In einer neuen MasterClass mit der Neurowissenschaftlerin und Trauerforscherin Dr. Mary-Frances O'Connor spricht Harry ausführlich über Verlust, Trauer und seine eigene Geschichte. Die Folge "Redefining Grief: Building Resilience Through Loss" wurde am Donnerstag veröffentlicht.
Besonders offen spricht der 42-Jährige über die Zeit nach dem Rückzug aus dem Königshaus. Gemeinsam mit Meghan und ihrem Sohn Archie zog Harry Ende 2019 nach Kanada. Eigentlich wollte das Paar dort Abstand vom Druck gewinnen.
Doch für Harry kam es anders.
"Innerhalb von zwei oder drei Tagen nach dem Verlassen dieser stressigen Umgebung erlebte ich einen Adrenalinabsturz, wie ich ihn noch nie zuvor erlebt hatte", erzählt er.
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Er habe sich so sehr an Stress gewöhnt, dass sein Körper offenbar Schwierigkeiten mit der plötzlichen Ruhe hatte. "Ich wurde nutzlos im Haushalt", beschreibt Harry seine damalige Situation. Rund zwei Wochen lang sei er in eine Depression gerutscht und habe das Gefühl gehabt, ohne Adrenalin nicht funktionieren zu können.
Panik bei royalen Auftritten
Harry berichtet auch von der Zeit, als er noch offizielle Termine für die britische Königsfamilie wahrnahm. Schon das Anziehen für einen Termin habe bei ihm Panik auslösen können.
Ein Hemd und eine Krawatte anzuziehen, habe sich teilweise so angefühlt, als würde er gewürgt oder ersticken. Bei öffentlichen Auftritten sei die Angst von Anfang bis Ende präsent gewesen.
Dabei habe er nach dem Tod seiner Mutter lange keine Möglichkeit gesehen, seine Gefühle zu verarbeiten. Diana starb 1997 bei einem Autounfall in Paris, als Harry zwölf Jahre alt war.
Fast 20 Jahre keine Tränen
Harry erzählt, dass er nach Dianas Tod kaum geweint habe. Er habe die Nachricht von ihrem Tod nicht mit Tränen aufgenommen und erst bei ihrer Beerdigung geweint.
Danach habe er fast zwei Jahrzehnte lang nicht mehr geweint.
Heute sieht er dieses Verhalten anders. Er habe damals geglaubt, Härte und Gefühllosigkeit seien ein Zeichen von Stärke. Tatsächlich sei er aber ein Zwölfjähriger gewesen, der nicht gewusst habe, wie er mit seiner Trauer umgehen sollte.
Dianas Parfum öffnete alte Erinnerungen
Besonders emotional wird Harry, als er von einer Therapie erzählt. Eine Therapeutin habe ihn dazu ermutigt, nach dem Lieblingsparfum seiner Mutter zu suchen.
Als er den Duft schließlich wieder roch, seien Erinnerungen und Gefühle zurückgekommen, die lange verborgen gewesen seien. Harry beschreibt den Moment sinngemäß wie das Einreißen einer Mauer, durch deren Ritzen plötzlich alte Erinnerungen wieder hervorkamen.
Heute denke er "ziemlich jede Nacht und dann an den meisten Morgen" an seine Mutter. Alles, worin er seine Energie stecke, solle etwas sein, worauf Diana stolz wäre.
Meghan und die Kinder geben ihm Halt
Gleichzeitig spricht Harry darüber, was ihm heute Stabilität gibt. Die größte Quelle von Freude und Energie seien für ihn seine Frau Meghan und die gemeinsamen Kinder Archie und Lilibet – aber auch seine Arbeit.
Dafür hat sich der Herzog von Sussex eine klare Regel gesetzt: Nicht länger als zehn Tage am Stück von Meghan und den Kindern getrennt sein.
"Der Schlüssel, um dieses Gleichgewicht zu halten, besteht darin, nicht länger als zehn Tage von meiner Frau und meinen Kindern entfernt zu sein", erklärt Harry.
Auch seine Zeit beim Militär war eine Flucht
Harry sagt zudem, dass ihm die Armee einen starken Sinn für einen Zweck gegeben habe. Mit 20 Jahren sei der Militärdienst für ihn auch eine Ablenkung gewesen.
Er habe sich damals zunehmend von Freunden zurückgezogen und sich zu Hause wohler gefühlt. Gleichzeitig habe er Schwierigkeiten gehabt, passende Hilfe zu finden.
Seine Einsätze in Afghanistan beschreibt Harry rückblickend ebenfalls als prägend. Die dort gemachten Erfahrungen hätten weitere, bereits vorhandene Traumata ausgelöst beziehungsweise verstärkt.
Harry setzt auf Therapie
Schließlich habe ihm die Therapie ermöglicht, seine Trauer tatsächlich zuzulassen. Er habe erstmals das Gefühl bekommen, die Erlaubnis zu haben, zu trauern.
Auch über psychedelisch unterstützte Therapie spricht Harry. Er sieht darin eine Möglichkeit, klassische Therapie mit modernen Behandlungsansätzen zu verbinden. Solche Verfahren sind allerdings weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher und medizinischer Diskussionen.
Harry und Meghan wieder in Großbritannien
Harrys sehr persönliche Aussagen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem auch Meghan wieder stärker in Großbritannien auftritt.
Die 45-Jährige traf in London die Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai zu einem Afternoon Tea im Claridge's. Für Meghan war es ein viel beachteter öffentlicher Auftritt in London nach längerer Abwesenheit.
Harry und Meghan leben inzwischen mit ihren beiden Kindern Archie und Lilibet wieder in Großbritannien, ohne zu ihren früheren Aufgaben als arbeitende Mitglieder der Königsfamilie zurückzukehren.
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