Operation Vivaldi

Mit Drohnen schickt die Ukraine Kampfroboter tief hinter Putins Linie

Zwei Drohnen fliegen in der Luft über einem bewaldeten Hügel bei Tageslicht.
© Getty Images (Symbolbild)
Die Ukraine setzt im Krieg gegen Russland auf eine ungewöhnliche Taktik: Drohnen bringen ferngesteuerte Bodenroboter tief hinter die Frontlinie.
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Eine ukrainische Drohne überquerte nachts die Frontlinie im Norden des Gebiets Donezk. Unter ihr hing ein kleiner, mit Sprengstoff beladener Roboter auf Rädern. Die Trägerdrohne flog mindestens 16 Kilometer tief in von Russland gehaltenes Gebiet, bevor sie die Maschine absetzte, wie nun "Merkur" berichtet.

Roboter greifen Stellungen an

Das ferngesteuerte Fahrzeug setzte sich anschließend in Bewegung und suchte russische Soldaten auf, die auf einen ukrainischen Angriff warteten. Danach wurde die Sprengladung gezündet. Nach Angaben des 3. Armeekorps war damit eine russische Stellung ausgeschaltet, ohne dass ukrainische Soldaten den Boden betreten mussten.

Die Aktion ist Teil der streng geheimen "Operation Vivaldi". Das 3. Armeekorps erklärte, die Einsätze hätten der Ukraine innerhalb weniger Monate geholfen, 3000 russische Soldaten zu töten und 124 Quadratkilometer besetztes Gebiet zurückzuerobern.

Die Maschinen werden als unbemannte Bodenfahrzeuge, kurz UGV, bezeichnet. Sie können auf Rädern oder Ketten fahren. Neben bewaffneten Varianten gibt es auch Fahrzeuge, die Munition, Nahrung, Batterien oder Verwundete transportieren.

Drohnen müssen unsichtbar bleiben

Das Absetzen der Roboter ist laut dem Kommandeur Darwin allerdings der schwierige Teil. Eine Drohne, die groß genug ist, um einen Roboter zu tragen, kann von russischen Truppen entdeckt und abgeschossen werden.

Deshalb setzt Darwins Team auf elektronische Kriegsführung. Russische Aufklärungsdrohnen sollen dadurch gestört werden. Gleichzeitig greifen ukrainische Drohnen und Artillerie russische Infanteriestellungen an. Die Flüge mit den Trägerdrohnen finden unter dem Schutz der Nacht statt.

Täglich 100 Drohnen über Bataillon

"Das Schwierigste ist, den Punkt zu erreichen, an dem man die Drohne anheben sollte", sagte Darwin. "Wir nutzen funk-elektronische Kriegsführung, um ihre Drohnen zu blenden, und sie können in keiner Sekunde sehen, was wir tun."

Über Darwins Stellungen befinden sich demnach ständig mehrere russische Drohnen. Über den Tag hinweg seien es bis zu 100 allein über seinem Bataillon. Die Ukraine reagiert mit elektronischer Kriegsführung, eigenen Drohnen und Artillerie.

Infanterie folgt den Robotern

Die Roboter können laut den Kommandeuren bis zu 19 Kilometer hinter die Frontlinie vordringen. Danach rücken ukrainische Soldaten zu Fuß vor. Sie nehmen Stellungen ein und warten, während Artillerie, Drohnen und weitere Roboter den nächsten Geländestreifen bearbeiten.

Darwin beschreibt die heutige Kriegsführung als deutlich anders als zu Beginn seiner Militärzeit. Wegen der vielen Drohnen könnten größere mechanisierte Verbände nicht mehr wie früher eingesetzt werden. Stattdessen würden kleinere Gruppen eingesetzt.

"Wenn wir früher mit großen Bataillonsgruppen mit mechanisierten Kräften vorgingen, müssen wir jetzt wegen der Drohnen nur noch kleine Gruppen einsetzen", sagte er.

"Man kann nicht jeden Punkt des Schlachtfelds in einem Moment kontrollieren"

Für das 3. Armeekorps ist die neue Taktik allerdings mit erheblichem Aufwand verbunden. Benötigt werden große Trägerdrohnen, ausgebildete Bediener und eine entsprechend qualifizierte Führungsstruktur.

Darwin ist überzeugt, dass das Absetzen von UGVs aus der Luft auch an anderen Abschnitten der Front eingesetzt werden könnte. Sein Korps bringe die Methode bereits anderen Brigaden bei. Zugleich verwies er auf die Belastung der Soldaten und die Grenzen der Kontrolle auf dem Schlachtfeld.

"Man kann nicht jeden Punkt des Schlachtfelds in einem Moment kontrollieren", sagte er. "Und man hat nie genug Kräfte, um das zu tun."

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