Spionage-Verdacht
Rätselhafte Drohnen kreisen über streng geheimer Militärbasis
Deutschland. In Mechernich, unweit von Bonn in Nordrhein-Westfalen, befindet sich ein besonders sensibler Militärstandort. In einer 130 Meter tiefen, unterirdischen Anlage lagert auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern ein riesiges Arsenal an Ausrüstung und Ersatzteilen für die Truppe. Außerdem gibt es eine besondere Anlage in er Kaserne – die sogenannte "Patriot-Werft". Hier warten Spezialisten das Flugabwehrsystem "Patriot". Die Einrichtung gilt europaweit als einmalig.
Genau dieser logistisch extrem wichtige Standort steht nun im Zentrum umfassender Ermittlungen deutscher Sicherheitsbehörden. Laut Medienberichten von "WDR", "NDR" und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) wurden dort in der Nacht zu Freitag rätselhafte Drohnenflüge registriert.
Auch interessant
Sechs Überflüge in der Nacht
Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma wollen zwischen 22 Uhr und 5 Uhr morgens insgesamt sechs Überflüge beobachtet haben. Auch bereits alarmierte Beamte der Kreispolizeibehörde Euskirchen sowie Feldjäger der Bundeswehr wurden Zeugen der Vorfälle.
Einem vertraulichen Polizeibericht zufolge kreiste eine der Drohnen dabei sogar kurzzeitig direkt über den Einsatzkräften.
Die Feldjäger, die das Geschehen aus etwa 40 Metern Entfernung beobachteten, schätzten das Fluggerät in einer ersten Analyse auf den Typ Fly-380 VTOL ein. Derartige Drohnen weisen eine Spannweite von 3,8 Metern auf, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h und besitzen eine Reichweite von 400 Kilometern. Zudem sind sie in der Lage, mehr als zehn Kilogramm Last zu transportieren.
Dass es sich um versehentlich verirrte Vermessungsdrohnen handeln könnte, schließen die Ermittler nach bisherigem Stand aus. Ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr bestätigte offiziell die Sichtung von insgesamt zwei Drohnen, lehnte aber mit Verweis auf das laufende Verfahren weitere Kommentare ab.
Spionage als mögliches Motiv
Die genauen Hintergründe der Vorfälle sind noch völlig unklar. Die Polizei ermittelt aktuell wegen des Verdachts des sicherheitsgefährdenden Abbildens militärischer Anlagen und sensibler Bereiche. Auch der Militärische Abschirmdienst, das Landeskriminalamt NRW und das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum in Berlin befassen sich intensiv mit dem Vorgang.
Über deutschen Militäreinrichtungen kommt es seit Jahren immer wieder zu verdächtigen Drohnensichtungen – beispielsweise über Marinestützpunkten an Nord- und Ostsee oder Trainingsanlagen für ukrainische Soldaten. Fachleute und Behörden halten es für möglich, dass dahinter russische staatliche Stellen oder angeheuerte "Wegwerf-Agenten" stecken könnten. Die Befürchtung: Kritische Infrastruktur könnte gezielt ausgespäht werden, um mögliche Sabotageakte vorzubereiten.
Frühere Vorfälle bei der Bundeswehr
Im April 2025 beobachtete ein Soldat auf einem hochsensiblen Stützpunkt nahe Emden, der über große Mastantennen verschlüsselte Befehle an U-Boote sendet, mehrere Männer mit Drohnen. Als er die Unbekannten ansprach, riefen sie etwas auf Russisch und flüchteten anschließend in einem Transporter; sie konnten bis heute nicht gefasst werden.
Im Dezember 2025 wurden zudem über dem Standort des neuen Luftverteidigungssystems "Arrow 3" in der Annaburger Heide – im Grenzgebiet zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt – mehrere Drohnen entdeckt. Damals setzten Bundeswehrsoldaten zur Abwehr ein Sturmgewehr mit Spezialoptik ein, verfehlten die Fluggeräte jedoch.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden