Österreich
Getränke-Check: 22% weniger Zuckergehalt
Der Zuckergehalt in heimischen Getränken ist in den vergangenen 16 Jahren fast um ein Viertel gesunken. Der durchschnittliche Zuckergehalt in Getränken (ohne Süßstoffe) ging um 22 Prozent von 7,5 Gramm pro 100 Milliliter auf aktuell 5,9 Gramm zurück. Das ergab der jährliche Getränke-Check des Salzburger vorsorgemedizinischen Instituts SIPCAN. Für die aktuelle Studie wurden 592 Getränke analysiert und dabei vor allem die Verwendung von Süßstoffen als Zuckerersatz untersucht.
Zuckerkonsum insgesamt gesunken
Auch der Zuckerkonsum der Österreicherinnen und Österreicher ist seit 2010 um 23,3 Prozent zurückgegangen. "Das entspricht rund sechs Stück Würfelzucker weniger pro Person und Tag", wie das Special Institute for Preventive Cardiology and Nutrition (SIPCAN) am Mittwoch in einer Aussendung mitteilte. Bemerkenswert sei, dass diese positive Entwicklung ohne den verstärkten Einsatz von Süßstoffen bei Getränken erreicht wurde. Der Anteil an süßstoffhaltigen Getränken sei im gleichen Zeitraum leicht gesunken, und zwar von 16,6 auf 14,4 Prozent.
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Großbritannien: Zuckerreduktion durch Süßstoffe
Viele Menschen würden im Sommer ganz selbstverständlich zu süßen, erfrischenden Getränken greifen. Dabei werde oft übersehen, dass über kaum ein anderes Lebensmittel in kurzer Zeit so viel Zucker aufgenommen wird. "Mit einem halben Liter klassischer Limonade sind es über 50 Gramm. Bereits mit einer solchen Portionsgröße erreichen viele Menschen die maximal empfohlene tägliche Zuckerzufuhr." Seit 2010 setze SIPCAN daher mit der "Initiative Zuckerreduktion" klare Zeichen mit messbarem Erfolg. "Nur wenn sich Konsumentinnen und Konsumenten schrittweise an einen weniger süßen Geschmack gewöhnen, kann eine nachhaltig positive Veränderung des Ess- beziehungsweise Trinkverhaltens gelingen", sagte SIPCAN-Vorstand und Internist Friedrich Hoppichler. Zudem stünden Süßstoffe wissenschaftlich immer wieder unter Kritik.
Strategien anderer Länder würden zeigen, wie unterschiedlich Maßnahmen wirken können. In Großbritannien sei der Zucker in Getränken seit Einführung der Zuckersteuer zwar gesenkt, in der Praxis jedoch häufig durch Süßstoffe ersetzt worden, um den gewohnten süßen Geschmack zu erhalten. Erhebungen zeigten, dass aktuell rund neun von zehn Erfrischungsgetränken (87,8 Prozent) Süßstoffe enthalten, darunter auch Kindergetränke. Gleichzeitig sei das Verkaufsvolumen von Süßgetränken zwischen 2015 und 2020 um 21,3 Prozent gestiegen. "Das heißt: Die Rezeptur hat sich zwar verändert - süße Erfrischungsgetränke werden jedoch noch mehr konsumiert."
Statt kurzfristiger Maßnahmen habe SIPCAN wissenschaftlich fundierte Zielwerte im Fokus, die in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz festgelegt werden. Dabei wurden die empfohlenen Zuckergrenzen für Getränke schrittweise von 7,4 Gramm auf aktuell 6,3 Gramm pro 100 Milliliter gesenkt. "Heute erfüllt bereits jedes zweite Erfrischungsgetränk diese strengen Kriterien - und dies ohne den Einsatz von Süßstoffen."
Zuckergrenze soll auf 6,0 Gramm pro 100 Milliliter gesenkt werden
Im Jahr 2027 soll der nächste Meilenstein folgen: die Senkung der Zuckergrenze auf 6,0 Gramm pro 100 Milliliter. Dieses Erfolgsmodell der schrittweisen Zuckerreduktion schafft laut dem Institut eine klare Orientierung für die Industrie und für die österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten langfristig ein gesünderes Angebot. Entscheidend sei nicht nur, wie viel Zucker ein Getränk enthält, sondern auch, wie süß es schmeckt.
Während der Zuckergehalt in der Nährwerttabelle genau abgelesen werden könne, gebe die Kennzeichnung jedoch keine Auskunft über die Menge an enthaltenen Süßstoffen und die daraus resultierende Süße. "Weniger Zucker bedeutet nicht automatisch weniger Süße, wenn Süßstoffe im Spiel sind. Genau das sollte aus Sicht der Gesundheitsförderung aber das Ziel sein", erklärte SIPCAN-Ernährungswissenschafter Manuel Schätzer. Konsumenten sollten beim Getränkekauf nicht nur auf den Zuckergehalt achten, sondern in der Zutatenliste auch darauf, ob Süßstoffe enthalten sind.
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