Julie gerettet
Europas erster großer Lebenshof für ehemalige Zirkuselefanten
Julie kam 1988 als junges Kalb aus dem südlichen Afrika nach Portugal und wurde jahrzehntelang im Zirkus gehalten und für Auftritte eingesetzt. Seit 2024 gilt in Portugal ein vollständiges Verbot von Wildtieren in Zirkussen. Für Julie bedeutete das zwar das Ende ihrer Zirkuskarriere, aber noch nicht ein neues Zuhause. Erst jetzt gibt es einen geeigneten Ort, an den sie dauerhaft übersiedeln konnte.
Das Pangea Elephant Sanctuary ist das erste großflächige Elefantenschutzgebiet Europas. Auf rund 402 Hektar im Alentejo können Elefanten künftig wandern, Nahrung suchen und ihre Umgebung selbstständig erkunden. Das warme mediterrane Klima ist das perfekte Klima für die Tiere.
Ryan Hockley von Pangea Elephant Sanctuary sagt:
"Elefanten sind unglaublich komplexe Lebewesen. Und auch wenn es vielleicht nicht kompliziert klingt: Einer der wichtigsten Dinge, die man ihnen geben kann, ist Platz. Kognitiv und mental sind sie sehr komplex. Und aufgrund ihrer Kraft muss alles absolut elefantensicher sein."
Julie ist bereits in ihren 40ern und braucht aufgrund ihrer jahrzehntelangen artwidrigen Haltung besondere Betreuung. Nach ihrem Umzug wird sie medizinisch überwacht und kann sich in ihrem eigenen Tempo an die neue Umgebung gewöhnen.
"Und genau deshalb haben wir hier bei Pangea so großes Glück. Wir haben mehr als 402 Hektar zur Verfügung, um wirklich wunderbare Lebensräume für die Elefanten zu schaffen."
Auch die Einsamkeit soll ein Ende haben. Noch in diesem Jahr soll Kariba zu Julie kommen, eine weitere Afrikanische Elefantenkuh in ihren 40ern, die derzeit allein in einem Zoo in Belgien lebt. Weitere Elefanten sollen folgen.
Denn Julie ist kein Einzelfall. Mehr als 600 Elefanten leben derzeit noch in Gefangenschaft in Europa. In immer mehr europäischen Ländern ist der Einsatz von Elefanten in Zirkussen verboten. Damit steht man jedoch vor der Frage: Wohin mit den Riesen?
Für viele Zirkusse und auch Zoos gibt es bislang kaum geeignete Möglichkeiten, Elefanten dauerhaft unterzubringen. Auch Behörden können Tiere nur schwer aus schlechter Haltung beschlagnahmen, wenn geeignete Plätze für ihre Unterbringung fehlen.
Pangea soll genau diese Lücke schließen. Das Schutzgebiet arbeitet mit Zirkussen, Zoos und Behörden zusammen und will Elefanten lebenslang aufnehmen. Statt kleiner Gehege, Transporte und Auftritte sollen die Tiere dort Platz, Rückzugsmöglichkeiten und vor allem Gesellschaft von Artgenossen bekommen.
"Wir wollen uns hier nicht auf ein paar Elefanten beschränken. Wir wollen weiter wachsen und versuchen, möglichst vielen Elefanten einen Platz zu bieten. Deshalb müssen wir den vorhandenen Raum vollständig nutzen, um ihnen einen Lebensraum zu geben, in dem sie wirklich ihr natürliches Verhalten ausleben können."
Für Europas Elefanten gibt es damit erstmals eine Perspektive nach der Gefangenschaft - ein dauerhaftes zu Hause, das ihren Bedürfnissen entspricht.
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