Welt-Analyse

Ceuta: So versagte Europas Grenzschutz

Viele Menschen sitzen und stehen dicht gedrängt an einem Strand nahe dem Wasser in Ceuta, Spanien.
© Getty Images
Folgt am 15. August der nächste Sturm auf spanische Exklave in Marokko?
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Ceuta. Europas Migrationspolitik funktioniert nicht. Kein Land ist in der Lage, seine Außengrenzen so zu schützen, dass ein Massenansturm abgewehrt werden könnte. Das Beispiel der spanischen Exklave Ceuta hat das mehr als verdeutlicht.

Die dramatischen Bilder, wie Zehntausende junge Männer, aber auch ganze Familien den fast sieben Meter hohen Grenzzaun stürmten oder diesen einfach umschwammen, um aus Marokko auf spanisches Staatsgebiet zu gelangen, sind Dokumente des völligen Kontrollverlustes eines noch immer nicht funktionierenden Systems.

Karte zeigt die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an der Küste Nordafrikas neben Marokko.
© APA

Die Küstenstadt Ceuta liegt am nördlichsten Zipfel Afrikas, auf einer Halbinsel in der Meeresenge von Gibraltar. 84.000 Einwohner, viele davon spanische Militärs. Luftlinie nur 20 Kilometer vom spanischen Festland entfernt.

Theoretisch hätten Ceuta und Melilla alles, um Festungen zu sein: Zehn Meter hoher Zaun, Stacheldraht, Bewegunsmelder, Küstenwache, Soldaten, Scheinwerfer.

Menschen versammeln sich um ein brennendes Auto bei Zusammenstößen an der Grenze Marokko-Spanien.
© AFP

Trotzdem schafften es zuletzt 72.000 innerhalb von nur 24 Stunden aus dem marokkanischen Nachbarort in Ceuta einzudringen. Die Marokkaner winkten die jungen Männer einfach durch, schauten weg. Diese umschwammen die Barrieren. 141 kamen dabei ums Leben.

Fake News lösten Massenhysterie aus

Social Media. Nur einen Tag später war der Spuk wieder vorbei. Zumindest zum Teil. Die meisten der 72.000 sahen ein, dass sie einer schrecklichen Lüge aufgesessen sind. Sie glaubten Schleusern, die bewusst die Entscheidung des spanischen Höchst-Gerichts falsch interpretierten, wonach die sofortige Rückführung von auf See abgefangenen Migranten verboten sei.

Die Meldung hatte sich via Instagram, Facebook, TikTok und in WhatsApp-Foren in Marokko blitz - artig verbreitet: "Marokkos Jugend ist sehr gut über soziale Netzwerke organisiert und vernetzt. In ländlichen Regionen haben viele nicht einmal die wichtigsten Grundnahrungsmittel, aber über Internet verfügen sie fast alle", erklärte die spanische Soziologin María Guevara von der Universität Pablo de Olavide in Sevilla gegenüber der APA.

Spanische Soldaten bewachen sitzende Migranten vor Militärfahrzeugen in Ceuta.
© AFP

Rückkehr. Nach dem Sturm kam die große Ernüchterung: Spanien hat klar signalisiert, dass niemand eine Chance hat, auf spanisches Festland gebracht zu werden. Die meisten der 72.000 kehrten darauf wieder zurück.

Doch die dramatischen Videos vom Sturm blieben, haben europaweit zu Schockwellen und Diskussionen geführt. Wo wird sich der nächste Sturm ereignen? In Italien? In Griechenland?

In Ceuta hat sich die Lage wieder normalisiert. Im Wasser treibt inzwischen eine rund 500 Meter lange aufblasbare Barriere. Geschäfte, Cafés und Restaurants in Ceuta haben wieder offen.

Doch die Lage bleibt gespannt. Laut Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sind etwa 5.000 bis 7.000 Migranten in Ceuta geblieben. Meist Familien und unbegleitete Minderjährige.

Neuer Ansturm via Tik-Tok & Co bereits geplant

Marokkos Jugend plant im Internet einen neuen Ansturm auf die spanische Nordafrika-Exklave.

Es soll sogar ein konkretes Datum geben – 15. August. "Brüder, 15.08.2026", "Wir sehen uns dort am 15.! Seid pünktlich!". Das berichten "El País" und "ABC" . Abermals wird dazu aufgerufen, sich im marokkanischen Viertel Castillejos an der Grenze zu versammeln, um gemeinsam nach Ceuta zu gelangen.

Unter Druck. Spaniens sozialdemokratischer Premier Pedro Sánchez (54) steht seit der Ceuta-Krise massiv unter Druck. 22 der 27 EU-Staats- und Regierungschefs gingen in einem Brief hart mit Spaniens Migrationspolitik ins Gericht, darunter auch Österreich.

Für Brüssel war der Schuldige somit rasch gefunden: Sánchez.

Doch ist Madrid dafür verantwortlich, dass auf Social Media gelogen wird?

Sánchez sieht sich jedenfalls nicht als Schuldigen. In einem Brief an EU-Chefin Ursula von der Leyen warf er seinen Kritikern vor, ihre Haltung auf "Vorurteile, Fake News, Un - wissenheit oder politische Interessen" zu stützen. Damit würden "die Grund - sätze der Solidarität untergraben werden, die uns verbinden".

Klein beigeben ist also nicht seine Art. Er verabschiedete sich nur zwei Tage nach dem Ceuta-Sturm mit Familie in den Sommerurlaub auf Lanzarote. Mit dem Privatjet flog er in die Luxusvilla La Mareta, die dem Staat gehört.

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