Die große Analyse

Zeiler und die SPÖ: 'Du hast keine Chance, aber nütze sie!'

Drei ältere Männer posieren bei einer Buchpräsentation nebeneinander und lächeln in die Kamera.
© Andreas Tischler / Vienna Press
Die große Zeiler-Analyse von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.
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Gerhard Zeiler steht vor der Tür der SPÖ. Als ich das vor knapp einem Jahr als erster (und einziger) Journalist in Österreich geschrieben habe, haben mich noch alle für verrückt erklärt.

Mittlerweile ist es Tatsache: Zeiler will SPÖ-Chef werden. Und auch immer mehr SPÖ-Granden wollen, dass der Millionen-Manager aus den USA ihre Partei übernimmt. Tatsächlich wäre Zeiler nach derzeitigem Stand die letzte Rettung für die SPÖ.

Die SPÖ muss sich dringend von ihrem Totengräber Andreas Babler trennen – er führt die Partei in den Abgrund, wird bald in den Umfragen bei 13, dann 11 und schließlich wohl unter 10 % Wähleranteil fallen. Babler ist "Dead Man Walking" – er hat keine Ideen für die Regierung, alles was er anpackt wird ein Flop, die Wähler hassen ihn mittlerweile. Babler hat keine Chance mehr, seine Partei noch zu einem Comeback zu führen. Er führt sie geradewegs in den Untergang, wenn er noch länger an der Parteispitze bleibt.

Zeiler ist da ganz anders aufgestellt: Er hat ein klares Programm für den so dringend nötigen Wirtschafts-Aufschwung. Er ist ein absoluter Management- und Medien-Profi. Er verkauft sich und seine Partei gut. Er wird in den Umfragen sicher zulegen. Er wäre (vielleicht) ein perfekter Kanzler…

Aber: Reicht das zum Erfolg? Kann er die SPÖ wirklich neu aufstellen? Kann er die kaputte Regierung retten? Kann er am Ende gar eine Neuwahl gewinnen? In Wahrheit ist Gerhard Zeilers Start-Position als neuer SPÖ-Chef mit einer Unzahl von Problemen gepflastert.

Problem Nummer 1: Seine desolate Partei

Die SPÖ, die Zeiler übernimmt, ist kaputt. Sie hat alle ihre früher wichtigen Wähler-Zielgruppen komplett verloren: Die arbeitenden Menschen zwischen 30 und 60; die Frauen; sogar die Pensionisten – alle sind auf die SPÖ stinkwütend, kaum zurückzuholen. Die Partei hat kein Programm, keine Visionen, keine Ansagen (außer Bla-bla-Blabler). Sie hat auch kein Personal mehr – weit und breit kein Hoffnungsträger, geschweige denn ein Talent in Sicht. Dazu: Eine komplett zerstörte Wiener Partei, in der sich alle entzaubert haben (Hanke, Nowak, sogar Ludwig); ein verrückter, unberechenbarer Landes-Kaiser Doskozil; ein Intrigantenhaufen als Parteivorstand getarnt. Mit dieser "Hundstruppe" kannst du keinen Blumentopf gewinnen. Zudem ist die Partei völlig pleite – hat absolut kein Geld für einen Wahlkampf.

Problem Nummer 2: Ein übermächtiger  Gegner – die FPÖ

Im Gegensatz dazu ist der direkte Gegner FPÖ perfekt aufgestellt. Die FPÖ  schwimmt in den Millionen. Sie hat klare Ansagen, Programme und politische "Marketing-Hits" – vom Ausländer-Thema bis zum Anti-ORF-Volksbegehren. Und die FPÖ hat derzeit die besten Personalities in den Ländern: Kunasek. Swatzek, Landbauer. Nepp. Alle sind – mit dem Polit-Profi Kickl an der Spitze - Wahlkampf-Asse.

Problem Nummer 3: Die völlig desaströse Regierung

Zeilers erste Option wird deshalb wohl (auch mangels finanzieller Mittel für einen Wahlkampf) ein Verbleib in der Regierung sein. Das könnte aber auch sein Todesurteil sein, bevor seine SPÖ-Karriere erst richtig losgeht.

Zeiler bräuchte, um Wähler zurückzugewinnen, eine Regierungs-Offensive für Wirtschaft und Aufschwung; eine klare Einkommens-Verbesserung für die arbeitenden Menschen zwischen 30 und 60 – also Steuersenkungen; vollen Einsatz gegen die Teuerung; eine deutliche Verbesserung für die Pensionisten. Also: Ein Ende des so misslungenen Spar-Programms dieser Dilettanten-Ampel. Das wird freilich mit ÖVP und NEOS nicht möglich sein. Alles, was Zeiler aus Sicht der SPÖ dringend verbessern muss, werden ÖVP und NEOS blockieren. Als Vizekanzler dieser Desaster-Ampel steht auch ein "Wunderwuzzi" wie Zeiler auf verlorenem Posten.

