Ausschreitungen

Greifen Frankreich-Randalierer gezielt jüdische Geschäfte an?

Ein Feuerwehrmann löscht nachts brennende Barrikaden im dichten Rauch auf einer Straße.
© EPA
Die schweren Unruhen in Frankreich eskalieren weiter. Am Wochenende wurden bei den Protesten auch jüdische Einrichtungen in Paris und Marseille verwüstet.
OE24 auf Google bevorzugen

In der Nacht auf Sonntag drangen Angreifer in die Ohalei-Yaakov-Synagoge im 19. Arrondissement in Paris ein. Gebetbücher, Tefillin und verschiedene Gegenstände lagen verstreut auf dem Boden, nachdem die Täter sie aus Kisten und Schränken geholt hatten. Einige Schranktüren fehlten oder hingen nur noch am Scharnier. Auch das Büro des Rabbiners wurde durchsucht und verwüstet. Laut einem Mitglied des Gemeindevorstands sah alles nach einem versuchten Diebstahl aus, es wurde jedoch nichts vermisst. Die Tora-Rollen blieben unbeschädigt. In Marseille steckten Randalierer jüdische Geschäfte in Brand. Laut einem Journalisten erfolgten diese Angriffe gezielt, wofür es bislang aber keine klaren Belege gibt. Der jüdische Lokalsender "Radio Shalom" berichtete, dass die Gemeinde prüfe, ob ein Zusammenhang zwischen dem Vandalismus und den Unruhen besteht. Dov Maimon vom Forschungsinstitut Jewish People Policy Institute sieht in den Unruhen eine neue Eskalationsstufe. Angesichts wachsender antisemitischer Gewalt könnten immer mehr französische Juden das Land verlassen, da sie sich vom Staat nicht mehr ausreichend geschützt fühlen.

Ausmass der Unruhen in Frankreich

Die Vorfälle ereigneten sich während schwerer Unruhen, die weite Teile des Landes erfassten. Von Lille im Norden bis Marseille im Süden gingen am Wochenende rund 500.000 Menschen auf die Straße, manche Quellen sprechen von fast 800.000 Menschen. Die Unruhen folgten einem Schüleraufstand und Protesten gegen die steigenden Lebenshaltungskosten. Rund 2000 Geschäfte wurden verwüstet oder geplündert, öffentliche Gebäude brannten.

Festnahmen nach schweren Ausschreitungen

Palästinensische Flaggen und Kufiyas waren bei vielen der gewalttätigen Proteste, Brandstiftungen und Plünderungen immer wieder zu sehen. Die Bilanz der Gewalt: Hunderte Menschen wurden verletzt, darunter 150 Polizisten. Mindestens 1800 Randalierer wurden festgenommen. Am Sonntagabend beruhigte sich die Lage auf den Straßen zunächst wieder.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden