Der perfekte Urlaub

Alte Freunde und neue Affären auf Malle

"Das perfekte Geheimnis"
© 2025 Constantin Film Distribution GmbH/Gordon A. Timpen / Constantin Film Österreich
Der "Fack Ju Göthe"-Regisseur Bora Dagtekin pflanzt die Chaostruppe der Kinokomödie "Das perfekte Geheimnis" nun in ein Clubhotel auf Mallorca - Ab 22. Oktober im Kino.
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Mit dem Who-is-Who der deutschen Komödie ist Regisseur Bora Dagtekin mit "Das perfekte Geheimnis" 2019 ein Hit geglückt. Nun kehren Karoline Herfurth, Elyas M'Barek, Jella Haase, Frederick Lau, Jessica Schwarz und Florian David Fitz als chaotische Freundesrunde zurück auf die Leinwand. In "Der perfekte Urlaub" stranden sie zwischen Poolanimation, Gay-Partys, neuen Rätseln und alten Kränkungen in einem Club - leichte, auf Erfolg gebürstete Kost. Ab Donnerstag im Kino.

Der italienische Originalstoff "Perfetti Sconosciuti" von Paolo Genovese wurde in 18 Ländern adaptiert, nur die deutschsprachige Version ließ das Ende offen und legte so den Grundstein für eine Fortsetzung. Mehr als 500.000 Menschen haben der liebenswert-durchgeknallten Truppe hierzulande im Kino dabei zugesehen, wie ein Abendessen nach einem Handyspiel aus dem Ruder gelaufen ist: Zig Geheimnisse sind zwischen Flunkereien und Lügengebäuden, zwischen sexuellen Sehnsüchten und Affären nach vielen Gläsern Wein und einer Extraportion Digitalkritik ans Licht gekommen - inklusive Enttäuschungen, Vorwürfen und Beziehungsenden.

"Das perfekte Geheimnis"
"Das perfekte Geheimnis" © 2025 Constantin Film Distribution GmbH/Gordon A. Timpen / Constantin Film Österreich

Die Wahrheit auf dem Prüfstand

"Der zweite Teil fragt: Was macht man mit der Wahrheit, wenn sie einmal draußen ist?", erklärt die Produzentin Lena Schönmann die Grundidee. Dafür wird die Handlung zunächst ein paar Verrenkungsübungen unterzogen, um die seit damals nicht mehr ganz intakte Clique nach Mallorca, gerne als 17. Bundesland Deutschlands bezeichnet, zu karren.

"Das perfekte Geheimnis"
"Das perfekte Geheimnis" © 2025 Constantin Film Distribution GmbH/Gordon A. Timpen / Constantin Film Österreich

Eigentlich wollte die Männerrunde gemeinsam ein bisschen feiern. Doch daraus wird für Leo (Elyas M'Barek), Pepe (Florian David Fitz), Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Simon (Frederick Lau) nichts. Denn die Frauen hatten dieselbe Idee und sich ausgerechnet in derselben Finca eines Freundes einquartiert: Neben Eva (Jessica Schwarz), Carlotta (Karoline Herfurth) und ihrer besten Freundin Maus (Neuzugang Diana Amft) steht auch noch die Ex von Simon, Bianca (Jella Haase), vor der Tür. Die dysfunktionale Gruppe ist komplett.

"Das perfekte Geheimnis"
"Das perfekte Geheimnis" © 2025 Constantin Film Distribution GmbH/Gordon A. Timpen / Constantin Film Österreich

Hochexplosive Gefühlslage

Carlotta reagiert verschnupft, dass Leo sie schon wieder angelogen hat. Die Singlefrau Maus testet aus, ob der ewige Gigolo Simon bereit für einen Urlaubsflirt wäre. Rocco und Eva ahnen, dass sie sich gegenseitig etwas verschweigen, übertünchen diese Unsicherheit jedoch mit Distanz zueinander. Und Pepe, der sich bei dem Abendessen einst unfreiwillig geoutet hat, erwartet sich mehr Unterstützung von seinen Kumpels, ohne zu wissen, ob er tatsächlich bereit für eine Beziehung zu einem Mann ist. Viel Zeit in der Finca bleibt nicht, denn diese fliegt bald in die Luft. Eine neue Unterkunft muss her - ein Clubhotel. Dort ist Rocco aber eigentlich mit jemand anderem verabredet.

Gags, Gags, Gags

Sagen Sie ruhig Urlaubschaos dazu! Der "Fack Ju Göthe"-Filmemacher, der auch das Drehbuch verfasst hat, schont seine Figuren nicht. Im Gegenteil. Er stürzt sie reihenweise in Situationen, in denen sie Farbe bekennen müssen. Lässt sie in peinlichen Momenten stranden, als etwa die Herrenrunde in Regenbogen-Speedos auf einer queeren Party antanzt, um Pepe zu unterstützen und nebenbei noch dessen Grindr-Account kapert. Das ist mitunter erfrischend ehrlich, aber dann wieder ernüchternd banal und klischeehaft. Seichte Gags, bissige Kommentare auf die Beziehungswelt, dahinplätschernde Moral, ein Diversitätserklärbärmodus und ernsthafte Fragen mixen sich in "Der perfekte Urlaub" wie ein viel zu bunter Cocktail mit Schirmchen an der Bar. Katerstimmung am Morgen danach nicht ausgeschlossen.

Im Zeichen der Versöhnung

Über die Darstellung von Geschlechterbildern und Homosexualität kann man auch sieben Jahre später noch trefflich streiten, der warmherzige Ton und die versöhnliche Haltung machen einiges an kruden Handlungssträngen wieder wett. Genauso wie das Zusammenspiel der Schauspielstars, denen kein Outfit und keine Selbstentblößung ihrer Figuren zu bunt scheint. Diana Amft ("Altweibersommer") bringt mit ihrer Figur der Frohnatur jede Menge Ehrlichkeit ein.

"Das perfekte Geheimnis"
"Das perfekte Geheimnis" © 2025 Constantin Film Distribution GmbH/Gordon A. Timpen / Constantin Film Österreich

Im Clubhotel-Getöse

Und Malle, wie die Deutschen Mallorca nennen? In den Ballermann-Szenen kommt der Massentourismus und das Faible für Club-Urlaub mit morgendlichem Besetzungssturm auf Liegebetten, Animationstrara zwischen Pool und Tanzfläche nicht gut weg, andere idyllische Bilder leuchten die Balearen-Insel aber vermarktbar in schönstem Licht aus.

Größter Kritikpunkt: Die Dachgeschoßwohnung mit ihrem begrenzten Raum bildete in "Das perfekte Geheimnis" den perfekten Rahmen, um ohne Ablenkung auf die Kränkungen der Einzelnen, ihren Rückzug und ihre Resilienz-Strategie zu blicken. In "Der perfekte Urlaub" geht viel von der Reflexion über Beziehungen im Getöse des Clubhotels unter. Auch das eine oder andere nicht gelüftete Geheimnis. Was wiederum die Chance auf einen dritten Teil birgt.

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