Für rund eine Million Kinder und Jugendliche in ganz Österreich bringt das neue Schuljahr eine spürbare Veränderung mit sich. Der Unterricht beginnt heuer so spät wie nur möglich. Grund dafür ist das österreichische Schulzeitgesetz, das den Schulstart im Osten des Landes exakt auf den ersten Montag im September festlegt. Der bevorstehende Schulstart für das Unterrichtsjahr 2026/27 bringt in ganz Österreich bedeutende Neuerungen für Schülerinnen, Schüler, Eltern sowie das Lehrpersonal.
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Das BMBWF hat für das Schuljahr 2026/27 gezielte Anpassungen in den Stundentafeln vorgenommen. Besonders an den höheren Schulen steht die fortschreitende Digitalisierung im absoluten Fokus der Lehrplanentwicklung.
Weiter Aufregung um Kopftuch-Verbot
Für die mit Abstand größte Aufregung hat das Kopftuch-Verbot bis zum 14. Geburtstag gesorgt. Während einige Glaubensgemeinschaften sogar zum Boykott aufrufen, ist das Gesetz seit 1. September offiziell in Kraft getreten. Ausgenommen ist allerdings etwa der Unterricht außerhalb des Schulgebäudes sowie Schul- und schulbezogene Veranstaltungen außerhalb der Schule.
Sollte eine Abmahnung der Lehrer nicht beachtet werden, wird es zu einem Gespräch mit der betroffenen Schülerin, der Schule und den Erziehungsberechtigten kommen. Bei weiteren Verstößen gegen das Gesetz drohen sogar Verwaltungsstrafen von bis zu 800 Euro.
Digitale Bildung wird vertieft
An der AHS-Oberstufe (5. bis 8. Klasse) wird der Unterricht der Digitalen Grundbildung massiv ausgebaut und fächerübergreifend direkt in bestehende Pflichtfächer der Oberstufe integriert.
Auch an den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) sowie an anderen Schultypen gibt es maßgebliche Anpassungen:
- AHS-Oberstufe: Mehr Integration von Digitaler Bildung in bestehende Pflichtfächer.
- Höhere Technische Lehranstalten (HTL): Englisch wird als Arbeitssprache in ausgewählten technischen Fachbereichen noch fester verankert, um die Absolventinnen und Absolventen optimal auf eine internationale Karriere vorzubereiten.
- Handelsakademien (HAK): Die Fächer Wirtschaftsinformatik und Digitale Buchhaltung erhalten einen komplett aktualisierten und praxisnahen Lehrplan.
- Mittelschulen (MS): Eine überarbeitete Regelung für Stützstunden ermöglicht künftig eine noch individuellere und flexiblere Förderung direkt am Schulstandort.
Das Pflichtfach Digitale Grundbildung läuft in der Sekundarstufe I wie gewohnt weiter. Es wurde bereits mit der Schulrechtsnovelle 2022 als eigenständiges Fach in der 5. bis 8. Schulstufe verankert und umfasst eine Wochenstunde pro Jahr. Auf dem Lehrplan, der auf bmbwf.gv.at abrufbar ist, stehen wichtige Themen wie Mediennutzung, Datenschutz, einfaches Programmieren und der richtige Umgang mit KI-Werkzeugen.
Chancenbonus & Deutschförderung
Ein zentrales Element der Reformen ist der sogenannte Chancenbonus, der an 400 Volks- und Mittelschulen mit besonders herausfordernden sozialen Rahmenbedingungen startet. Diese Standorte erhalten ab dem neuen Schuljahr zusätzliche Personalressourcen. Insgesamt können dabei zehn unterschiedliche Berufsgruppen flexibel eingesetzt werden:
Insgesamt sollen rund 800 Vollzeitäquivalente für diese wichtige Unterstützung zur Verfügung stehen. Welche zusätzlichen Fachkräfte an einem Standort konkret eingesetzt werden, entscheiden die Schulleitungen eigenständig entsprechend dem Bedarf vor Ort. Wichtig dabei ist, dass die zusätzlichen Ressourcen direkt an konkrete Schulentwicklungsmaßnahmen gekoppelt sind.
Auch bei der Deutschförderung gibt es mit dem neuen Schuljahr eine umfassende Neuausrichtung. Von 686 Pflichtschulen, die bisher eine klassische Deutschförderklasse geführt haben, konnten sich die Standorte für ein autonomes Modell entscheiden. 52 Prozent dieser Schulen haben von diesem Recht Gebrauch gemacht. Damit können die Schulen die Deutschförderung deutlich stärker an die individuellen Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler sowie an die jeweiligen Rahmenbedingungen am Standort anpassen. Rund 23.340 außerordentliche Schülerinnen und Schüler sollen im kommenden Schuljahr von dem neuen Modell profitieren.
Weniger Bürokratie
Unter dem Titel "Freiraum Schule" will das Bildungsministerium bürokratische Belastungen massiv reduzieren. Nach einem Beteiligungsprozess mit mehr als 19.000 Personen aus Schulpraxis und Bildungsverwaltung wurden laut Ministerium bereits 80 Prozent der Rundschreiben gestrichen oder neu geordnet.
Mit dem Schuljahr 2026/27 soll außerdem die neue Plattform "Teachers.Direct" an den Start gehen. Sie dient als zentrales Kommunikationstool zwischen Lehrpersonal und Bildungsdirektionen. Formulare sollen künftig rein digital übermittelt werden können, anstatt sie wie bisher auszudrucken, händisch auszufüllen und anschließend wieder mühsam einzuscannen.
Suspendierungen & Ausbau der Psychologie
Für suspendierte Schülerinnen und Schüler werden nun einheitliche Standards für eine Suspendierungsbegleitung eingeführt. Die maximale Dauer einer Suspendierung beträgt vier Wochen, bei einem offiziellen Antrag auf Ausschluss ist eine einmalige Verlängerung um zwei Wochen möglich. Ab einer Suspendierungsdauer von vier Tagen ist eine verpflichtende Begleitung gesetzlich vorgesehen. Während der Suspendierung sollen Schülerinnen und Schüler mindestens acht bis 20 Stunden pro Woche pädagogisch und psychosozial betreut werden.
Nach der Suspendierung erhalten die Schülerinnen und Schüler einen individuellen Förderplan. Auch die Erziehungsberechtigten sollen in den Veränderungsprozess einbezogen werden.
Parallel dazu wird das psychosoziale Unterstützungspersonal an den Schulen deutlich ausgebaut. Im kommenden Schuljahr werden 70 zusätzliche Planstellen für die Schulpsychologie geschaffen. Bereits im vergangenen Schuljahr kamen 70 neue Stellen hinzu. Bis zum Jahr 2027 soll der Ausbau vollständig abgeschlossen sein, sodass insgesamt 200 zusätzliche Schulpsychologinnen und Schulpsychologen zur Verfügung stehen. Auch die Schulsozialarbeit soll weiter ausgebaut werden.
Verpflichtende Perspektivgespräche
Auch verpflichtende Perspektivengespräche werden eingeführt, wenn sich Schülerinnen und Schüler ab der 9. Schulstufe an einer AHS oder berufsbildenden mittleren bzw. höheren Schule abmelden oder ausgeschlossen werden. Dabei werden die genauen Gründe für den Abbruch, weitere Bildungswege sowie die Ausbildungspflicht besprochen.
Neben dem Jugendlichen nehmen Erziehungsberechtigte, Vertrauenslehrpersonen sowie externe Fachkräfte aus Schulpsychologie, Schulsozialarbeit oder Jugendcoaching teil. Wie entwickeln sich diese Maßnahmen im Schulalltag? Das wird sich im Laufe des Schuljahres zeigen.
Schulbeihilfe und "Lernunterstützung Plus"
Zur finanziellen Entlastung der Familien wurden die gesetzlichen Einkommensgrenzen für den Bezug der staatlichen Schulbeihilfe für das Schuljahr 2026/27 leicht nach oben angepasst. Dadurch haben etwas mehr Familien als im Vorjahr Anspruch auf diese finanzielle Unterstützung. Anträge können wie gewohnt direkt bei Schulbeginn über die Schule oder die zuständige Schulbehörde eingereicht werden.
