Hilfspaket gefordert

Dürre zwingt Bauern zu Notschlachtungen

Kühe fressen in einem modernen, hellen Stall aus einer Futterrinne.
© Getty Images/Image Source
Die trockenheitsbedingte Futterknappheit veranlasst viele Bauern, einen Teil ihrer Rinder frühzeitig zu verkaufen.
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"In den vergangenen Wochen kamen rund dreimal so viele Schlachtkühe zur Vermarktung wie üblich", hieß es von der ARGE Rind, der Dachorganisation von acht Rindererzeugergemeinschaften. Dadurch würden "die Kapazitäten der Schlacht- und Zerlegebetriebe an ihre Grenzen" stoßen. Angesichts der Ernte- und Futtermittelausfälle werden Rufe nach einem Hilfspaket lauter.

Die klimawandelbedingte Rekord-Trockenheit führt heuer zu massiven Ausfällen beim Grünschnitt sowie Körnermais und verursacht eine Futtermittelknappheit. Laut GeoSphere Austria gab es österreichweit durchschnittlich von Jänner bis Juli ein Drittel weniger Niederschlag als in den Jahren 1991 bis 2020. Besonders hoch ist das Niederschlagsdefizit in Oberösterreich und Ostösterreich. Die ARGE Rind appelliert an die Schlachthöfe und Viehhändler, die Lebendimporte von Schlachtrindern aufgrund "der dramatischen Futterknappheit vorübergehend auszusetzen". Laut dem Dachverband werden in normalen Wochen bis zu 1.000 Kühe lebend zur Schlachtung nach Österreich importiert. Viele Betriebe würden sich aufgrund des Futtermangels gezwungen sehen, vor allem Schlachtkühe vorzeitig zu verkaufen, um die Versorgung des verbleibenden Tierbestandes sicherzustellen, so die Branchenvertreter.

Preisrückgang von bis zu einem Viertel bei Schlachtkühen

Die ARGE Rind wies darauf hin, dass es aufgrund der hohen Vermarktungsmengen am Schlachtkuhmarkt zu einem Preisrückgang von bis zu 25 Prozent im Vergleich zur Kalenderwoche 28 (6. bis 12. Juli) gekommen sei. Bei den Fleischwerken Marcher, die Standorte in der Steiermark, Kärnten, Oberösterreich und Niederösterreich sowie auch in Bayern haben, sei ein vermehrtes Schlachtaufkommen aufgrund von Futter- und Wassermangel in den Betrieben zu verzeichnen, hieß es auf APA-Nachfrage. Für die verarbeitenden Betriebe sei das "eine Herausforderung", teilte die Unternehmenssprecherin mit. Der Fleischhof Raabtal erklärte auf Anfrage, dass es beim Schweinefleischbereich keine Auswirkungen gebe, da die Futterversorgung für das ganze Jahr üblicherweise bereits im Herbst eingelagert werde. Was Rinder und Schafe betrifft, sei aber zuletzt ein leichter Anstieg feststellbar, dieser sei derzeit aber nicht beträchtlich und daher auch bewältigbar. Von Steirerfleisch hieß es, dass es derzeit keine Auswirkungen gebe, da sie nur Schweinefleisch verarbeiten.

Von einem "massiven Anstieg bei Schlachtkühen" in den vergangenen zwei bis drei Wochen berichtete Werner Habermann, Geschäftsführer der ARGE Rind sowie der Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf in Niederösterreich. "Betriebe bauen Bestände ab, weil sie befürchten, dass sie mit dem Futter nicht über den Winter kommen", sagte Habermann zur APA. Um Kapazitäten für österreichische Ware aufrechtzuerhalten, wurde appelliert, Lebendimporte aus dem Ausland zu reduzieren. Das sei teilweise bereits erfolgt, hieß es.

Auch verkürzte Almsaison erhöht Schlachtaufkommen

Bei der Firma Alpenrind in Salzburg, dem eigenen Angaben nach größten Rindfleischproduzenten Westösterreichs, weist man auf saisonale Schwankungen bei den Schlachtungen hin. "Wir gehen jedoch davon aus, dass aktuell auch das Wetter und eine verkürzte Almsaison das Schlachtaufkommen erhöhen", teilte Geschäftsführer Roland Ackermann auf Nachfrage mit. Diese Verschiebung um drei bis vier Wochen versuche man trotz Urlaubszeit abzufangen. "Trotzdem gehen wir weiterhin von einem stabilen oder leicht sinkenden Schlachtaufkommen im Jahr 2026 aus." Ackermann machte auch darauf aufmerksam, dass nicht nur zusätzliche Schlachtrinder am Markt sind. Die Sommerferien und die heißen Temperaturen würden in vielen Ländern den Konsum zusätzlich dämpfen.