Das Damokles-Schwert Neuwahlen

Wenn Zeiler aber in dieser Streithansl-Regierung auf Konfrontation geht (was aus Sicht der SPÖ ein "Muss" ist) droht ihm ein Selbstmord mit Anlauf. Denn dann werden die ÖVP-Granden, die diese Regierung ohnehin vor den Landtags-Wahlen loswerden wollen, auf eine Neuwahl drängen. Ob mit ihrem Hoffnungsträger Kurz oder ihrem unbeliebten "Alt-Kanzler" Stocker als Kickl-Vize – jede neue Regierung ist Hanni, Stelzer, Mattle und Edtstadler lieber als ein Weiterwursteln – schon gar mit einem "lästigen" Newcomer Zeiler.

Selbstmord mit Neuwahlen?

In Wahrheit bleibt Zeiler wohl nichts anderes übrig als das zu wagen, was sich Kern nicht traute, bevor ihn Kurz abservierte: Offensiv in Neuwahlen gehen. Ohne Geld. Ohne Partei. Ohne Chance. Denn alle Spatzen pfeifen es vom Dach: Nach der nächsten Wahl wird es eine FPÖ-ÖVP-Koalition geben. Niemals würde eine ÖVP noch einmal mit den Roten regieren – wenn die FPÖ zu Schwarz-Blau bereit ist.

Wenn Zeiler also wirklich Neuwahlen riskiert, ist das zu 90 % sein politisches Ende – dann fliegt er aus der Regierung, verspielt alles, was die SPÖ jetzt hat. Es sei denn, er gewinnt – als politischer David Copperfield – diese Neuwahlen.

Kann Zeiler eine Neuwahl gewinnen?

Ein Wahl-Sieg gegen Kickl wird schwer, aber unmöglich ist nichts. Wenn Kickl unter Druck kommt, nervös wird, dann verliert er Strahlkraft, sein Sieger-Image. Umgekehrt wird die FPÖ Zeiler brutal als "Millionär" attackieren, der in 115 Millionen Abfertigung badet, während die Österreicher an Krise und an Armut leiden. Damit wird der Wahlkampf brutal – und eine Chance für Zeiler.

Und Zeiler hat eine zweite Chance: Zeiler kann Kickl eventuell dann besiegen, wenn auch die ÖVP neu startet und ihre vermeintliche "Wunderwaffe" Kurz ins Rennen schickt. Denn: Wenn Kurz der FPÖ (wie bei den letzten Wahlen) 5 bis 10 % der Stimmen wegnimmt, käme es plötzlich zum Dreikampf Kickl-Zeiler-Kurz – dann werden die Karten neu gemischt. Dann hat die FPÖ (vielleicht) nicht mehr 40 % sondern so wie SPÖ und ÖVP nur mehr 25 %. Und wenn Zeiler bei Neuwahlen wirklich mehr als 27 % schafft, könnte er Erster werden. Dann wäre auch die Regierungsbildung wieder offen.

Zeiler hilft nur ein Wunder

Mir ist (noch) nicht klar, wie Zeiler das "rote Wunder" schaffen will, wie er Arbeiter, Angestellte, Frauen, Pensionisten wieder zurückgewinnen will. Er braucht jetzt ein wirklich gutes Programm (einen "Plan Z" – Z wie Zeiler - mit vielen Experten wie einst Kreisky) für Regierung oder Neuwahl. Er braucht eine neue Partei-Struktur. Er braucht jede Menge Marketing, um die Umfragen wieder drehen zu können. Er braucht Experten. Er braucht eine neue Aufbruch-Stimmung. Und viel Glück!

Zeiler ist sicher der Beste, den Österreichs Politik seit langem hatte. Er hat noch Kreisky und Vranitzky (aus seiner Zeit als Pressesekretär bei Sino und Vranz) als Vorbilder und Lehrmeister.

Zeiler war zuletzt in den USA Österreichs bester Manager. Er ist ein absoluter Medien- und (siehe RTL) auch Marketing-Profi. Er hat Visionen (und hoffentlich ein Programm).

Aber reicht das, um eine völlig kaputte Partei und Regierung neu zu beleben und zum Erfolg zu führen? Als Österreicher muss man sagen: Bitte lieber Gerhard Zeiler, tu dir diesen Sch…-Job an und versuche, unser Land wieder in den Aufschwung zu führen.

Als SPÖ-Funktionär müsste man sagen: Bitte, bitte, bitte lieber neuer roter Sonnen-Gott, rette unsere Partei und schick die FPÖ ins Waterloo. Als Freund von Zeiler müsste man wohl sagen: Oida, erspar dir diesen Höllenjob. Geh auf Weltreise. Genieße deinen Lebensabend. Oder starte wie Kurz ein eigenes Unternehmen.

Man könnte als guter Freund aber auch sagen: Oida, du hast keine Chance – aber nütze sie !!!

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