oe24-Interview

Herr Präsident, ist die jährliche Ski-WM noch Thema?

FIS-Präsident Alexander Ospelt.
© FIS
Neo-FIS-Präsident Alexander Ospelt im oe24 Interview über Hirschers Wildcard, die jährliche Ski-WM, neue Renn-Formate und Finanzprobleme.
OE24 auf Google bevorzugen

Bei der FIS-Präsidentenwahl im Juni setzte sich Jurist Alexander Ospelt in einer Kampfabstimmung gegen den umstrittenen Milliardär Johan Eliasch denkbar knapp mit 65:64 Stimmen durch. Beim FIS-Gipfel in Genf präsentierte er bis 3. Oktober seine Ideen. Im Gespräch mit oe24 erklärt der Liechtensteiner, wie er diese durchsetzen will.

oe24: Herr Präsident, mit Ihrer Idee von einer jährlichen Ski-WM sind Sie u. a. beim ÖSV auf reflexartigen Widerstand gestoßen. Überrascht Sie das?

OSPELT: Es ist legitim, dass Pro und Contra abgewogen werden. Ich halte das nach wie vor für eine gute Idee. Wir haben das im Council diskutiert und es wird positiv aufgenommen. Wegen Fernseh- und anderen Rechten würde sich das sowieso erst ab 2032 ausgehen.

oe24: Warum wäre Ihnen das so wichtig?

OSPELT: Es geht wie gesagt nur um eine weitere WM in vier Jahren, damit hätten wir in jedem Jahr einen Höhepunkt und Planungssicherheit für die ersten beiden Februar-Wochenenden. Ich werde jedenfalls das Gespräch mit den Athleten suchen und schauen, welche Meinung die vertreten.

"Schenken werden wir Hirscher die Saison nicht"

oe24: Dass der ansonsten so umgängliche Franjo von Allmen die jährliche WM als "Scheiß" bezeichnet ...

OSPELT: Das würde ich nicht überbewerten. Wer weiß, in welchem Zusammenhang er das gesagt hat. Ich rede trotzdem noch mit ihm, weil ich finde, dass er tolle Leistungen zeigt. Aber klar: Jene Athleten, die schon eine Medaille haben, sehen eine Abwertung in einer weiteren WM, während die jungen hungrigen das schon möchten. Wobei ich mich auch frage, ob man die Formate nicht ändern sollte. Ist ein Teamkombi-Weltmeister wirklich gleich wertvoll wie ein Einzel-Weltmeister? Vielleicht könnte man die WM so verkürzen und kompakter gestalten.

oe24: Kritik kam auch vom ÖSV. Gab es da inzwischen eine Annäherung?

OSPELT: Ich war ein bissl überrascht, dass der ÖSV den Weg über die Medien gesucht hat, anstatt miteinander zu reden. Aber das haben wir inzwischen besprochen und ich denke, wir haben jetzt ein gutes Verhältnis.

oe24: Apropos neue Formate. Was halten Sie von der Idee, Parallelrennen in der Halle zu fahren, wie es Peter Schröcksnadel 2009 mit einer Hallen-EM probiert hat?

OSPELT: Ich bin für alle Ideen offen - egal, ob das eine WM ist oder ein Ultimate Athlete Challenge. Wir brauchen eine größere Internationalität und mehr Athleten aus kleineren Ländern am Start.

oe24: Wie stehen Sie zur Diskussion um die Wildcard für Marcel Hirscher?

OSPELT: Ich verstehe, dass die Athleten, die hinter ihm starten müssen, keine Freude haben. Aber es ist nicht so, dass wir ihm die ganze Saison schenken. Nach vier Wildcards pro Disziplin ist Schluss. Heißt, er muss schnell in die Punkteränge kommen, damit er die Position auch hält.

oe24: Unter Ihrem Vorgänger ist die FIS in eine finanzielle Krise geschlittert. Wie wollen Sie dem entgegenwirken?

OSPELT: Ich habe bereits damit angefangen. Das Präsident's Office hat unter Eliasch inklusive Strategieberatern zehn Leute beschäftigt. Die hab ich auf drei reduziert und auch sonst Kosten eingespart. Gleichzeitig gab es sehr gute Gespräche mit unseren Partnern, außerdem müssen wir bei den Medienrechten was tun.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden