Es gibt Filme, die das Verfassen einer spoilerfreien Kritik anspruchsvoll machen. Und dann gibt es Alejandro González Iñárritus "Digger", der am 1. Oktober in den Kinos startete. Der skurrile Film mit einem emsigen Tom Cruise ist Kontroverse mit Ansage, aber nicht nur das. Er hält ausgesprochen genüsslich, man könnte auch sagen selbstgerecht, den Spiegel vor. Allerdings nicht nur der Gesellschaftsgruppe, bei der man es angesichts der Trailer erwarten würde. Der ebenso in die Jahre gekommene wie steinreiche Ölmagnat Digger Rockwell spielt eine zentrale Rolle. Er hat quasi im Alleingang dafür gesorgt, dass die Erde ihrem Untergang geweiht ist. Also, befindet zumindest der Präsident der Vereinigten Staaten, ist es auch an ihm gelegen, sie zu retten: "Digger hat uns in diese Scheiße geritten und Digger gräbt uns da auch wieder raus!" Doch ganz der Geschäftsmann kann Digger sogar der drohenden Apokalypse etwas abgewinnen: "Panik ist eine Ressource. Panik lässt die Menschen aufwachen. Wenn wir den Verlauf der Natur nicht kontrollieren können, können wir zumindest die Narrative kontrollieren." Und sollte dabei noch der eine oder andere Dollar verdient werden, na, wo ist das Problem?
Bislang grösste Herausforderung
Was für Iñárritus neuen Film die treibende Inspirationsquelle war, liegt auf der Hand: Vor über 60 Jahren wagte es Stanley Kubrick mit "Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben", die drohende atomare Apokalypse während des Kalten Krieges in eine Satire zu verwandeln. Eine bahnbrechend mutige Entscheidung, die ihren Stammplatz in der Filmgeschichte sicher hat. Doch genau hier liegt die größte Herausforderung, die "Digger" zu bewältigen hat: Wenn das wahre Leben schon so frustrierend bizarr und absurd ist, kann man es dann überhaupt noch in eine Satire überspitzen, die nicht zu zynischem Fatalismus verkommt? Ihre Antwort auf diese Krux liefern Cruise und Iñárritu nach ungefähr einer halben Stunde, wenn "Digger" einen erstaunlichen Paradigmenwechsel vollzieht. Das geschieht mit einem Twist, der den Film auf eine Metaebene hievt. Dieser Kniff darf tatsächlich als mutig bezeichnet werden, ist bei einem kolportierten Budget von 125 Millionen US-Dollar aber auch ungemein riskant.
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One-Man-Show im Fokus
Mit der Figur Digger Rockwell verlässt Tom Cruise ähnlich genüsslich seine gängigen Rollenbilder, wie er es in seinem Kurzeinsatz als Schmierlappen Les Grossman in "Tropic Thunder" getan hat. Wie Sellers in "Dr. Seltsam" beweist Cruise seine Wandelbarkeit und die Bereitschaft, sich völlig in einer Figur zu verlieren. Diese Abkehr vom klassischen Actionhelden kommt in "Digger" aber mit einem Preis: Das Scheinwerferlicht ist damit unweigerlich nur auf Cruise und dessen ungewöhnliches Schauspiel gerichtet. Weder John Goodman als US-Präsident und Riz Ahmed als die verzweifelte Stimme der Vernunft, ja noch nicht einmal Sandra Hüller, die im Film die impulsive Halbschwester der Titelfigur verkörpert, vermögen es, Cruises One-Man-Show zu durchbrechen. Wie schon bei "The Revenant" und Leonardo DiCaprio scheint bei "Digger" und Cruise die Marschroute zu lauten: alles für den überfälligen Hauptdarsteller-Oscar.
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