Finanz-Skandal
Ex-Salzburg-Coach fordert ManCity-Abstieg: »Jeder hat's gewusst«
Jesse Marsch fordert den Zwangsabstieg von Manchester City. Der ehemalige Salzburg- und Leeds-Trainer reagiert damit auf die Feststellungen einer unabhängigen Kommission: Der englische Spitzenklub habe über Jahre seine Finanzzahlen geschönt, Einnahmen aufgebläht und Kosten zu niedrig ausgewiesen. City bestreitet die Vorwürfe und hat Berufung eingelegt. Eine Strafe steht noch aus.
Für Marsch ist die Richtung trotzdem klar. "Ich denke, sie sollten absteigen", sagte der heutige kanadische Teamchef dem Guardian. Mit dem Zusatz "Und übrigens: Alle wussten davon" verschärfte er seinen Vorwurf: Die finanziellen Unregelmäßigkeiten seien seiner Darstellung nach im Fußball längst bekannt gewesen.
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Bei Haaland wird Marsch sarkastisch
Marschs Misstrauen stammt auch aus seiner Zeit bei Leeds United. Im Transfersommer 2022 verkaufte sein damaliger Klub Raphinha an Barcelona und Kalvin Phillips an Manchester City. Für Neuzugänge gab Leeds weniger aus, als diese Verkäufe einbrachten. Dass auch City einen Transferüberschuss meldete, machte ihn skeptisch.
Die damals kolportierten 52 Millionen Pfund Ablöse für Erling Haaland kommentierte der Amerikaner mit: "Ja, okay, klar!" Den Torjäger kennt er aus der gemeinsamen Salzburger Zeit. Von dort wechselte der Norweger zunächst zu Borussia Dortmund und 2022 weiter nach Manchester.
Marsch greift mit dieser Bemerkung über das laufende Verfahren hinaus. Untersucht wurden die Spielzeiten 2009/10 bis 2017/18. Laut Kommission wurden damals Finanzpositionen von insgesamt mehr als 900 Millionen Pfund falsch dargestellt.
Geld vom Eigentümer als Sponsoring verbucht
Im Kern geht es um eine einfache Frage: Hat City tatsächlich so viel selbst eingenommen – oder Geld seiner Eigentümer als Einnahmen ausgegeben? Laut Kommission zahlten Sponsoren nur einen Teil der vereinbarten Beträge. Den Rest steuerte Citys Eigentümerunternehmen bei. Verbucht wurde das Geld dennoch als Sponsoring. So erschienen die eigenen Einnahmen höher – und der Klub hielt auf dem Papier die Finanzregeln ein.
Hauptsponsor Etihad Airways wehrt sich gegen die Vorwürfe und hat rechtliche Beratung angekündigt. Im Berufungsverfahren dürfte erneut entscheidend werden, wer die Zahlungen tatsächlich finanzierte.
Die Folgen reichen bis nach London
Während Marsch sportliche Konsequenzen verlangt, geht es hinter den Kulissen auch um Investitionen. Selbst bei Ligakonkurrenten gibt es wirtschaftliche Bedenken. Zwei Führungskräfte anderer Premier-League-Vereine warnten gegenüber Sky vor Schäden durch einen Ausschluss. Der Gegner auf dem Rasen ist zugleich Teil des Produkts, das die Liga weltweit verkauft.
Dazu kommt politischer Druck: Laut Bloomberg warnten die Vereinigten Arabischen Emirate, Sanktionen könnten ihr Interesse an künftigen Investitionen in Großbritannien beeinflussen. Damit geht es längst auch um Geschäfte außerhalb des Fußballs.
In London beschäftigt der Fall inzwischen das Parlament. Dessen Finanzausschuss will von der Steuerbehörde wissen, ob die geschönten Zahlen steuerliche Folgen haben. Auch Citys Wirtschaftsprüfer BDO könnte von der britischen Aufsicht überprüft werden.
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