NHM-Vogelsäle

"Frisch gemausert": Naturhistorisches Museum zeigt Vogelwelt in neuem Licht

Ausstellungsvitrine mit verschiedenen ausgestopften Vögeln, darunter ein großer Strauß, im Museum.
© APA/HANS KLAUS TECHT
Dachshaare am Hals eines Straußes, geplünderte Gelege und authentische Lebensräume: Zwei Vogelsäle im Naturhistorischen Museum überraschen Besucher ab sofort mit neuen spannenden Details.
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Die Faszination für Vögel ist in der Gesellschaft durchaus weit verbreitet. Wer sich nicht lange mit Feldstecher und Fotoapparat auf die Lauer legen möchte, wird nun innerstädtisch wieder im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien üppig bedient. Zwei der vier Vogelsäle sind ab Mittwoch "frisch gemausert" wieder begehbar. Von der großen Frage "Was ist ein Vogel?" bis zu modernen Problemen der Tiere spannt sich der Bogen - in über 1.000 Objekten und rund 6,6 Millionen Federn.

Zwei Personen betrachten Vogelpräparate in einer Ausstellung im Naturhistorischen Museum Wien.
Das Naturhistorische Museum in Wien zeigt anlässlich der Wiedereröffnung der Vogelsäle die Ausstellung 'Frisch gemausert. Die neuen Lebensräume der Vögel'. © APA/HANS KLAUS TECHT

"Wunderschön und wichtig" sind die in mannigfaltigen Formen und Farben daherkommenden bzw. -fliegenden Vögel, wie Katrin Vohland, NHM-Generaldirektorin, anlässlich der Präsentation der aufwendig restaurierten und neu gestalteten Säle 29 und 30 im zweiten Stockwerk des Hauses am Wiener Ring am Dienstag sagte. Diese Tiergruppe sei besonders "eng mit unseren Handlungen" verbunden. Das zeigt sich auch daran, dass der menschliche Einfluss ihnen vielerorts zusetzt: So etwa Pestizide aus der Landwirtschaft oder die vom menschenverursachten Klimawandel begünstigte Trockenheit heuer im Land, die die Gefährdung mancher Arten weiter befördert.

Saal 29 beherbergt fast alle Vögel des Landes

Dementsprechend wolle man Vögel und ihre Leistungen in verschiedenen Lebensräumen zeigen. Den Auftakt für den Ansatz, der zumindest in Bezug auf die Ausstellung der umfassenden Vogelsammlung des NHM die systematisch-evolutionäre Darstellung ein Stück weit ablöst, macht man in den ersten beiden der insgesamt vier Vogelsäle des Museums. Im Sinn des "Masterplans" für alle zoologischen und in der Folge die botanischen Säle des NHM sollen dann im Herbst 2027 die weiteren beiden Räume (Saal 31 und 32) folgen, erklärte Vohland.

Detailaufnahme eines Vogelpräparats mit Nadeln zur Fixierung und weißem Modell auf dem Kopf.
Im neuen Saal 29 kann man nun den Streifzug durch die Vogelwelt mit einer Einführung in die Anatomie der vielfältigen Tiere beginnen. © APA/HANS KLAUS TECHT

Im neuen Saal 29 kann man nun den Streifzug durch die Vogelwelt mit einer Einführung in die Anatomie der vielfältigen Tiere beginnen. Man wolle es den Besuchern ermöglichen, "Wertschätzung für Vögel zu erlangen", sagte Swen Renner, Kurator NHM-Vogelsammlung. Da die Tiere vielfach auch als Sympathieträger fungieren, könne man Zusammenhänge in den Lebensräumen gut darstellen. So gibt es in dem Raum 22 Habitate aus Mitteleuropa und damit einen erklecklichen Anteil der gesamten Vogelvielfalt Österreichs vom Berg bis zur Steppe, aber auch in Siedlungen und auf Landwirtschaftsflächen zu erkunden.

Eierdiebstahl und Dachshaar am Straußenhals

Konnte man früher 880 Objekte beäugen, sind es jetzt 490 in Saal 29 und 600 Vogelpräparate in Saal 30, wie Christof Viehauser, Sammlungsmanager der NHM-Vogelsammlung, erklärte. Sehe man sich an, wie viel mehr noch in der Sammlung liegt, sei die Objektauswahl und die Wahl der dargestellten Lebensräume schwierig gewesen. Geeinigt hat man sich auf weitere 26 Großlebensräume auf allen Kontinenten inklusive der Antarktis in Saal 30. Teils geschah das mit viel Liebe zum Detail - wenn man etwa auf die Schleifspur eines Straußeneis in der Darstellung eines Schmutzgeiers, der ein Gelege plündert, in einer Großvitrine achtet, so ein Hinweis von Vohland bei der Saalbegehung.

Vogelsaal im Naturhistorischen Museum Wien mit zahlreichen ausgestopften Vögeln in Vitrinen.
Konnte man früher 880 Objekte beäugen, sind es jetzt 490 in Saal 29 und 600 Vogelpräparate in Saal 30. © APA/HANS KLAUS TECHT

Dass sich am Hals eines Vogelstraußes Dachshaar findet, wird vermutlich auch dem geschultesten Auge entgehen, zeige aber, welche Kniffe man in der Restauration anwendet, wie der Leiter der Zoologischen Präparation, Robert Illek, erklärte. Rund 1.000 Objekte wurden "sehr aufwendig" restauriert, 30 komplett neu präpariert. In dem Prozess fand man etwa rasch heraus, dass rund 50 Prozent der Vogelaugen eigentlich falsch angebracht waren.

Neben wissenschaftlich möglichst akkurater Darstellung wolle man aber "auch dem Herzen etwas bieten und die Präparate lebendig darstellen", betonte NHM-Szenografin Julia Landsiedl. Entstanden seien nun "dreidimensionale Wimmelbilder im positiven Sinne", die man am Mittwoch zwischen 8.00 und 9.00 Uhr auch als "Early Bird" vor Museumsöffnung besuchen kann, wenn man ein sichtbares Vogel-Accessoire ins Outfit integriert. (APA)

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