oe24: Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat in New York gesagt, Israel begehe Kriegsverbrechen. Wie sehen Sie das?
Sebastian Kurz: Es ist bekannt, dass ich viel Zeit im Nahen Osten verbringe. Jeder lernt dort sehr schnell, dass die Region sehr komplex ist. Wenn man sich als Österreicher zu Israel äußert, darf man die unendlich grausamen Terrorangriffe der Hamas nicht ausblenden. Es sind über tausend Menschen von der Hamas am 7. Oktober 2023 abgeschlachtet worden. Schwangeren Frauen wurde der Bauch aufgeschnitten, Kinder die Köpfe abgeschnitten. Diesen unendlichen Terror und die omnipräsente Gefahr auszublenden ist problematisch.
“Man erkennt schnell, was die falsche Immigration ausgelöst hat.”
Sebastian Kurz
oe24: Die Linke in Berlin hat mit relativ offenem Antisemitismus und Verbindungen zu arabischen Clans und Islamisten gepunktet. Was ist los auf der Welt?
Kurz: Ich habe Vertreter aus Lateinamerika getroffen. Sie sind sehr unterstützend für Israel. In Europa schaut die Sache teilweise anders aus, teilweise sicher auch problematisch anders. Ich finde es sehr bedenkenswert, ich glaube man muss sich in Europa nur umsehen, dann erkennt man schnell, was die falsche Immigration ausgelöst hat. Wie sehr sich die Sicherheitssituation verschlechtert hat, wie präsent islamistisches Gedankengut und islamistische Terrormitarbeiter in Europa ist.
oe24: Neuerdings hat Herbert Kickl lobende Worte für Israel gefunden. Er hat in Straßburg eine Rede gehalten, in der er sich pro-israelisch oder sogar pro-Siedler geäußert hat.
Kurz: Viele Rechtsparteien haben eine antisemitische Vergangenheit. Es ist gut, wenn sich die Parteien jetzt ändern und auch den Staat Israel unterstützen.
oe24: Ist das echt oder ist das nur der Feind meines Feindes, das ist mein Freund?
Kurz: Diese Debatten halte ich für etwas verfehlt, weil bei jeder Aussage kann man behaupten, die ist nicht ernst gemeint oder gelogen. Wenn jetzt Politiker, ganz gleich von welcher Partei, ob sie von links oder von rechts sind, sich gegen Antisemitismus stellen, dann ist das aus meiner Sicht etwas Positives.
oe24: Sie haben die österreichische Regierungspolitik verändert und von einer sehr kritischen Haltung gegenüber Israel, was bei den Sozialdemokraten ja eine sehr lange Zeit der Fall war, zu einer eher pro-israelischen Haltung gemacht. Schmerzt es Sie, wenn das jetzt sukzessive wieder begraben wird?
Kurz: Ich halte mich daran, dass ich die Innenpolitik nicht kommentiere und jede Regierung muss dann für sich entscheiden, was sie für richtig erachtet. Was das Thema Antisemitismus und verbunden damit den notwendigen Kampf gegen islamistisches Gedankengut betrifft, da bin ich mir sehr klar, dass wir in Europa mehr und mehr von Jahr zu Jahr darauf kommen werden, wie groß diese islamistische Gefahr ist. Wir werden mehr und mehr darauf kommen in Europa, wie gefährlich der Islamismus für uns ist.
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