Schiff beschlagnahmt

Russland bezichtigt Norwegen der Piraterie

Bunte Häuser in Longyearbyen vor schneebedeckten Bergen, mit vielen Schneemobilen im Vordergrund.
© Getty Images
Die Moskauer Regierung hat die Beschlagnahmung eines russischen Kreuzfahrtschiffs in der Arktis durch Norwegen scharf verurteilt.
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Es handle sich um Piraterie, erklärte das Außenministerium in Moskau am Donnerstag. Russlands Minister für die Entwicklung des Fernen Ostens und der Arktis, Alexej Tschekunkow, kündigte an, gegen die Entscheidung vorgehen zu wollen. Norwegen hatte auf Betreiben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz das Schiff beschlagnahmt.

Wie Naftogaz am Mittwoch mitteilte, beschlagnahmten die norwegischen Behörden die "Professor Moltschanow" in der Inselgruppe Spitzbergen auf der Basis eines Gerichtsbeschlusses, der Russland zu Entschädigungszahlungen an Naftogaz verpflichtet. Der Schritt erfolgte demnach auf Anordnung eines norwegischen Gerichts.

Das Büro des Gouverneurs von Spitzbergen bestätigte, dass das Schiff festgehalten werde. Man werde sich um die Besatzung und die Passagiere kümmern, hieß es in einer Mitteilung. Dies geschehe in Zusammenarbeit mit Trust Arktikugol. Das russische Unternehmen verwaltet russische Vermögenswerte auf Spitzbergen. Barentsburg ist dort eine von zwei russischen Siedlungen. Zusammen zählen sie nach Angaben der norwegischen Statistikbehörde 392 Einwohner bei einer Gesamtbevölkerung von 2914 Menschen auf Spitzbergen.

Russland muss 4,2 Milliarden US-Dollar an Naftogaz zahlen

Die norwegische Zeitung "Aftenposten" zitierte einen Polizeivertreter aus Spitzbergen, der den Vorgang bestätigte. Mit der Beschlagnahme soll die Entscheidung eines Schiedsgerichts durchgesetzt werden, das Russland zur Zahlung von rund 4,2 Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Millionen Euro) an Naftogaz für beschlagnahmte Vermögenswerte auf der annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim verpflichtete. Moskau ist dem Schiedsspruch nicht nachgekommen.

Naftogaz-Chef Serhiy Fedorenko nannte die norwegische Maßnahme "einen weiteren wichtigen Schritt zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit" im Zusammenhang mit den Beschlagnahmen auf der Krim, die Russland 2014 annektiert hatte. Kiew werde "weiterhin weltweit gegen russische Vermögenswerte vorgehen, bis die Naftogaz und anderen Unternehmen des Naftogaz-Konzerns zugesprochene Entschädigung vollständig beglichen ist".

Schiff legte am Dienstag in Barentsburg an

Das an Rohstoffen reiche Spitzbergen ist doppelt so groß wie Belgien und liegt auf halbem Weg zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol. Russland unterhält auf dem Archipel die Bergarbeitersiedlung Barentsburg. Der Spitzbergenvertrag aus dem Jahr 1920 erlaubt es auch Bürgern von Unterzeichnerstaaten wie Russland, sich dort ohne Visum niederzulassen. Das Schiff war am Dienstag mit einer Gruppe russischer Wissenschafter in Barentsburg eingetroffen. Wie viele Menschen sich an Bord befanden, war zunächst unklar.

Ein mitreisender Journalist aus Russland berichtete, das Schiff habe zunächst ohne Zwischenfälle angelegt, und die Passagiere seien an Land gegangen. Die Beschlagnahmung sei erst am Mittwochabend bekannt geworden, schrieb der Chefredakteur des Radiosenders Komsomolskaja Prawda, Andrej Gorbunow, auf der Website des Senders. "Niemand wurde festgenommen, wir gehen alle wie gewohnt unserer Arbeit nach." Die "Professor Moltschanow" dürfe lediglich nicht den Hafen verlassen. "Wie lange dieses Verbot gilt, ist völlig unklar."

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