Milliarden Tiere

Invasive Super-Ameisenkolonie breitet sich  rasant aus

Viele schwarze Ameisen fressen an einem toten Regenwurm auf sandigem Boden.
© Getty Images
Eine invasive Ameisenart sorgt im Südwesten Deutschlands für Probleme. In Baden-Württemberg sind laut Bericht fast 90 Kommunen betroffen.
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Die Große Drüsenameise, auch als Tapinoma magnum bekannt, bildet riesige Kolonien und breitet sich im Südwesten Deutschlands aus. Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Art kann Gärten und Häuser erobern und auch Infrastruktur beschädigen.

Wie "Focus Online" berichtet, sind in Baden-Württemberg inzwischen fast 90 Kommunen betroffen. Besonders groß ist die bekannte Kolonie im Karlsruher Stadtteil Neureut. Sie erstreckt sich mittlerweile über rund 100 Hektar.

Milliarden Tiere unter der Erde

Experten gehen davon aus, dass in dem Gebiet Milliarden Ameisen leben könnten. Der Großteil der Tiere hält sich unterirdisch auf. An der Oberfläche können sie jedoch ebenfalls massenhaft auftreten.

Für Anwohner wird das zum Dauerproblem. Die Ameisen dringen in Häuser ein, krabbeln über Terrassen und Grundstücke und lassen sich mit gewöhnlichen Ameisenködern oft kaum eindämmen. Karen Eßrich, die sich in Karlsruhe mit der Bekämpfung beschäftigt, beschreibt die Situation so: "Das ist dann das Unangenehme, dass man sich vor den Ameisen nicht retten kann."

Eine vollständige Ausrottung gilt in stark befallenen Gebieten inzwischen als kaum realistisch. Die Behörden versuchen deshalb, die weitere Ausbreitung der Superkolonien zu verhindern.

Ameisen greifen Infrastruktur an

Die Tiere können auch Schäden anrichten. Ihre weit verzweigten Nester können gepflasterte Flächen und Mauern unterhöhlen. Dadurch können Bordsteine absinken und Fugen instabil werden.

Auch technische Anlagen sind betroffen. In Kehl drangen die Ameisen bereits in Verteilerkästen ein. In der Folge kam es unter anderem zu Problemen mit Internetverbindungen. Auch Spielplätze waren zeitweise betroffen.

Das Umweltbundesamt bestätigt, dass die ursprünglich im Mittelmeerraum heimische Art vor allem über Warenlieferungen eingeschleppt wird. Als wichtiger Verbreitungsweg gelten mediterrane Pflanzen wie Olivenbäume, Feigenbäume oder Palmen.

Bekämpfung mit heißem Wasser

In Karlsruhe setzt die Stadt unter anderem auf heißes Wasser. Befallene Flächen werden mit Temperaturen von rund 110 Grad behandelt. Die Methode soll Ameisen, Brut und möglichst auch Königinnen in den Nestern erreichen.

Der Aufwand ist dabei hoch. Allein für ein entsprechendes Fahrzeug zahlte Karlsruhe laut Bericht rund 120.000 Euro. Dazu kommen Kosten für Personal sowie für Reparaturen an beschädigten Straßen und Gehwegen.

Auch andere Kommunen investieren in die Bekämpfung. In Kehl werden dafür jährlich rund 50.000 Euro veranschlagt. Das dort verwendete Heißwassergerät kostete zusätzlich rund 60.000 Euro.

Milde Winter begünstigen Ausbreitung

Vermutlich gelangte Tapinoma magnum über den internationalen Pflanzenhandel nach Deutschland. Der erste Nachweis stammt aus dem Jahr 2009.

Warme Flächen und milde Winter kommen der Ameisenart entgegen. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts könnte der Klimawandel deshalb dazu beitragen, dass sich Tapinoma magnum in Deutschland künftig weiter ausbreitet.

Wie schwierig die vollständige Bekämpfung inzwischen ist, zeigt die Einschätzung von Eßrich: "Der Kampf ist nicht mehr zu gewinnen."

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