Moskau – Der Kreml erhöht den Druck auf Telegram-Gründer Pawel Durow. Die russische Justiz und der Inlandsgeheimdienst FSB haben den 41-Jährigen international zur Fahndung ausgeschrieben.
Der Vorwurf: Durow soll zugelassen haben, dass über Telegram-Kanäle, Chats und Bots Inhalte verbreitet wurden, die von ukrainischen Geheimdiensten sowie von "terroristischen und extremistischen Organisationen" für Sabotageaktionen genutzt worden sein sollen.
Sollte Durow in Russland festgenommen werden, könnte ihm nach Angaben aus seinem Umfeld eine lebenslange Haftstrafe drohen.
Durow reagiert mit provokantem Foto
Der Telegram-Gründer ließ die Vorwürfe nicht unbeantwortet. Auf der Plattform X veröffentlichte er ein Foto, das ihn mit einer eindeutigen Geste zeigt: Durow streckt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den Mittelfinger entgegen. Der Tech-Milliardär weist die Anschuldigungen zurück und sieht darin einen Versuch des russischen Staates, Telegram stärker unter Kontrolle zu bringen.
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Bereits im Februar hatte Durow erklärt, dass Russland ein Verfahren wegen angeblicher Beihilfe zum Terrorismus gegen ihn vorbereite. Seiner Ansicht nach gehe es dabei nicht um Sicherheit, sondern darum, die Privatsphäre der Nutzer einzuschränken.
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FSB spricht von Sabotage-Rekrutierungen
Der russische Geheimdienst behauptet unter anderem, dass die Ukraine Telegram genutzt habe, um junge Russen für Anschläge anzuwerben. Dabei soll laut FSB sogar ein Dating-Chatbot eingesetzt worden sein.
Nach Angaben der Behörde wurden seit Juli 2025 insgesamt 46 Nutzer im Alter zwischen zwölf und 22 Jahren festgenommen. Sie sollen mit geplanten Brandanschlägen und anderen Sabotageaktionen in Verbindung stehen. Durow hält diese Darstellung für einen Vorwand, um den Einfluss des Messengers einzuschränken.
Moskau verschärft Kontrolle über Internet
Der Konflikt fällt in eine Zeit, in der Russland die Kontrolle über digitale Plattformen immer weiter ausbaut. Seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine wurden zahlreiche westliche Plattformen eingeschränkt oder blockiert.
Facebook, Instagram und X sind in Russland verboten, YouTube wurde zunehmend eingeschränkt. Auch verschlüsselte Messenger-Dienste wie Signal stehen unter Druck. Gleichzeitig versucht der Kreml, die Bevölkerung zum staatlich unterstützten Messenger "Max" zu bewegen. Kritiker warnen jedoch davor, dass Nutzerdaten dort auf Anfrage an Behörden weitergegeben werden können.
Telegram-Chef lebt in Dubai
Pawel Durow hält sich derzeit in Dubai auf. Der Telegram-Gründer besitzt neben der russischen auch die französische Staatsbürgerschaft sowie die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Arabischen Emirate.
Telegram gehört weltweit zu den wichtigsten Messenger-Diensten und wird von Hunderten Millionen Menschen genutzt. Die Plattform ist vor allem wegen ihrer großen Gruppen, Kanäle und der vergleichsweise hohen Privatsphäre beliebt – genau diese Eigenschaften machen sie aber auch immer wieder zum Streitpunkt mit Regierungen.
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