An der Ostsee

DDR-Feriendorf kommt für 1,49 Mio. Euro unter den Hammer

Luftaufnahme eines Ferienlagers an der Ostseeküste mit Strand und umgebenem Wald.
© Immobilienauktion Deutschland
Ein geschichtsträchtiges Feriendorf auf der Ostseeinsel Usedom steht vor einem Eigentümerwechsel. Das ehemalige DDR-Pionierlager in Trassenheide wird am 10. Dezember offiziell versteigert.
OE24 auf Google bevorzugen

Mitten im Wald und nur rund 200 Meter von den Wellen der Ostsee entfernt befindet sich ein Areal voller Erinnerungen. Wo einst Generationen von Ferienkindern unvergessliche Sommer verbrachten, Freundschaften schlossen und erste Schwärmereien erlebten, gelangt nun ein Stück ostdeutscher Geschichte auf den Markt. Das frühere Pionierlager Trassenheide im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern umfasst ein gewaltiges Grundstück von 10.002 Quadratmetern. Umgeben von modernen Hotels, gemütlichen Ferienhäusern und Gastronomiebetrieben liegt die Anlage in einer der begehrtesten Urlaubsregionen.

Auf dem bewaldeten Grundstück verteilen sich insgesamt 19 freistehende Bungalows, die in den 1960er-Jahren in klassischer Leichtbauweise errichtet wurden. Jedes dieser kleinen Häuschen bietet eine Wohnfläche zwischen 10 und 15 Quadratmetern und verfügt über eine schlichte, zweckmäßige Ausstattung. Nach Angaben des zuständigen Auktionshauses wurden die Unterkünfte in der jüngeren Vergangenheit aufgewertet. "Die Bungalows sind innen renoviert", bestätigt Matthias Knake, Geschäftsführer des Immobilienauktionshauses Deutschland, im Gespräch mit der "Bild".

Die wichtigsten Fakten zur Liegenschaft im Überblick

  • Grundstücksfläche: 10.002 Quadratmeter Gesamtareal direkt im Küstenwald
  • Bestehende Nutzfläche: Circa 1.064 Quadratmeter Fläche in den Bestandsgebäuden
  • Bettenkapazität: Großes Haupthaus mit rund 100 Betten sowie Personalunterkünfte
  • Gemeinschaftsflächen: Speisesaal, Küche, Werkstatt, Sanitärgebäude und Aufenthaltsräume
  • Erweiterungspotenzial: Rund 4.000 Quadratmeter im nördlichen Bereich mit drei Baufenstern
  • Mindestgebot: 1,49 Millionen Euro bei der Versteigerung am 10. Dezember

Solide Einnahmen durch Schüler- und Klassenfahrten

Die wirtschaftlichen Rahmendaten des Objekts präsentierten sich zuletzt stabil. Bis zum vergangenen September herrschte auf der Liegenschaft regulärer Urlaubsbetrieb, wobei vor allem Klassenfahrten und Kindergruppen für eine kontinuierliche Auslastung sorgten. "Bis September wurde das Objekt noch als Ferienanlage voll genutzt", erklärt Auktionator Matthias Knake. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich in Spitzenzeiten auf bis zu 170.000 Euro. Beheizt werden die Hauptgebäude über eine zentrale Gastherme; die großzügigen Gemeinschaftsräume wurden bereits Mitte der 1990er-Jahre einer Modernisierung unterzogen.

Für potenzielle Investoren bietet das Gelände beachtlichen Spielraum zur Neugestaltung. Der rechtskräftige Bebauungsplan gestattet den Betrieb von touristischen Beherbergungsbetrieben mit einer Kapazität von bis zu 100 Betten. Da die bestehende Nutzfläche derzeit bei rund 1.064 Quadratmetern liegt, lässt sich das Areal nach Maßgabe der Behörden noch spürbar erweitern. Matthias Knake verweist auf die baulichen Reserven: "Im nördlichen Bereich des Grundstücks befinden sich auf circa 4000 Quadratmetern drei Baufenster."

Besondere Klausel und bauliche Altlasten

Interessenten müssen vor der Abgabe eines Gebots allerdings zwei wesentliche Details berücksichtigen. Zum einen enthält der Kaufvertrag eine ungewöhnliche Klausel: An der Grundstücksgrenze betreibt der derzeitige Besitzer einen Getränkeautomaten. Dieser soll auch in Zukunft stehen bleiben. Der Meistbietende muss sich verpflichten, dem Betreiber für eine Stellfläche von rund zwei Quadratmetern ein unentgeltliches Nutzungsrecht für die Dauer von zehn Jahren zu gewähren.

Zum anderen erfordert die Bausubstanz aus DDR-Zeiten Sanierungsmaßnahmen, da in Teilbereichen Schadstoffe verbaut sind. Die Außenfassaden der Gruppenunterkünfte bestehen aus Planasbest, und auch mehrere Dächer des Areals sind mit Wellasbestplatten eingedeckt. Der jetzige Eigentümer hatte das Feriendorf erst im Jahr 2022 ersteigert und nach eigenen Angaben rund 90.000 Euro investiert. Nun startet der neuerliche Verkaufsanlauf mit einem Mindestgebot von 1,49 Millionen Euro.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden