Papier-Industrie
Warnruf der Drucker
Die im Verband Propak organisierte papierverarbeitende Industrie, die rund 80 Prozent ihrer Produkte exportiert, warnt vor wachsenden Wettbewerbsnachteilen gegenüber ost- und südeuropäischen Mitbewerbern. Demnach habe die heimische Branche zwischen 2017 und 2024 in zwölf von 15 der wichtigsten Zielmärkte Marktanteile verloren, wie es bei der Präsentation einer EcoAustria-Studie am Montag hieß. Propak-Obmann Marko Bill Schuster forderte wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen.
Rückgang
Allein in Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt, sei der österreichische Marktanteil in diesem Zeitraum von 10,3 auf 8 Prozent gesunken. Gleichzeitig gewannen laut Studie Anbieter aus Polen, China, Italien und Spanien an Bedeutung. Die Konkurrenz aus Polen geht dabei als größter Gewinner hervor. Sie habe zwischen 2017 und 2024 in österreichischen Kernmärkten Marktanteile im Schnitt um mehr als zwei Prozentpunkte dazugewonnen. Als Gründe nannte EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna niedrige Lohnstückkosten, sehr gut ausgebildete und verfügbare Arbeitskräfte, ein starkes Produktivitätswachstum sowie hohe Investitionen in moderne Produktionsanlagen.
2025 "robuste, aber leicht rückläufige" Branchenentwicklung
Der österreichischen Branche machten dagegen die im Vergleich zum Euroraum stark gestiegenen Lohnstückkosten und die schwächere Produktivitätsentwicklung zu schaffen. Zwischen 2017 und 2025 seien die Lohnstückkosten hierzulande um rund 37 Prozent gestiegen, im Euroraum um nur 27 Prozent. Gleichzeitig sei die reale Arbeitsproduktivität in Österreich nur um etwa 4 Prozent gestiegen, Polen habe im selben Zeitraum ein Plus von 25 Prozent verbucht, die Slowakei 20 Prozent und Ungarn 17 Prozent. In der heimischen papierverarbeitenden Industrie sinke die Produktivität seit 2021 hingegen stetig. "Österreich muss bei den Standortbedingungen gegensteuern, damit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten nicht schrittweise erodiert", folgerte Köppl-Turyna.
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Mit Blick auf 2025 sprach Propak-Obmann Schuster von einer "robusten, aber leicht rückläufigen" Branchenentwicklung. Der Produktionswert der 83 Mitgliedsbetriebe fiel demnach um 3 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro, mengenmäßig um 1,2 Prozent. Besonders betroffen waren Non-Packaging-Produkte mit einem Wertminus von 4,4 Prozent, während der Verpackungssektor um 1,9 Prozent zurückging. Bei den Exporten gab es ein leichtes Minus von 0,4 Prozent. Die Beschäftigung blieb trotz des angespannten Umfelds stabil, die Zahl der Lehrlinge legte um 2,6 Prozent zu.
"Die scheinbar stabile Lage darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Unternehmen wirtschaftlich zunehmend unter Druck geraten", so Schuster. Sinkende Umsätze, hohe Arbeitskosten und ein härter werdender internationaler Wettbewerb schmälerten die Spielräume für Investitionen. Schuster appellierte an Politik und Sozialpartner, diesen Entwicklungen gegenzusteuern.
Propak-Geschäftsführer Martin Widermann verwies indes auf eine wachsende Regulierungsbelastung, etwa durch die EU-Verpackungsverordnung (PPWR), die neue Aufzeichnungs- und Berichtspflichten und höhere administrative Kosten mit sich bringe. Zugleich kritisierte er, dass mehr als 20 Durchführungsverordnungen auf europäischer Ebene fehlten, was für die Unternehmen Planungsunsicherheit bedeute und forderte die fehlenden Rechtsakte rasch auf den Weg zu bringen.
Für 2026 bleibt der Ausblick der Branche zurückhaltend, Schuster rechnet bestenfalls mit einem flachen Wachstum. Zwar seien im zweiten Quartal Vorzieheffekte durch die geopolitischen Unsicherheiten rund um den Krieg in Nahost zu beobachten gewesen, ob diese positive Nachfragesituation im Jahresverlauf anhalte, sei aber ungewiss. Als Hoffnungsträger gelten recyclingfähige Papier- und Kartonverpackungen als Kunststoffersatz, ein Segment, in dem sich die österreichische Branche gut positioniert sieht.
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