"Vo so vü gsunde Watschen bleibt ma krank im Bett liegen" Nach "Nazis gegen Rechts" liefert Paul Pizzera jetzt den nächsten Austropop-Denkanstoß, schließlich vertont er mit der neuen AUT of ORDA-Single "Papa" das schwierige Verhältnis zu seinem eigenen Vater. Und will damit "Kindern eine Stimme geben, die körperliche und seelische Gewalt erfahren". Emotionale Song-Zeilen wie "anstatt, dass‘d ma dei Hand reichst, hast es gegen mi erhoben." oder "irreparable Schäden pflastern mein‘ Weg im Leben" inklusive. Im oe24 Interview spricht Pizzera über …
… den neuen, ergreifenden Song "Papa":Das ist sehr emotional und auch sehr wichtig. Die Idee dahinter war mir, dass man den Schützenswertesten in der Gesellschaft eine Stimme gibt. Eben den Kindern. Das ist natürlich ein schwieriges Thema, Aber schwierig ist oft ein anderes Wort für notwendig!
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… die Beweggründe: Der Tod von Philipp Hansas Papa eigentlich. Weil die haben so eine schöne Beziehung gehabt und das hat mich so berührt, weil die zwei so wertschätzend und auf Augenhöhe miteinander umgegangen sind. Und dann habe ich mir gedacht, das es leider eine andere Seite auch noch gibt. Und all denen gehört auch gesagt: „Ihr seid nicht alleine!
"Warum soll ich mich schämen, dass ich schlecht behandelt wurde?"
… über seine eigene Kindheit: Ja es gab die "gsunde Watschen". Das ist keine künstlerische Freiheit. Und es auch gut das zu erwähnen, denn warum soll ich mich schämen, dass ich schlecht behandelt wurde? Ich hoffe, dass diese Idee der Erziehung so gut wie möglich aussterben wird. Als Kind suchst du ja die Schuld bei dir: Wie kann ich mich so verbiegen, dass ich geliebt werde? Was kann ich tun, damit ich entspreche? Und damit hadert man. Und daran verzweifelt man. Und deshalb ist das Wichtigste im Song ja der Schlusssatz "Ich kann ja nix dafür!"
So klingt der emotionale & wichtige Song "Papa":
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… das Aufarbeiten: Das war total befreiend. Es ist natürlich so wie bei jedem Song, dass nicht alles autobiografisch ist, aber ich habe wirklich keine schöne Beziehung gehabt zu meinem Erzeuger. Aber es war total befreiend und schlummerte schon länger in mir.
"Das Wort "Papa" muss man sich erst verdienen!"
… seinen Vater: Ich nenne ihn nun meist "Erzeuger", weil das Wort "Papa" muss man sich erst verdienen. Ja, Du hast mir das Leben geschenkt. Gratuliere! Du hast mich in die Welt hineingeworfen, also sei dann auch da für mich! Und sonst nimm ein Kondom! Ich bin mit 17 ausgezogen Und habe auch keinen Kontakt mehr. Und das ist gut so. Es geht mir jetzt besser. Und ich würde es auch nicht wollen, wenn er sich jetzt wegen dem Song bei mir meldet.
… die therapeutische Wirkung: Für mich ist der Song auf jeden Fall befreiend. Auch weil es eben so war und man den Menschen auch damit sagen kann, dass sie nicht alleine sind. Ein befreiender Song!
"Jedes Gefühl soll dazu raus: Auch Tränen!"
… die Reaktionen: "Papa" lädt dazu ein, seinen eigenen Film vor sich ablaufen zu lassen und sich in diese angenehme Schwere reinfallenlassen. Jedes Gefühl soll dazu raus: Auch Tränen! Denn es gibt auf der ganzen Welt keine Menschen, dem es schlechter geht, nachdem er geweint hat. Tränen sind fein und befreiend! Wenn du traurig bist, ist das nur der Beweis dafür, dass deine Seele noch funktioniert.
… sein süßes Kinderfoto auf Facebook: Da schaue ich glücklich aus. Ich habe ja nicht nur eine schwierige Kindheit gehabt. Das wäre ja tragisch gewesen. Das Wichtige ist jedoch nicht, ob jemand sagt: "Ich liebe mein Kind", sondern viel mehr ob sich ein Kind wirklich geliebt fühlt. .
... über die Songzeile "Warum glaubst bin i so vü Joa long a Bettnässer blieben?" Ja ich war Bettnässer. Absolut. Bis sieben, glaube ich. Das war Ängsten geschuldet. Dazu steh ich auch! Und ich glaube, dass auch das mehr Kinder betrifft, als man sich vorstellen kann!
"Man muss auch schwierige Themen ansprechen!"
… die schwere Thematik von "Papa": Das gehört gesagt! Weil ich finde, dass das immer in der Tradition des Austropop war, dass man eben auch schwierige Themen anspricht. Dass man Haltung zeigt. Das ist viel wichtiger als immer nur das Verträglichste zu zeigen!
.. .das neue, für 18. September erwartete Album: "Die Leichtdichtheit des Seins": Da sind natürlich nicht nur so schwere Themen wie "Nazis gegen Rechts" oder "Papa" drauf, sondern auch "No-Brainer". Weil das Leben manchmal eben profan ist und dann wieder sehr seriös. Und genau diesen Spagat wollen wir schaffen.
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