Gleichzeitig wird das bewährte Förderprogramm "Lernunterstützung Plus" substanziell ausgeweitet. Schülerinnen und Schüler an Mittelschulen sowie an der AHS-Unterstufe mit dokumentierten Lernschwierigkeiten können nun in deutlich mehr Fächern als bisher von kostenlosen, schulinternen Förderstunden profitieren. Die genauen organisatorischen Modalitäten hängen von der jeweiligen Schule ab.
Entlastung für Schulleitung
Seit Jahren klagen Lehrerinnen und Lehrer in ganz Österreich über eine ständig wachsende Belastung durch bürokratische Aufgaben. Die eigentliche Unterrichtstätigkeit und die wertvolle Arbeit mit den Kindern geraten dadurch im dichten Schulalltag immer wieder in den Hintergrund. Mit dem neuen Modell ab dem Schuljahr 2026/27 soll sich das nun grundlegend ändern.
Bestimmte Lehrkräfte übernehmen künftig unter dem Begriff "mittleres Management" administrative und organisatorische Aufgaben. Das Ziel ist eine spürbare Professionalisierung der Schulverwaltung und eine nachhaltige Entlastung des gesamten Lehrkörpers an den Standorten.
Mehr Transparenz
Auch bei mehrtägigen Schulveranstaltungen wie Skikursen, Projektwochen oder Sprachreisen gibt es wichtige rechtliche Neuerungen. Eltern besitzen ab dem Schuljahr 2026/27 das Recht, eine detaillierte Aufstellung aller anfallenden Kosten einzufordern, bevor sie der Teilnahme ihres Kindes schriftlich zustimmen müssen. Für einkommensschwache Familien stehen bei den Schulen zudem spezielle Unterstützungsfonds zur Verfügung, die aktiv nachgefragt werden sollten.
Darüber hinaus wurde der Kostenrahmen für Lernmittel neu definiert. Die Schulen sind ab diesem Jahr verpflichtet, den Schülerinnen und Schülern direkt zu Schulbeginn eine vollständige Liste aller benötigten Arbeitsmaterialien zu übergeben. Dies soll den Eltern ausreichend Zeit geben, die Anschaffungen vorzubereiten und Preise zu vergleichen.
Schulfahrtbeihilfe erhöht
Für viele Familien in Österreich ist der tägliche Weg der Kinder zur Schule mit erheblichen logistischen und finanziellen Herausforderungen verbunden. Besonders hart trifft es jene, deren Kinder den täglichen Schulweg nicht im Rahmen der kostenlosen Schülerfreifahrt zurücklegen können, sei es aufgrund mangelnder öffentlicher Verkehrsanbindungen oder anderer regionaler Gegebenheiten. Hier greift ab dem Schuljahr 2026/27 eine umfassende Reform, welche die bisherigen Unterstützungsleistungen verdoppelt und somit für eine spürbare finanzielle Entlastung sorgen soll.
Die finanzielle Unterstützung wird dabei nach der Länge des zurückzulegenden Schulwegs gestaffelt, um den tatsächlichen Aufwand besser abzufedern. Wenn der Schulweg in einem Radius von zehn Kilometern ist, wird die monatliche Beihilfe künftig zwischen 12 und 30 Euro liegen. Beo längeren Schulwegen erhöht sich die staatliche Unterstützung auf Beträge zwischen 18 und 45 Euro pro Monat.
Digitale Schulbücher und Lernplattformen
Die traditionelle Schulbuchaktion deckt auch weiterhin den Großteil der benötigten Pflichtschulbücher ab. Neu ist, dass in diesem Schuljahr erstmals digitale Lernmittel wie E-Books und Lern-Apps in ausgewählten Fächern über die Schulbuchaktion staatlich gefördert werden. Was konkret geliefert wird, entscheidet die jeweilige Schule.
In der Oberstufe sowie an den Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) greift die Schulbuchaktion allerdings weiterhin nur eingeschränkt. Viele Fachbücher und Skripten müssen von den Familien selbst angeschafft werden. In solchen Fällen nutzen Schülerinnen und Schüler zunehmend Online-Plattformen wie lerneasy.at, wo erfahrene Lehrkräfte komplexe oder veraltete Buchinhalte direkt und verständlich erklären.
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