Vier Direktionen

Jetzt fix: ORF-Direktoren von Stiftungsrat bestellt

Ein Mann im Anzug spricht bei einer ORF-Veranstaltung in ein Mikrofon mit ORF-Logo.
© APA/MAX SLOVENCIK
Die vier zentralen vom designierten ORF-Generaldirektor Clemens Pig vorgeschlagenen Direktorinnen und -Direktoren sind am Dienstag vom ORF-Stiftungsrat mit großer Mehrheit bestellt worden.
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Der ORF-Stiftungsrat hat am Dienstag die vier Direktorinnen und Direktoren für die Zentrale mit Mehrheit bestellt. Über die Landesdirektionen wird noch separat abgestimmt.

Für die Top-Jobs bestellt wurden:

  • Harald Kräuter (Technik)
  • Michael Krön (Programm und Brands)
  • Silvia Lieb (Finanzen)
  • Angelika Simma-Wallinger (Audience und Plattformen)

Dienstantritt ist wie bei Pig der 1. Jänner 2027.

Für das Auswahlverfahren hatte Pig externe Berater hinzugezogen, um ein transparentes, objektives, nachvollziehbares und nicht-diskriminierendes Auswahlverfahren sicherzustellen und damit den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. In Summe hatten 105 Personen 142 Bewerbungen abgegeben. Pig zeigte sich vor wenigen Tagen überzeugt, "die besten Köpfe" für die Funktionen vorgeschlagen zu haben.

Ein ORF-Neuling und mehrere Kenner

Unter den vier zentralen Direktorinnen und Direktoren hat einzig Lieb bisher keine ORF-Luft geschnuppert. Sie betätigt sich seit vielen Jahren in der Moser Holding ("Tiroler Tageszeitung") - gegenwärtig als CEO. Krön ist dagegen schon seit über 25 Jahren für den ORF tätig. Gegenwärtig verantwortet er als ORF-Chefproducer ein jährliches Programmbudget von mehreren Hundert Millionen Euro. Auch als Executive Producer für den Eurovision Song Contest (ESC) trat er heuer in Erscheinung. Simma-Wallinger ist der ORF ebenfalls keineswegs fremd. Sie dockte erstmals 1999 beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk an und kehrte nach einer zwischenzeitlichen ORF-Auszeit 2022 als ORF-Vorarlberg-Chefredakteurin zurück. 2027 wechselt sie ins ORF-Zentrum am Küniglberg. Kräuter muss keinen Wohnsitzwechsel vornehmen, ist er doch bereits seit über vier Jahren ORF-Technikdirektor.

Bei den Landesstudios setzt Pig auf einen Mix aus Direktionsneulingen und -kennern. Edgar Weinzettl (Wien), Alexander Hofer (NÖ), Klaus Obereder (OÖ), Esther Mitterstieler (Tirol) und Werner Herics (Burgenland) kennen den Posten, für den sie Pig vorschlägt, bereits. Abseits davon will der gebürtige Tiroler vier Neubesetzungen vornehmen.

So soll ORF-Salzburg-Chefredakteur Gerd Schneider im dortigen Landesstudio zum Direktor aufsteigen. Die bisherige Radio-Steiermark-Programmchefin Sigrid Hroch will Pig an der Spitze des Steiermark-Landesstudios sehen. Auch in Kärnten soll mit Martin Weberhofer der Programmchef des dortigen ORF-Regionalradiosenders zum Direktor erhoben werden. In der Branche viel herum gekommen ist schon Julia Ortner. Sie arbeitete schon für die "Presse", den "Falter" und "News", moderierte im ORF die "Pressestunde" und betätigte sich als Redakteurin bei "Report", bevor sie zuletzt als Redaktionsleiterin von ORF.at fungierte. Nun soll sie als Direktorin nach Vorarlberg wechseln.

Kein ausgewogenes Geschlechterverhältnis

Das von Pig angepeilte "strikt" ausgewogene Geschlechterverhältnis wird bei in Summe fünf Frauen und acht Männern verfehlt.

ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer und dessen Stellvertreter Gregor Schütze zeigten sich in der Vorwoche vom "professionellen Recruiting-Verfahren" angetan. Sie sahen im Wahlvorschlag "durchgehend erfahrene, kompetente Frauen und Männer" vertreten, womit "alle Unkenrufer, die seit Monaten von einem 'politisch ausgepackelten Regierungspaket'" sprechen" widerlegt würden.

Am Dienstag sagte Lederer vor Sitzungsstart, dass Pig eine "sehr gute Begründung" für alle Kandidatinnen und Kandidaten vorlegen werde. Ein Hearing sei nicht vorgesehen, allfällige kurze Fragen werde man aber stellen können, so Lederer.

Kritik von Peter Westenthaler

Kritischer sah der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler die Lage. Er stieß sich daran, dass Pig ein "konzeptionelles, systematisches Versteckspiel" betreibe, da er den Stiftungsräten nicht die Bewerbungsunterlagen zur Verfügung stelle. So könne man sich kein gutes Bild von Pigs Entscheidung machen. Auch dass es ein eingeschränktes Fragerecht gegeben haben soll, stieß Westenthaler sauer auf. "Ich frage mich, warum ich überhaupt da bin? Warum packen wir nicht wieder zusammen?", so der Stiftungsrat vor Sitzungsstart.

Wahl wird wohl angefochten

Lederer hatte bereits im Juli mit Verweis auf eine einstige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts darauf hingewiesen, dass Ausschreibung, Auswahl der bestgeeigneten Kandidatinnen und Kandidaten sowie der Vorschlag zur Bestellung dem Generaldirektor obliege - nicht dem Stiftungsrat. Die Verpflichtung zur gewissenhaften Prüfung aller Bewerbungen könne nicht auf die Stiftungsräte übertragen werden.

Der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Christoph Urtz meinte am Dienstag, dass diese Gerichtsentscheidung veraltet sei, weil damals das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFA) noch nicht anwendbar war. Das Gesetz sehe Transparenz vor. Pig müsse daher Konzepte vorlegen, um den Stiftungsräten eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen. "Der Generaldirektor läuft Gefahr, dass ihm die Bestellung um die Ohren fliegt", so Urtz. Westenthaler kündigte sogleich an, die Wahl anfechten zu wollen.

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