Ex-WKW-Präsident
Der Skandal rund um Ruck: Fünf Verlierer - und nur ein Gewinner
Geschichte wiederholt sich hin und wieder, und zwar nicht immer als Farce, wie Karl Marx es voraussagte. Und hat der Skandal rund um den selbstherrlichen Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck ein Vorbild - und heißt Alois Rechberger. Sind es bei Ruck haarsträubende Beispiele von Postenschacher und abfällige Bemerkungen in Richtung Frauen, so war es beim AK-Skandal des Jahres 1990, den Jörg Haider mit einem "Taferl" dem seinerzeitigen SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky entgegenhielt, ein Bonzengehalt, lustigerweise nicht das Rechbergers, sondern das des Kammerdirektors. Der Skandal erschütterte das gesamte Kammersystem - Haiders FPÖ konnte bei der Wahl 1990 satt zulegen.
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Auch diesmal erschüttert ein Kammerpräsident, der an Macht nicht genug bekommen konnte, die beiden einstigen Großparteien - und das gesamte System der Sozialpartnerschaft. Hier die größten Verlierer des Skandals rund um Ruck:
Die ÖVP und Kanzler Christian Stocker
Man muss Christian Stocker zugute halten: Nach einer mehrtägigen Schrecksekunde hat er auf die haarsträubenden Ruck-Aussagen zu Postenschacher, Nepotismus und Frauenfeindlichkeit richtig reagiert und den Wiener flugs aus der Partei geworfen. Dem Bundeskanzler wurden aber die Grenzen seiner Macht schmerzlich aufgezeigt, denn Ruck trat nicht zurück, weil Stocker es wollte. Den Schaden hat jetzt der Kanzler und seine Partei. Und nicht nur das: Stocker muss sich auch die Frage gefallen lassen, warum er bei Ruck reagierte - aber beim - nicht rechtskräftig - verurteilten Postenschacherer August Wöginger nicht.
Die Wirtschaftskammer und Martha Schultz
Die neue WKO-Präsidentin Martha Schultz musste ebenfalls erkennen, dass sie gegen einen renitenten Landespräsidenten wenig ausrichten kann. Auch Schultz hat richtig reagiert - doch der Skandal schwelte zwei Wochen, bis es ihr mit Hilfe des Vorarlberger Landespräsidenten Karl-Heinz Kopf gelang, eine Länder-Front gegen Ruck zu organisieren. Denn der erste Reflex von Rucks Landeskollegen war, zu mauern - doch mit der gemeinsamen Erklärung von acht Landespräsidenten gegen Ruck bedeutete dessen Ende. Trotzdem sind jetzt Schultz und die Wirtschaftskammer beschädigt. Immerhin hat auch Ruck von jener Gehaltserhöhung der Länderchefs profitiert, die zum Rücktritt von Kammerchef Harald Mahrer führte. Und: Auch Rucks Nachfolgerin Margarete Kriz-Zittkowitz, die Ruck bis zuletzt die Treue hielt, ist hatte deutliche Schrammen erlitten.
Die Sozialpartnerschaft generell
Wie seinerzeit im Fall Rechberger trifft die Ruck-Causa alle Kammern. Man braucht kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass jetzt wieder - betrieben von FPÖ und NEOS - eine Debatte über die Pflichtmitgliedschaft beginnt. Und das betrifft dann auch die Arbeiter- und Landwirtschaftskammern.
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig
Michael Ludwig hat bis zuletzt an seinem Gegenüber Ruck festgehalten. Über die Gründe wird trefflich spekuliert, Tatsache ist, dass das Rathaus seit Jahrzehnten eng mit der Wirtschaftskammer zusammenarbeitet - das reicht von großen Wirtschaftsprojekten bis zur geradezu rituellen Eröffnung der Schanigartensaison. Dazu kommt, dass es Ludwig mit Hilfe Rucks gelang, einerseits einen guten Draht zur ÖVP zu haben, diese aber auf der anderen Seite so zu spalten. Ludwig war angesichts der frauenfeindlichen Aussagen Rucks nicht zur Verteidigung seiner Vizebürgermeisterin Barbara Novak ausgerückt - was auch für Irritationen in der Landes-SPÖ sorgte.
Die SPÖ und Parteichef Andreas Babler
Im Gegensatz zu Ludwig haben SPÖ-Chef Andreas Babler und seine Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner sofort zu Rucks Frauenbild Stellung genommen und Rucks "völlig überholtes Frauenbild" kritisiert. Auslöser war unter anderem Rucks Zitat bezüglich einer Zusammenarbeit mit der SPÖ-Politikerin Barbara Novak: "Heast, ich will nicht mit einer Frau. Da kann ich nicht in den Weinkeller runtergehen...". Babler hat sich damit im Gegensatz zu Ludwig gebracht - und der war bekanntlich der einzige wirkliche Unterstützer. Auch in der SPÖ kommt es damit zur Zerreißprobe.
Die einzige Gewinnerin: die FPÖ
Herbert Kickl und die FPÖ gewinnen als einzige. Ja, auch NEOS und Grüne haben sofort gegen Ruck Stellung bezogen. Große Profiteurin ist aber - da sind sich alle Experten einig -- die FPÖ, die ja seit Haider gegen Bonzen à la Ruck antreten. Gut möglich, dass die Blauen in den Herbst-Umfragen die 40-Prozent-Marke knacken. Kickl könnte Walter Ruck also zum Ehrenmitglied machen.
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