Hoch über dem Obersulzbachtal in der Venedigergruppe trägt eine Graterhebung seit 1988 den Namen "Pillewizer". Damit ist nun Schluss.
Am Freitag wurde das Gipfelschild im Rahmen einer vom Alpenverein Salzburg organisierten Veranstaltung entfernt. Auch eine künstliche Aufschichtung von Steinen am höchsten Punkt wurde symbolisch abgetragen.
"Indem wir das Schild abnehmen, distanziert sich der Alpenverein von einer personenbezogenen Ehrung, die nicht mit unserer Haltung für eine offene, inklusive Gesellschaft übereinstimmt", erklärt Sektionsvorsitzender Gerd Frühwirth.
Namensgeber war Kartograph und Gletscherforscher
Wolfgang Pillewizer war ein angesehener Geograph, Kartograph und Glaziologe. Seit seiner Studienzeit war er Mitglied des Alpenvereins und arbeitete ab 1936 auch in dessen Kartographie mit.
Seine Forschungen führten ihn unter anderem in die Venedigergruppe. Seine wissenschaftlichen Leistungen standen lange im Mittelpunkt – seine politische Vergangenheit wurde dagegen kaum thematisiert.
Pillewizer war bereits 1932 Mitglied der NSDAP und der SA geworden.
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Schon die Benennung war umstritten
Als die bis dahin namenlose Erhebung 1988 nach Pillewizer benannt wurde, gab es offenbar bereits Diskussionen darüber. Die Salzburger Ortsnamenkommission, in der auch der Alpenverein vertreten war, äußerte sich damals kritisch.
Trotzdem wurde die Benennung schließlich zugelassen. Bergsteiger schleppten damals sogar Steine auf den Gipfel, um die Erhebung über die 3.000-Meter-Marke zu bringen.
Nun soll der Berg keinen neuen Personennamen bekommen.
"Ein Berg braucht keinen großen Namen"
Die Erhebung wird künftig wieder ohne personenbezogene Bezeichnung geführt. Nicole Slupetzky, Historikerin und Vizepräsidentin des Österreichischen Alpenvereins, betont:
"Ein Berg muss weder größer gemacht noch mit einem großen Namen versehen werden, um Bedeutung zu haben."
Auch die Kürsinger-Hütte, die den "Pillewizer" bisher als Tourenziel führte, wird ihre Informationen entsprechend anpassen.
Alpenverein überprüft weitere Ehrungen
Die Entscheidung reiht sich in eine breitere Aufarbeitung historisch belasteter Namen ein. Bereits im Frühjahr 2025 beschloss der Alpenverein Salzburg, die frühere Dr.-Heinrich-Hackel-Hütte wieder "Sölden-Hütte" zu nennen. Der ursprüngliche Name stammte bereits aus dem Jahr 1913.
Bei der geografischen Benennung des nun wieder namenlosen Gipfels hat der Alpenverein allerdings nicht das letzte Wort. Welche Bezeichnung künftig in Karten und offiziellen geografischen Datenbeständen verwendet wird, muss mit den zuständigen Stellen geklärt werden.
Die Erinnerung an Pillewizer soll dabei nicht einfach verschwinden. Vielmehr gehe es darum, auch die problematischen Seiten der Geschichte sichtbar zu machen und kritisch aufzuarbeiten.
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