Kein Krisenabschluss

Harte Gewerkschafts-Ansagen vor heißem Herbst

Roman Hebenstreit spricht bei einer Pressekonferenz vor rotem Hintergrund mit "Herbstlohnrunden"-Text.
© APA/MAX SLOVENCIK
Für die Mitte Oktober startenden KV-Verhandlungen in den Branchen Eisenbahn, Handel-Lagerwesen, Bus, Lkw und Bewachung fordert die Gewerkschaft vida die Abgeltung der rollierenden Inflation plus Reallohnzuwächse, vor allem bei niedrigen Einkommen.
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"Wer etwas leistet, muss anständig bezahlt werden", so vida-Chef Roman Hebenstreit am Montag. Einem weiteren Jahr mit "Krisenabschlüssen" erteilte der Spitzengewerkschafter eine Absage. Verhandelt wird für über 280.000 Beschäftigte.

Die Herbstlohnrunde startet heuer ohne Metaller, weil sich die Sozialpartner im Vorjahr auf einen zweijährigen "Krisenabschluss" geeinigt haben. Die rollierende Inflation der vergangenen zwölf Monate beträgt über drei Prozent. Bei den Handelsarbeitern lagen die KV-Abschlüsse in den vergangenen zwei Jahren unter der rollierenden Inflation. "Krisenabschlüsse haben das Leben nicht billiger, aber die Beschäftigten ärmer gemacht. Diese Zeit ist vorbei", betonte Hebenstreit bei der Pressekonferenz.

Die Inflation lag laut Schnellschätzung im September bei 3,6 Prozent, die Reallöhne seien zwischen Juli 2019 und Juli 2026 im Schnitt um 0,8 Prozent gesunken, so Hebenstreit. Die Zurückhaltung bei den Löhnen habe weder Preise gedämpft noch Arbeitsplätze gesichert. Vielmehr habe sie den Menschen die Kaufkraft genommen und die Nachfrage geschwächt, von der viele Betriebe lebten, kritisierte der Gewerkschafter.

Eisenbahn-KV: Verhandlungsstart am 12. Oktober

Auf Rekordzahlen im Güter- und Personenverkehr verwies unterdessen vida-Fachbereichsvorsitzender Gerhard Tauchner. "Die Zeit der Zurückhaltung muss vorbei sein", bekräftigte auch Tauchner am Montag. Neben "anständigen Lohnerhöhungen" pochte der KV-Verhandlungsleiter auf einen fairen Wettbewerb und bessere Arbeitsbedingungen. Dabei geht es etwa um die Angleichung der unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle bei den Bahnen, klare Regeln für Fahr- und Reisezeiten als Arbeitszeiten und längere Ruhezeiten.

Die konkreten Forderungen seien bereits am 30. September an die Wirtschaftskammer übergeben worden. Die vida verhandelt die Löhne und Gehälter für rund 55.000 Beschäftigte in insgesamt 98 österreichischen Eisenbahnunternehmen. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern starten am 12. Oktober.

Höhere Löhne für Handelsarbeiterinnen und -arbeiter gefordert

Auch Christine Heitzinger, Vorsitzende des vida-Fachbereichs Dienstleistungen, fordert höhere Löhne für die 150.000 Handelsarbeiterinnen und Handelsarbeiter. Die Handels-KV-Abschlüsse der vergangenen Jahre unter der Inflation haben aus ihrer Sicht nichts gebracht, Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs seien nicht billiger geworden. Wenngleich den Arbeitenden wegen der steigenden Teuerung am Monatsende immer weniger übrig geblieben sei. Heitzinger plädierte am Montag für "faire Verhandlungen" auf Grundlage der aktuellen Wirtschaftsdaten. Die Nationalbank prognostizierte zuletzt für Österreich im laufenden Jahr ein reales Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent und eine Inflationsrate von 3,0 Prozent. Die KV-Verhandlungen starten im Dezember.

Nachwuchsproblem bei Buslenkern und Lkw-Fahrern

Mit Blick auf die KV-Verhandlungen bei den privaten Busunternehmen und in der Güterbeförderung fordert vida-Gewerkschafter Anil Zümrüt Reallohnzuwächse und bessere Arbeitsbedingungen: Mehr Rastplätze mit Sanitäranlagen, stabile Dienstpläne, Kontrollen gegen Lohn- und Sozialdumping, ein Meldesystem für Gewalt sowie geschlossene Fahrerkabinen bei den Bussen. In Österreich fehlten rund 8.000 Lkw-Lenker, ein Drittel der Fahrer sei über 55 Jahre alt. Auch ein Viertel der Busfahrer gehe in den nächsten Jahren in Pension, allein die Wiener Linien suchten in den nächsten fünf Jahren rund 5.000 Lenker, so der Fachbereichsvorsitzende. Bessere Arbeitsbedingungen und Löhne seien hier die Lösung, so Zümrüt. Die KV-Verhandlungen für die Güterbeförderung und die privaten Busbetriebe mit rund 10.000 Beschäftigten starten im November.

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