Auch in Kärnten gibt es aktuell eine Steigerung bei den Schlachtungen. Bei Kärntner Fleisch, der größten bäuerlichen Viehvermarktungsgenossenschaft Kärntens, wurde von Jänner bis Ende Juli ein Anstieg der Rinderschlachtungen von rund sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet: "Der Großteil dieser Steigerung entfällt auf das Segment der Schlachtkühe. Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit der anhaltenden Trockenheit und der angespannten Grundfuttersituation auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben", hieß es auf Anfrage. Im Vergleich zu anderen Bundesländern sei die Lage in Kärnten zwar "besorgniserregend, jedoch derzeit noch nicht so dramatisch wie in besonders stark betroffenen Regionen Ostösterreichs". Für die kommenden Wochen rechne man weiterhin mit erhöhten Schlachtzahlen: "Wir gehen jedoch davon aus, dass sich diese auf dem Niveau der letzten Wochen bewegen werden", so Kärntner Fleisch. Gleichzeitig würden die Erzeugerpreise für Schlachtkühe zunehmend unter Druck geraten - ausschlaggebend dafür seien das höhere Angebot in anderen Bundesländern sowie gestiegene Importe.

In Oberösterreich registriert man bei der Innviertler Firma Großfurtner ebenfalls seit einigen Wochen, dass mehr Kühe angeliefert werden, die Größenordnung bewege sich zwischen 20 bis 30 Prozent mehr, so Geschäftsführer Josef Grünanger. Besonders betroffen seien Bio-Betriebe. Vom Schlachthof Artmayr in Schlierbach (Bezirk Kirchdorf an der Krems) hieß es, dass auch dort ein leichter Anstieg bei den Lieferungen von Kühen zu bemerken sei. Die Futterknappheit wegen der anhaltenden Trockenheit hat schon dazu geführt, dass Landwirte begonnen haben, das Vieh von den Almen zu treiben.

FPÖ fordert rasches Dürre-Hilfspaket für Landwirtschaft

Die FPÖ sah indes Versäumnisse bei Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) und pochte auf rasche Hilfe für die von Dürre betroffenen Landwirte. "Die massiven Schäden durch die Dürre und die drohende Futterknappheit waren seit Wochen, wenn nicht seit Monaten, absehbar. Ebenso kämpfen unsere Bäuerinnen und Bauern mit einem massiven Preisverfall bei zahlreichen landwirtschaftlichen Produkten", so FPÖ-Agrarsprecher Peter Schmiedlechner in einer Aussendung. "Rasche und wirksame Unterstützung" für die Betriebe forderte auch der Präsident der Interessensvertretung Land&Forst Betriebe, Konrad Mylius. Außerdem brauche es "verlässliche Rahmenbedingungen für Klimawandelanpassung und Waldbrandprävention".

Der Landwirtschaftsminister hatte zu Beginn der Woche ein Dürre-Maßnahmenpaket in Aussicht gestellt, ohne Details zu nennen. Totschnig sei "in enger Abstimmung mit den Bundesländern und der Landwirtschaftskammer, um mögliche wirksame Maßnahmen auf den Weg zu bringen", hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium auf APA-Anfrage. Es gehe in "erster Linie" um "kurzfristige Entlastungsmaßnahmen", aber auch "um langfristige Maßnahmen, um die Landwirtschaft besser an den Klimawandel anzupassen".

Die Dürreschäden der heimischen Landwirtschaft lassen sich laut dem Agrar-Spezialversicherer Hagelversicherung noch nicht finanziell beziffern. Kommenden Montag will der Versicherer erste Zahlen liefern und lädt zu einer Pressekonferenz mit dem Titel "Katastrophale Dürreschäden in der Landwirtschaft: Ursachen und Folgen". In Österreich sind laut Hagelversicherung rund 80 Prozent der Ackerbauern und 40 Prozent der Grünlandbetriebe gegen Dürre versichert. Die extreme Trockenheit und Hitze haben den Getreideanbau heuer stark belastet. Mit rund 2,5 Mio. Tonnen liegt die Getreideproduktion ohne Mais laut Agrarmarkt Austria (AMA) um 19 Prozent unter dem guten Vorjahreswert und um 14,4 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt. Für den noch am Feld stehenden Mais wird ebenfalls eine unterdurchschnittliche Ernte erwartet.

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