Deepfakes

KI-Nacktfotos von Schilling: "Das ist Gewalt gegen Frauen"

Eine junge Frau spricht engagiert am Rednerpult mit Mikrofonen vor Holzvertäfelung.
© APA/ROLAND SCHLAGER
Grünen-EU-Abgeordnete Lena Schilling wurde Opfer von KI-Deepfakes. "Das ist Gewalt gegen Frauen", so die Politikerin.
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Laut einer am Montag präsentierten, weiteren Studie der Agora Digitale Transformation sind weibliche EU-Abgeordnete systematisch von KI-generierter sexualisierter Gewalt betroffen: Zusätzlich zu den vorige Woche veröffentlichten 147 Fällen von nationalen und EU-Parlamentariern identifizierte die Studie 50 weitere betroffene EU-Mandatare, darunter 46 Frauen. Demnach wäre etwa jede sechste weibliche EU-Abgeordnete betroffen, auch die Grüne EU-Abgeordnete Lena Schilling.

"Stellen Sie sich vor, Sie machen morgens den Laptop auf und sehen Nacktbilder von sich, im Internet veröffentlicht. Aber Sie haben nie Nacktbilder gemacht. Das ist mir und vielen anderen Frauen geschehen", so Schilling in einer Pressekonferenz am Montagnachmittag im Straßburger EU-Parlament. Das sei "ein schreckliches Gefühl, das uns krank macht". Und auch schwierig für die Demokratie: "Denn wenn Frauen, die kandidieren, denken: Moment, wenn ich kandidiere, dann erscheinen Nacktbilder von mir im Internet, dann ist das einschüchternd. Es macht Angst."

“Stellen Sie sich vor, Sie machen morgens den Laptop auf und sehen Nacktbilder von sich, im Internet veröffentlicht. Aber Sie haben nie Nacktbilder gemacht. Das ist mir und vielen anderen Frauen geschehen.”

Lena Schilling.

Sex-Bilder von acht EU-Abgeordneten

Acht weibliche Abgeordnete sind laut Studie direkt mit manipulierten, sexualisierten Bildern dargestellt wurden. Die Bilder von 22 Frauen seien auf sogenannten "Gateway"-Websites gefunden worden, auf denen direkt neben ihrer Biografie, ihren Social-Media-Konten und/oder ihren offiziellen Porträts ein Link zu einer Nacktbild-App zu finden war. "Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo wir eine Initiative starten. 119 Mitglieder haben ein Schreiben unterzeichnet, in dem wir die Kommission, aber auch die Mitgliedstaaten bitten, Maßnahmen zu ergreifen", so Schilling weiter.

Ab 2. Dezember gilt ein Verbot von KI-Anwendungen, mit denen Nutzer sexualisierte Bilder von Menschen ohne deren Zustimmung erstellen können. In einem von der Grünen Ko-Vorsitzenden Terry Reintke und Schilling initiierten Brief, den auch die Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten, Liberalen und Linken unterstützen, wird eine konsequente Durchsetzung dieses Nudifier-Verbots gefordert, neben gut ausgestatteten Behörden der EU-Staaten und einer Rechenschaftspflicht für Online-Plattformen und KI-Unternehmen, erklärte Schilling.

Reintke: Schockierendes Ausmaß

"Das Ausmaß digitaler Gewalt ist schockierend. Eine Frau in der Öffentlichkeit zu sein, reicht offenbar aus, um niederste Instinkte zu wecken. Alle Alarmglocken müssen schrillen und wirksamer Schutz vor digitaler Gewalt muss endlich konsequent umgesetzt werden. Wir rufen alle Mitglieder der demokratischen Fraktionen auf, sich unseren Forderungen an Rat und Kommission anzuschließen", so Reintke laut Aussendung. "Das Geschäftsmodell digitaler Gewalt muss zerschlagen werden, die Tech-Unternehmen müssen Nacktbilder und Videos sehr viel einfacher und schneller von ihren Plattformen nehmen."

Der Berliner Thinktank Agora Digitale Transformation fordert in seiner neuesten Studie eine vollständige Durchsetzung des Nudifier-Verbots sowie Verantwortung auch für die Lieferkette: App-Stores, Zahlungsanbieter, Hosting-Anbieter und Domain-Registrare sollten einer Sorgfaltspflicht unterliegen. An die Regulierungsbehörden wird appelliert, die Opfer zu entlasten, und von sich aus tätig zu werden. Der Erfolg sollte anhand der Prävention gemessen werden, nicht anhand der Löschungen, heißt es in der Studie.

"Das ist Gewalt gegen Frauen"

"Das ist Gewalt gegen Frauen", betont Schilling, Digital sei es vielleicht weniger einfach zu erfassen, "aber es ist Gewalt, und es fühlt sich auch so an". Das könne sie bestätigen. "Absurd" sei auch, dass Unternehmen, Plattformen sogar Profit aus dieser digitalen Gewalt schlagen würden. "Neue Regelungen wie das Nudifier-Verbot und andere schaffen Möglichkeiten, dieser Epidemie Einhalt zu gebieten. Es ist eine echte Epidemie: Hunderte von gewählten Abgeordneten sind davon betroffen. Das ist vielleicht nur die Spitze des Eisbergs", ergänzte Ko-Studienautor Benjamin Shultz.

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