Festspiel-Eröffnung

VdB: Heimat ist "Glück in der Geburtslotterie"

Ein älterer Mann hält eine Rede am Rednerpult bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele.
© APA/FRANZ NEUMAYR/LEOPOLD
In seiner Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele sprach Bundespräsident Alexander Van der Bellen über Heimat, Migration, Kompromisse und den Klimawandel.
OE24 auf Google bevorzugen

"Ich selbst denke in letzter Zeit auch wieder mehr über Migration und den Begriff 'Heimat' nach", erklärte Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei seiner Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen. Denn: Auch seine Familiengeschichte sei seit 300 Jahren eine Geschichte von Migration. Bekanntlich sei er 1944 in Wien geboren worden, seine Eltern - eine Estin und ein Russe - hätten aus dem heutigen Estland emigrieren müssen. Gelandet seien sie schließlich im Tiroler Kaunertal, wo er dann aufgewachsen sei.

"Bisch als Flichtlingskchind kcheïma, und iatz, iatz bisch uanr vo ins", sagte der Kaunertaler Bürgermeister, Pepi Raich, damals zu ihm. "Sie können sich kaum vorstellen, wie bewegend dieser Satz auch heute noch für mich ist", so VdB.

VdB warnt allerdings, mit dem Begriff "Heimat" werde und wird "viel gefährlicher Blödsinn getrieben". Und: "Weil dieser so hehre und wichtige Begriff politisch missbraucht wird. Und das gefällt mir nicht".

"Glück in der Geburtslotterie"

Heimat sei, so VdB, zunächst einmal "Glück in der Geburtslotterie". In der EU habe man den Jackpot geknackt, da man auf einem freien, demokratischen und wohlhabenden Kontinent sei. Das sei aber nicht immer so gewesen, erklärte der Bundespräsident mit Blick auf die Vergangenheit. "Die sogenannte völkische Idee hat sie in den Wahn getrieben, es gäbe so etwas wie einen 'Volkskörper und man müsse diesen 'rein' halten".

Daher appellierte der Bundespräsident: "Wenn wir möchten, dass Hass, Mord und Vernichtung nie wieder geschehen in Europa, dann müssen wir zusammenarbeiten".

Für die Heimat da sein

Dazu gehöre auch, dass man Kompromisse findet. "Das Innenleben jeder funktionierenden, freien, liberalen Demokratie, besteht nolens volens auf Kompromissen", so VdB. Wer das kleinrede, "missachtet den Kern des Aufblühens unserer Heimat".

Die Heimat könne aber nur für einen da sein, "wenn wir für sie da sind". Das heißt, dass "alle, die diese Heimat teilen, die Grundregeln einhalten" müssten. Für seine Heimat müsse man aber auch "nach außen" einstehen. "Denn Europa und der europäische Zusammenhalt werden gerade getestet", so das Staatsoberhaupt.

VdB mahnt mehr Klimaschutz ein

Am Ende mahnte Van der Bellen auch noch mehr Klimaschutz ein. Denn: "Die schönste Heimat wird unbewohnbar ab 40 Grad Celsius". Daher müsse man aufhören, "darüber zu streiten, ob wir uns die Klimakrise einbilden oder nicht". Man müsse aufhören, darüber zu streiten, "ob Windräder schick aussehen oder nicht". Sondern: "Gehen wir nach vorn. Packen wir's an. Für unsere Heimat".

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden