Hanning

DAS ist der mächtige Geheimdienstboss, der spioniert haben soll

Ein älterer Mann mit Brille, Anzug und Krawatte schaut ernsthaft nach vorne.
© APA/dpa/Michael Kappeler
Eine jahrzehntelange Karriere auf sicherheitsrelevanten Führungsposten Deutschlands, nun die Festnahme wegen möglicher Spionage: August Hanning steht im Verdacht des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit.
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In deutschen Sicherheitskreisen rieb sich am Dienstag mancher die Augen, als die Nachricht über die Mitteilung des Generalbundesanwalts die Runde machte.

Ein älterer Mann im Anzug trägt eine Aktentasche und Mantel in einem modernen Treppenhaus.
© APA/dpa/Michael Kappeler

Denn hinter dem inzwischen 80-Jährigen liegt eine steile Laufbahn auf Top-Posten, bei denen es meist um die Sicherheit Deutschlands ging. Unter Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) leitete der 1946 in Nordrhein-Westfalen geborene studierte Jurist ab 1981 im Bundeskanzleramt zunächst das Referat für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Fünf Jahre später wechselte er in die westdeutsche Ständige Vertretung in der DDR, wo er später als Geheimschutzbeauftragter mit Haftfällen befasst war, um dann 1990 unter Helmut Kohl (CDU) ins Kanzleramt zurückzukehren.

Hanning war der Vertraute des damaligen und als umtriebig geltenden Koordinators für die Geheimdienste, Bernd Schmidbauer. Dieser ließ kaum eine Gelegenheit aus, nicht nur durch Erfolge, sondern auch durch eigenwillige Eskapaden und oft auch durch umstrittene Vorgehensweisen öffentlich zu glänzen. Hanning stand im Schatten Schmidbauers, wurde aber als der eigentliche "Macher" in der Geheimdienstszene angesehen.

BND-Chef ab 1998

Als das Bundeskabinett Hanning im November 1998 zum neuen BND-Chef berief, galt er damit schon als exzellenter Fachmann im Nachrichtendienstgeschäft. Zuvor war er als Abteilungsleiter im Kanzleramt zuständig für die Dienstaufsicht über den BND.

Ein älterer Mann mit Brille und Anzug blickt ernst in die Kamera.
© APA/AFP/ABDELHAK SENNA/-

Der Parteilose wurde als kooperativ und kommunikativ beschrieben. Mit seiner ruhigen und sachlichen Art und seinem unauffälligen Auftreten präsentierte er sich als das genaue Gegenteil von James Bond, wie es damals hieß. Sein Wahlspruch war: "Ein guter Agent zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht auffällt."

Von Hanning war erwartet worden, dass er als BND-Chef den durch manche Skandale geschüttelten Auslandsgeheimdienst in ruhiges Fahrwasser führt. Das hat er bis zu seinem Wechsel als Staatssekretär ins Innenministerium auch geschafft. Im Anschluss wechselte Hanning in die Privatwirtschaft und arbeitete als Sicherheitsberater.

Ermittlungen im Zusammenhang mit Entführung der Block-Kinder

Schlagzeilen machte er zuletzt im Zusammenhang mit dem Prozess wegen der Entführung der Kinder der Steakhausketten-Erbin Christina Block am Jahreswechsel 2023/2024, für die laut Staatsanwaltschaft eine israelische Sicherheitsfirma verantwortlich sein soll. Im Zuge dieser Ermittlungen sollen die Hinweise auf Hannings mutmaßliche Spionagetätigkeit aufgetaucht sein.

Hanning und ein pensionierter Beamter des Landeskriminalamts (LKA) Hamburg stünden im Verdacht, als Verantwortliche einer anderen Sicherheitsfirma 2022 einen Auftrag von Block zur Kindesentziehung angenommen zu haben, hatte die Behörde im Herbst 2025 mitgeteilt. Die beiden Beschuldigten gehören aber nicht zu den Angeklagten im aktuellen Prozess gegen die Unternehmerin. Ein Anwalt von Hanning hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

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