Die Gefahr aus Russland ist wohl größer als bisher angenommen: Die deutsche Bundeswehr hat die Bedrohung der deutschen Sicherheit durch russische Sabotageangriffe erstmals als "erheblich" eingestuft.
Sprengstoff-Drohnen wurden Anfang Herbst nahe dem Fliegerhorst Wunstorf (Niedersachsen) und dem Zivil-Flughafen Leipzig (Sachsen) gefunden. "Von Russland geht klar die größte Gefahr für Deutschland aus", sagte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz. Er nennt Sabotageakte und hybride Angriffe auf Kommunikationssysteme, aber auch Bemühungen zur Destabilisierung Europas: "Diese Angriffe finden jeden Tag statt".
Acht russische Diplomaten mussten Wien verlassen
In Österreich wurden in dieser Legislaturperiode bereits acht russische Diplomaten ausgewiesen.
Erst diesen Freitag vier, die von den Geheimdiensten als gefährlich identifiziert wurden. Davor drei weitere wegen Antennen-Spionage in Wien und der OMV-Spion: Dieser soll interne Dokumente des OMV-Konzerns durch einen entlassenen Mitarbeiter erhalten haben. Der größte Mineralölkonzern der Republik wäre ein Ziel im hybriden Krieg.
Schon 2022 kam es zu einem Vorfall in einem Raffinerieturm, wonach die Hauptdestillationsanlage für Monate ausgefallen ist. Es kam zu spürbaren Diesel-Knappheit in Österreich. Grund soll ein technischer Defekt während einer Belastungsprüfung gewesen sein. Damals befand sich Russland bereits im Angriffskrieg gegen die Ukraine, wo Putin seit fünf Jahren einen brutalen Krieg führt mit hunderttausenden Toten und Millionen Vertriebenen.
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Attacken auf Österreich im hybriden Krieg
Auch in Österreich gibt es eindeutig Russland zugeschriebene Attacken im hybriden Krieg, der seit dem Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 tobt: Im Juli haben alle 27 EU-Staaten erstmals offiziell festgestellt, wer hinter dem Cyberangriff auf das österreichische Außenministerium stand: die Gruppe Turla, gesteuert vom russischen Geheimdienst FSB. Betroffen waren auch Frankreich, Deutschland, Polen, Zypern, Niederlande, Slowakei, Rumänien und Finnland.
Auch Gemeinden und Bezirkshauptmannschaften sind zunehmend Ziel von Cyberangriffen. Als im Mai 2022 in der gesamten Kärntner Landesverwaltung durch einen Cyberangriff lahmgelegt wurde, führten die Spuren nach Russland.
Eindeutig Russland zugeschrieben wird auch der Cyberangriff des russischen Cyberakteurs Advanced Persistent Threat Actor 28 (APT28) gegen Deutschland und Tschechien. Hier wurde etwa die SDP-Parteizentrale attackiert.
Folgende Sabotageakte werden Russland zugeschrieben:
- Drohnenanschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle am 4.8.2026
- Beschuss eines dänischen Militärhubschraubers vor der dänischen Südküste am 14.9.2026
- Brandanschlag auf Rüstungshersteller in Estland, am 15.9.2026
- Brandanschlag auf Einkaufszentrum in Warschau (Polen) im Mai 2024
- Sprengstoffanschlag auf das polnische Bahnnetz im November 2025
Hunderte Fälle von russischer Einmischung
Allein im Jahr 2025 wurden laut Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) 157 Fälle von "FIMI" in Europa eindeutig Russland zugeordnet.
FIMI steht für Foreign Information Manipulation and Interference (auf Deutsch: Ausländische Informationsmanipulation und Einmischung).
Dahinter stecken aus dem Ausland gesteuerte Kampagnen, die bewusst irreführend oder manipulativ sind. Mit Fake News oder Propaganda versuchen staatliche Akteure von außen die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Das Ziel: Demokratische Werte, das Vertrauen in Regierungen, Institutionen oder Medien soll untergraben werden.
"Wegwerf-Agenten" treiben Unwesen in Europa
Die tatsächliche Anzahl von russischer Einmischung dürfte deutlich über der vom EAD veröffentlichten Zahl liegen. Innerhalb der EU am stärksten betroffen sind:
- Deutschland,
- Polen,
- Belgien,
- Italien,
- Spanien und
- Frankreich. Bei den dortigen Teuerungs-Aufständen und Plünderungen dürften russische Agenten zusätzlich Öl ins Feuer gießen.
Bots heizen die Wut in sozialen Netzen an, "Wegwerf-Agenten" verüben Anschläge vor Ort.
"Wegwerf-Agenten" sind laut Sicherheitsinsidern solche Menschen, die sogar heimische Staatsbürger sein können und für kleinere Sabotage-Akte Geld oder Anerkennung aus Russland erhalten. Es handelt sich dabei um keine Personen mit diplomatischen Status, sondern können Bürger von nebenan sein, die aufgewiegelt werden.
Bald in Wien: Kompetenzzentrum gegen ausländische Informationsmanipulation
"Putin macht alles, um Europa zu schwächen", sagt ein Sicherheitsexperte oe24. "Darin unterstützt er extreme Parteien der Rechten und der Linken, und alle möglichen Protestgruppen und Randalierer." Der hybride Krieg in Europa heizt sich im fünften Kriegsjahr in der Ukraine immer mehr auf.
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger plant in Wien ein eigenes Kompetenzzentrum gegen ausländische Informationsmanipulation aufzubauen. Der erste Schritt ist eine internationale Konferenz in Wien im April 2027.
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