Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 6,9 Prozent, wie das Arbeitsmarktservice (AMS) am Montag mitteilte. Die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen kletterte um knapp 13 Prozent auf über 102.000 Betroffene. Wie in den Vormonaten sank die Zahl der arbeitslosen Männer und männlichen AMS-Schulungsteilnehmer (-1,7 Prozent), während bei Frauen ein Plus von 4,8 Prozent verzeichnet wurde.
Auch interessant
Der überdurchschnittliche Anstieg im Gesundheits- und Sozialbereich habe auch statistische Gründe, hieß es zuletzt vom AMS. Neben der stark steigenden Beschäftigung wegen des höheren Pflegebedarfs steige die Beschäftigung auch, weil immer mehr Pflege- und Gesundheitseinrichtungen, die bisher von der öffentlichen Hand geführt wurden, ausgegliedert werden. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden in der Statistik nicht mehr als öffentlich Bedienstete gezählt werden, sondern der Branche Gesundheits- und Sozialwesen zugerechnet, so das AMS.
Wie AMS-Vorstand Johannes Kopf in der ZiB 2 bei Armin Wolf erklärt, hatte er bereits vor dem Iran-Krieg mit einer Besserung gerechnet, die aber nun für das kommende Jahr erwartet wird. Kopf: "Es wird besser. Wird es gut? Nein."
FPÖ-Sozialsprecherin und Klubobmannstellvertreterin Dagmar Belakowitsch warf der Arbeitsministerin Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann Untätigkeit bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vor. Um die steigende Arbeitslosigkeit von Älteren und Frauen zu senken, fordert die Arbeiterkammer "ein Umdenken" der Unternehmen beim Recruiting.
Immer weniger offene Stellen
Die Konjunkturschwäche in Österreich ist weiter auch bei den Stellenanzeigen spürbar. Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldeten sofort verfügbaren offenen Stellen sank Ende Juli gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent auf knapp 80.000. Der ÖVP-Wirtschaftsbund erfasst in seinem Stellenmonitor alle Online-Jobportale und verzeichnete knapp 169.000 offene Stellen in Österreich.
Beim Fachkräftebarometer des Arbeitsministeriums und des AMS waren im zweiten Quartal 2026 die Top-5-Engpassberufe Elektroinstallateur/in, Kraftfahrzeugmechaniker/in, sonstige Techniker für Maschinenbau, Maurer und Ärztin/Arzt. Der Fachkräftemangel ist laut einer aktuellen Umfrage für über drei Viertel der Unternehmen ein Thema. Zu diesem Ergebnis kommt das "Fachkräfte-Radar" der Wirtschaftskammer (WKÖ), das vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) erhoben wurde. Am stärksten betroffen von fehlenden Fachkräften sind Betriebe im Bereich Transport und Verkehr (66 Prozent), Tourismus und Freizeitwirtschaft (63 Prozent), Gewerbe und Handwerk (62 Prozent) sowie Industrie (58 Prozent).
Zum Anstieg bei Akademikern meint Kopf: "Es ist eine Gruppe, die die Veränderung am Arbeitsmarkt deutlich merkt." Vor allem Jung-Akademikern ist die Arbeitslosigkeit hoch. "Junge Leute kriegen, wenn der Markt schlecht läuft, schwerer einen Job", schildert Kopf. Dass viele Jobs aufgrund der KI eingespart werden, kann der AMS-Vorstand nicht bestätigen: "Ich sehe bis jetzt noch keinen Knick in der Statistik."
"Stellenandrang ungünstig"
Viele Arbeitskräfte, die fehlen, sind etwa Berufe, in denen ein Lehrabschluss nötig ist. Hier warnt Kopf, weil "der Stellenandrang ungünstig ist", was für ihn an einem "Angebots-Problem" liegt. Die Aussage bekräftigt der AMS-Vorstand damit, dass die Zahl der Lehrabschlüsse mit 31 Prozent stark sinkt.
Ganz wesentlich sei für Kopf die Lernfähigkeit am Arbeitsmarkt: "Jemand, der Altgriechisch studiert hat, kann etwas, das keiner braucht. Aber es hilft ihnen trotzdem." Den Vorschlag von Landeshauptmann Anton Mattle, das Pensionsalter zu erhöhen, unterstützt Kopf: Man sieht, dass der Markt ältere Personen annimmt.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden