Ab 20. November
Neue Kreditregeln ab November: Strengere Regeln für Verbraucherkredite
Mit wenigen Klicks lässt sich ein Einkauf auf später verschieben. Gerade bei kleinen Beträgen kann dabei aber schnell der Überblick verloren gehen. Ab 20. November gelten in Österreich deshalb strengere Regeln für Verbraucherkredite. Sie sollen Konsumenten besser schützen und künftig auch Finanzierungsmodelle erfassen, die bisher nicht oder nur eingeschränkt unter das Kreditrecht gefallen sind.
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Österreich setzt damit eine EU-Richtlinie um. Wie der ORF berichtet, sieht Eike Grabher von der ifs-Schuldenberatung durch den einfachen Zugang zu Finanzierungsangeboten eine zunehmende Gefahr. "Heute ist es leichter als früher, heute geht alles über Mausklick und Knopfdruck. Ich bin in wenigen Sekunden bei allen möglichen Finanzierungsangeboten", erklärt Grabher. Seit Jahresbeginn habe die Schuldenberatung mehr als 3.100 Klienten aufgesucht, aus allen Altersgruppen.
Auch Kleinstkredite betroffen
Eine wichtige Änderung betrifft den Anwendungsbereich der neuen Regeln. Künftig werden auch Kleinstkredite unter 200 Euro, zinsfreie Finanzierungen und viele "Jetzt kaufen, später zahlen"-Modelle strenger reguliert. Darunter können etwa auch Handys fallen, deren Kaufpreis über einen Mobilfunkvertrag finanziert wird.
Welche Pflichten konkret gelten, hängt allerdings von der jeweiligen Vertragsform und den gesetzlichen Ausnahmen ab.
Mehr Pflichten für Kreditgeber
Kreditgeber müssen die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden künftig genauer prüfen und vor Vertragsabschluss umfassender informieren. Kommt die Prüfung zu dem Ergebnis, dass eine Rückzahlung voraussichtlich nicht möglich ist, darf der Kredit nicht vergeben werden.
Auch bei der Werbung gibt es neue Vorgaben. Kreditangebote müssen eindeutig als solche gekennzeichnet sein und auf mögliche Risiken hinweisen. Bestimmte Kopplungsgeschäfte, bei denen ein Kredit nur gemeinsam mit einem weiteren Produkt abgeschlossen werden kann, werden verboten oder eingeschränkt. Bei Verstößen drohen Geldbußen.
Bei Zahlungsrückständen sollen Kreditgeber außerdem angemessene Nachsichtsmaßnahmen anbieten, bevor es zu einer Zwangsvollstreckung kommt. Eine Möglichkeit kann etwa eine Umschuldung sein.
Banken sehen wenig Änderungen
Für Banken dürfte die Umstellung weniger stark ausfallen als für den Handel. "Wir Banken haben immer schon eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchgeführt, daher ist es für uns kein großes Thema", sagt Harald Giesinger, Vorstandsvorsitzender der Dornbirner Sparkasse und stellvertretender Bankensprecher in der Wirtschaftskammer Vorarlberg.
Aus seiner Sicht liegt die größere Gefahr darin, mehrere Finanzierungen gleichzeitig laufen zu haben und dadurch den Überblick zu verlieren. "Dass man den Überblick verliert, wenn man zu viele Finanzierungen am Laufen hat – bei Banken oder bei Händlerfinanzierungen – und dass das natürlich irgendwann auch zurückbezahlt werden muss", sagt Giesinger.
Bei der Dornbirner Sparkasse ergeben Konsumkredite laut Giesinger weniger als zwei Prozent aller laufenden Finanzierungen. Auch bei anderen Banken sei der Anteil ähnlich und habe sich in den vergangenen fünf Jahren kaum verändert. Ein Konsumkredit liege im Schnitt bei rund 14.000 Euro, die Bandbreite reiche von 2.500 bis 15.000 Euro.
Handel muss sich vorbereiten
Für den Handel dürfte die Umstellung stärker spürbar werden. Echte Kreditwürdigkeitsprüfungen seien für viele Händler Neuland. Die notwendigen Abläufe müssten daher erst eingerichtet oder extern eingekauft werden.
Dadurch könnten Ratenkäufe und "Jetzt kaufen, später zahlen"-Angebote zum Start der neuen Regeln seltener werden. Der österreichische Informationsdienstleister CRIF rechnet laut ORF-Bericht außerdem damit, dass der zusätzliche Prüfaufwand auch die Preise beeinflussen könnte.
Für den Handel kommt die Änderung zu einem sensiblen Zeitpunkt: Die neuen Bestimmungen treten kurz vor der umsatzstarken Weihnachtszeit sowie vor Black Friday und Cyber Monday in Kraft.
"Es könnte für manche Menschen schwieriger werden"
Die ifs-Schuldenberatung sieht die strengeren Vorgaben dennoch als wichtigen Schritt beim Konsumentenschutz. "Es könnte für manche Menschen schwieriger werden, auch Kleinkredite zu bekommen, wenn die Bonitätsprüfung genauer ist. Allerdings ist das per se nichts Schlechtes", betont Grabher.
Denn vermeintliche Überbrückungen könnten Menschen in eine Schuldenfalle und schließlich in die Insolvenz führen. "Es hat niemand etwas davon, wenn Kredite oder Ratenkäufe vergeben werden, die nicht erfüllt werden können", so der Schuldenberater.
Zu den häufigen Gründen für Überschuldung zählen laut Grabher eine frühere Selbstständigkeit, unerwartete Einkommensverluste durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit sowie Trennungen und Scheidungen.
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