Sensationsfund

Claudivium: Römerstadt nach 1.800 Jahren entdeckt

Die Grundmauern einer römischen Stadt für rund 8.000 Bewohner wurden bei St. Pantaleon entdeckt.
© Forum Donaulimes/ GeoSphere Austria
Die alten Römer hätten es nicht besser inszenieren können: In St. Pantaleon-Erla (Bezirk Amstetten) taucht plötzlich eine ganze Stadt aus dem Nichts auf – 1.800 Jahre lang hat sie sich bestens versteckt.
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Geophysikalische Messungen enthüllen ein 25 bis 30 Hektar großes Areal mit ordentlichem Straßenraster und einem Amphitheater für ganze 8.000 Zuschauer – so groß wie in der berühmten Militärstadt Carnuntum. Die Römer siedelten hier ab etwa 80 nach Christus, und um 180 nach Christus packten sie wieder die Togen und zogen von dannen.

Gesucht, gefunden.
Gesucht, gefunden. © APA/GEOSPHERE AUSTRIA

Ein Forscher-Trupp wie aus dem Legionslager

Entdeckt wurde die Stadt am UNESCO-Welterbe Donaulimes von einer ganzen Kohorte an Experten: Forum Donaulimes, Universität Innsbruck, GeoSphere Austria, Research Archaeology sowie die Landesarchäologien von Niederösterreich und Oberösterreich zogen gemeinsam ins Feld.

„Für eine Siedlung, die im Umfeld einer Garnison von rund 500 Soldaten entstand, ist eine derart große und planvoll angelegte Stadt im gesamten Römischen Reich bislang ohne Vergleich", staunten die Forscher bei der Präsentation. Der mögliche Name der Stadt: Claudivium – wer der namensgebende Claudius genau war, bleibt allerdings das Geheimnis der Geschichte.

Ein römischer Abgang mit Stil

Um 180 nach Christus brechen die Spuren der Siedlung schlagartig ab – kein Chaos, kein Kriegsgetümmel, sondern ein geordneter, geplanter Rückzug. Für Archäologen ist das wie eine Zeitkapsel, die 1.800 Jahre lang niemand geöffnet hat. Die Ergebnisse wurden bereits digital rekonstruiert und sichtbar gemacht. Offene Fragen zu Entwicklung und Funktion der Stadt sollen erst weitere Grabungen klären.

Bauern statt Legionäre auf dem Acker

Heute tummeln sich auf dem einstigen Stadtgebiet keine Legionäre mehr, sondern Traktoren: Das Areal wird landwirtschaftlich genutzt. Die Forscher warnen eindringlich, dass wichtige Teile ohne gezielte Untersuchungen „unwiederbringlich verloren gehen" könnten.

Der Limes wächst weiter

Der rund zehn Kilometer lange Donaulimes-Abschnitt zwischen Enns und St. Pantaleon-Erla steht seit 2015 im Fokus der Forschung, seit 2021 zählt der gesamte Donaulimes von Bayern bis in die Slowakei zum UNESCO-Welterbe. Die Legionslager von Enns und Albing gehören bereits dazu – Claudivium könnte schon bald als nächstes römisches Puzzleteil hinzukommen.

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