Es war die wohl heißeste Woche aller Zeiten, die Österreich dieser Tage erlebt hatte. Zwei Tage in Folge kletterte das Thermometer an mehreren Orten weit über die 40-Grad-Marke, die vor dem heurigen Hitze-Sommer bisher nur ein einziges Mal erreicht wurde. Während der Osten unter den unglaublichen Temperaturen - inklusive Waldbrände - litt, kam es im Westen des Landes zu heftigen Gewittern.
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Mehrere hundert Hektar Land sind in den vergangenen Wochen in Österreich verbrannt, die Feuerwehr kämpft allerdings immer noch mit einigen Glutnestern. Im Westen kämpft man hingegen seit Tagen mit heftigen Unwettern. Immer mehr Experten und Landwirte fordern Maßnahmen von der Regierung, die zunehmend unter Druck steht.
Laut GeoSphere Austria gab es österreichweit durchschnittlich von Jänner bis Juli ein Drittel weniger Niederschlag als in den Jahren 1991 bis 2020. Besonders hoch ist das Niederschlagsdefizit in Oberösterreich und Ostösterreich.
Regierung arbeitet an Maßnahmenpaket
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP hatte zu Beginn der Woche ein Dürre-Maßnahmenpaket in Aussicht gestellt, ohne Details zu nennen. Totschnig sei "in enger Abstimmung mit den Bundesländern und der Landwirtschaftskammer, um mögliche wirksame Maßnahmen auf den Weg zu bringen", hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium auf APA-Anfrage. Es gehe in "erster Linie" um "kurzfristige Entlastungsmaßnahmen", aber auch "um langfristige Maßnahmen, um die Landwirtschaft besser an den Klimawandel anzupassen".
Biobauer Andreas Hetzlinger tobt in der ZiB2: "Die Politiker machen es sich leicht. Sie rufen irgendeine Sitzung ein und da hat nichts Handschlagqualität. Die reden halt irgendwas, das sind nur schöne Worte und da kommt nichts raus." Auch Klimaforscher Karl Steininger schlägt Alarm: "Wir wissen, dass die Extreme stärker werden." Die Auswirkungen seien enorm und waren laut dem Experten in dem Ausmaß gar nicht vorhersehbar gewesen.
Die verbreitete Meinung, dass Österreich allein nichts ändern könne, widerspricht der Experte: "Wir haben eine enorme Vorbildwirkung, einen klimaneutralen Lebensstil. Wenn wir es nicht schaffen, dann werden wir es als Planet erst recht nicht schaffen."
"Angst vor Veränderung"
Als Gründe, warum manche Projekte stocken, sieht Steininger in Österreich vor allem "die Angst vor Veränderung". "Wir müssen die Rahmenbedingungen verlässlich und dauerhaft setzen, damit sich die Wirtschaft darauf einstellen kann", schildert er weiter und fordert ebenfalls ein rasches Handeln seitens der Politik. "Das was wir schon ausgelöst haben, daran müssen wir uns nun anpassen", will er keine Hoffnung auf Besserung in den kommenden Jahren machen und verlangt "Hitze-Aktions-Pläne".
Für den Fachmann geht es nicht darum, der Vergangenheit nachzuweinen. Es gehe darum, "eine Vision gemeinsam auszuarbeiten und mit der Politik umzusetzen". Steininger ist sich sicher: "Dann kann klimaneutrales Leben auch Spaß machen."
Regierung nimmt Berichte ernst
"Wir nehmen die Berichte über Dürreschäden sehr ernst", so Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) am Donnerstag in einer schriftlichen Stellungnahme. Man werde "die Landwirtschaft dort unterstützen, wo das notwendig" sei, das reiche "von der Aufrechterhaltung der Liquidität bis zur Kompensation der Schäden". "Der Landwirtschaftsminister wird die konkreten Maßnahmen in Abstimmung mit dem Finanzminister vorstellen", erklärte Stocker.
Die Dürreschäden der heimischen Landwirtschaft lassen sich laut dem Agrar-Spezialversicherer Hagelversicherung noch nicht finanziell beziffern. Kommenden Montag will der Versicherer erste Zahlen liefern und lädt zu einer Pressekonferenz mit dem Titel "Katastrophale Dürreschäden in der Landwirtschaft: Ursachen und Folgen". In Österreich sind laut Hagelversicherung rund 80 Prozent der Ackerbauern und 40 Prozent der Grünlandbetriebe gegen Dürre versichert. Die extreme Trockenheit und Hitze haben den Getreideanbau heuer stark belastet. Mit rund 2,5 Mio. Tonnen liegt die Getreideproduktion ohne Mais laut Agrarmarkt Austria (AMA) um 19 Prozent unter dem guten Vorjahreswert und um 14,4 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Für den noch am Feld stehenden Mais wird ebenfalls eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet.
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