"Schleuser schuld"
Migranten-Ansturm: Gab es wegen Feiertag zu wenig Wachen?
Die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika erlebt derzeit einen beispiellosen Migranten-Ansturm. Wie die Behörden am Freitag mitteilten, sind auf dem See- und Landweg rund 60.000 Personen aus Marokko in das Gebiet gelangt. Dies ist der größte Andrang seit dem Jahr 2021. Während erste Schätzungen aus Polizeikreisen laut der "Agentur Europa Press" von mehr als 20.000 Menschen ausgingen und das spanische Innenministerium zunächst 49.000 nannte, fixierte sich die offizielle Zahl rasch auf 60.000. Das entspricht 70 Prozent der Bevölkerung, da Ceuta normalerweise etwa 87.000 Einwohner zählt. Der Präsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, stellte dazu am Freitag vor Reportern klar: "Diese Zahl zeigt, dass es unmöglich ist, einen solchen Druck aufzufangen."
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Militär riegelt Strände ab
Als Reaktion auf die Krise hat die spanische Regierung das Militär entsandt, um die örtliche Polizei zu unterstützen. Soldaten der Armee blockieren nun die Strände und hindern Menschen, die aus Marokko vor die Exklave geschwommen sind, am Betreten des Festlandes. Vor dem völlig überlasteten Aufnahmezentrum CETI müssen derweil zahlreiche Angekommene im Freien campieren. Nach einem Krisentreffen in Ceuta mit den Leitern der Nationalpolizei, der Guardia Civil, des Roten Kreuzes und des CETI machte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez (54) laut AFP direkt Schleuser für die Eskalation verantwortlich. Diese hätten ein Urteil des Obersten Gerichtshofs falsch ausgelegt, junge Menschen getäuscht und "viele von ihnen in den Tod geführt".
Gab es wegen Feiertag zu wenig Wachen?
Am Donnerstag wurde in Marokko der nationale Feiertag zur Thronbesteigung von König Mohammed VI. (62) begangen. Da sich der Monarch laut dem "Handelsblatt" an diesem Tag nur rund 25 Kilometer von Ceuta entfernt aufhielt, gilt es als möglich, dass an der Grenze zur spanischen Exklave weniger marokkanische Sicherheitskräfte als üblich im Einsatz waren.
Zahl der Todesopfer steigt
Mindestens 57 Menschen starben bei dem Versuch, Ceuta zu erreichen. Die meisten von ihnen ertranken, als sie den Grenzwall bei El Tarajal umschwimmen wollten. Spezialtaucher der Einheit GEAS der Guardia Civil suchen weiterhin nach Verunglückten, weshalb die Zahl der Toten in den kommenden Stunden noch weiter steigen könnte.
Inzwischen lässt der Andrang nach: Nach Angaben von "El País" verlassen deutlich mehr Menschen die Exklave, als neu ankommen. Bis Freitagnachmittag um 15.30 Uhr waren nach Angaben des spanischen Innenministeriums bereits 37.500 Personen wieder nach Marokko zurückgekehrt.
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