2.000 Euro pro Woche

Stadt Wien zahlt jugendlichen Kriminellen "Traumurlaube"

Mann steht beim Sonnenuntergang unter einem Wasserfall an einer Klippe auf Madeira, Portugal.
© Getty Images
Während viele Familien ihren Sommerurlaub mühsam zusammensparen müssen, finanziert die Stadt Wien jugendlichen Intensivtätern Aufenthalte auf der Atlantikinsel Madeira.
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Wer in Jugend-WGs für Probleme sorgt, durch erhöhte Aggressivität auffällt oder gar strafrechtlich in Erscheinung tritt, kann über die Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) auf Madeira oder in Skandinavien untergebracht werden - als pädagogische Maßnahme wohlgemerkt. Dort nämlich sollen Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen einen Neustart schaffen, wie der Kurier am Dienstag berichtete.

Soll heißen: Während arbeitende Familien jeden Euro umdrehen müssen, werden "Problemkinder" auf Kosten der Allgemeinheit ins Ausland geschickt. Laut den im Bericht genannten Angaben können derartige Betreuungsangebote bis zu 2.000 Euro pro Woche und Person kosten. Befürworter argumentieren, dass der Tapetenwechsel dabei helfen könne, Gewaltspiralen und kriminelle Karrieren zu durchbrechen.

Wie eine Sprecherin der MA 11 gegenüber dem Kurier bestätigte, sind die Dimensionen enorm: Das Budget der MA 11 liegt allein im Jahr 2025 bei rund 500 Millionen Euro. Aktuell stehen dort etwa 4.150 Kinder und Jugendliche unter Betreuung. Die Tagessätze bewegen sich je nach Betreuungsform zwischen rund 200 und 1.400 Euro pro Person.

30.000 Euro für 6-Monate-Aufenthalt

Besonders brisant: Laut dem Bericht konnte ein jugendlicher Straftäter in einem Fall nicht einmal zu einem Gerichtstermin in Wien erscheinen, weil er sich zu diesem Zeitpunkt im Rahmen einer solchen Maßnahme eben auf einem Insel-Camp Madeira befand. Der Aufenthalt soll rund 30.000 Euro gekostet haben!

Mann sitzt auf Felsen und blickt auf nebelverhangene Berge in Madeira, Portugal.
Statt weiterer Eskalation im Wiener Alltag sollen Aufenthalte auf der Atlantikinsel Madeira neue Perspektiven schaffen. © Getty Images

Derartige Angebote würden indes nicht als Urlaube verstanden, sondern eine intensive sozialpädagogische Betreuung darstellen - inklusive Einzelgesprächen, festen Tagesstrukturen und Betreuung rund um die Uhr mit dem Ziel, festgefahrene Verhaltensmuster aufzubrechen und den Jugendlichen fernab ihres bisherigen Umfelds eine neue Perspektive zu eröffnen. Auch spannend: Teilweise reisen die Betreuer als Begleiter mit.

Kritische Stimmen

"Während bei den Wienern gespart und abkassiert wird, kennt Emmerling (Wiens Vizebürgermeisterin [NEOS], Anmerkung der Redaktion) beim Geldausgeben offenbar keine Grenzen. Besonders grotesk ist, dass es keine transparenten Gesamtkosten, keine klaren Teilnehmerzahlen und keine umfassenden Nachweise über den tatsächlichen Erfolg dieser Reisen gibt. So geht man mit dem Geld der Steuerzahler nicht um", kritisiert FPÖ-Wien Bildungssprecher Klubobmann Maximilian Krauss.

"Die Negativschlagzeilen rund um die Wiener Kinder- und Jugendhilfe nehmen kein Ende. Aufgrund der Berichterstattung der Tageszeitung 'Kurier' wurde nun bekannt, dass für jugendliche Intensivtäter und sogenannte Problemkinder in der Obhut der MA 11 seit Jahren auch Auslandsaufenthalte nach Madeira, in skandinavische Länder und andere europäische Destinationen finanziert werden. Wieder einmal bleiben dabei zentrale Fragen unbeantwortet. Das zieht sich mittlerweile wie ein roter Faden durch die MA 11. So wie bereits bei der Auszeit-WG werden auch jetzt wesentliche Fragen zum Konzept nicht beantwortet. Es stellt sich daher die große Frage, warum die verantwortliche Neos-Stadträtin Bettina Emmerling auch hier Transparenz vermissen lässt", kritisiert die Familiensprecherin der Wiener Volkspartei, Gemeinderätin Sabine Keri.

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