zu zitieren:

„Wir begrüßen es sehr, dass Klagen über Verschmutzungen durch Stadttauben am Julius-Tandler-Platz nicht zur bisher fallweise üblichen Reaktion – Vertreiben, Aushungern oder bloße Vergrämung – führen, sondern zum Plan eines betreuten Taubenschlags. Ein solcher Schlag mit kontrollierter Fütterung und Eiertausch ist die nachhaltige, tierschutzgerechte Lösung: Er verbessert die Situation für Anrainerinnen und Anrainer ebenso wie für die Tiere. Stadttauben sind Nachkommen domestizierter Zucht-, Brief- und Hochzeitstauben und auf den Menschen angewiesen."

Und weiter, mit einem ganz konkreten Hilfsangebot: „Wird dieses Projekt umgesetzt, unterstützen wir vom Wiener Tierschutzverein (Tierschutz Austria) gerne dabei, dass rund um den Schlag keine privaten Fütterungen mehr stattfinden. Unkontrolliertes Füttern mit Brot oder Speiseresten lehnen wir ausdrücklich ab. Gerne stehen wir für ein Gespräch und konkrete Mithilfe zur Verfügung."Unterzeichnet ist das Schreiben mit den Worten „Tierfreundlichste Grüße".

Aktuelle Lage: Schweigen im Walde

Und was macht die Bezirksvorstehung mit diesem Angebot, geschrieben von genau jenem Verein mit dem meisten Fachwissen zum Thema, der sich sogar von sich aus meldet und Unterstützung anbietet? Nichts. Gar nichts. Nicht einmal eine höfliche Eingangsbestätigung ist bislang bekannt geworden. Man könnte fast meinen, die Bezirksvorstehung hätte inzwischen genug eigene Ideen zum Thema Taubenkot, wäre da nicht die Bilanz der letzten Monate: zwei Transparente, ein unbeantworteter Expertenbrief und ein Platz, der weiterhin nach Taubenklo aussieht statt nach Leuchtturmprojekt.

Bezirksvertretung an "nachhaltiger Lösung" interessiert

Gegenüber oe24 heißt es seitens der Bezirksvertretung: "Das Problem der Verschmutzung des Platzes durch Tauben ist uns bekannt. Wir setzen bereits zahlreiche Maßnahmen und sind dazu in engem Austausch mit der MA 48 und den Waste Watchern. Die neuen Schilder zur Bewusstseinsbildung sind dabei nur eine von vielen weiteren Maßnahmen. Dazu zählen etwa dichtere Reinungsintervalle durch die MA48 sowie verstärkte Kontrollen der Waste Watcher am Julius-Tandler-Platz. Auch der Wunsch nach einem Taubenschlag wird von den zuständigen Dienststellen der Stadt erneut geprüft. Einen entsprechenden Antrag haben wir im Bezirksparlament bereits beschlossen. Unser Ziel ist es, hier eine nachhaltige Lösung zu erreichen und die Situation vor Ort zu verbessern."

Ein lösbares Problem

Für die geplagten Anrainer des Julius-Tandler-Platzes wäre gerade jetzt, mit einem fachkundigen Partner, der sogar von sich aus die Hand ausstreckt, der ideale Moment für sichtbare Fortschritte. Stattdessen: Funkstille. oe24 bleibt an der Sache weiter dran - und glaubt fest daran, dass es sich hierbei lediglich um ein Kommunikationsproblem handelt, welches zu lösen wäre, wenn sich sämtliche Betroffene an einen runden Tisch setzen.

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