Österreich Aufschlag
114 Prozent teurer: Manner-Schnitten kosten hier doppelt so viel
Besonders drastisch zeigt sich das bei Manner: Eine 75-Gramm-Packung Manner Original Neapolitaner kostet bei Billa in Wien 1,69 Euro, bei Rewe in Deutschland hingegen nur 0,79 Euro. Das entspricht einem Preisunterschied von 114 Prozent.
Manner ist dabei kein Einzelfall. foodwatch Österreich hat im August 2026 die Preise für insgesamt 20 Produkte österreichischer Hersteller in Österreich und Deutschland verglichen, darunter Handl Tyrol, Rauch, Julius Meinl, Vöslauer, Red Bull, Pfanner, Gösser, Almdudler, Casali und Mautner Markhof.
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Das Ergebnis: Die untersuchten Produkte waren in Österreich im Schnitt 24 Prozent teurer als in Deutschland.
"Wenn ein Produkt in Österreich hergestellt, nach Deutschland transportiert und dort trotzdem deutlich günstiger verkauft wird als wenige Straßen vom Produktionsstandort entfernt, ist die Frage nach dem Österreich-Aufschlag mehr als berechtigt. Österreich darf nicht länger ein Hochpreis-Markt sein, während völlig im Dunkeln bleibt, wie diese Preisunterschiede zustande kommen", kritisiert Miriam Maurer von foodwatch Österreich.
Wer kassiert den Aufschlag?
foodwatch hat die Hersteller der untersuchten Produkte mit den festgestellten Preisunterschieden konfrontiert. Die Rückmeldungen ähnelten sich: Die konkreten Verkaufspreise würden vom Handel festgelegt. Zu Einkaufspreisen und Konditionen könne man aus Gründen der Vertraulichkeit keine Angaben machen.
Der Handel wiederum verweist auf die Hersteller. Rewe, der Konzern hinter Billa, erklärte gegenüber foodwatch, dass internationale Markenhersteller dem österreichischen Handel für idente Produkte teilweise höhere Einkaufspreise verrechneten als Abnehmern in Deutschland. Rewe selbst spricht in diesem Zusammenhang von einem "Österreich-Aufschlag der Industrie".
"Am Ende zahlen die Konsument:innen die Rechnung, während Hersteller und Handel mit dem Finger aufeinander zeigen. Es kann nicht sein, dass Menschen beim täglichen Einkauf mehr bezahlen sollen, ohne nachvollziehen zu können, wie dieser Preisunterschied zustande kommt", so Maurer.
Der Preisvergleich allein zeigt nicht, welche Mechanismen und Geschäftsgebaren ursächlich für die jeweiligen Preisdifferenzen sind. Er macht jedoch deutlich, wie groß die Unterschiede bei Produkten innerhalb des EU-Binnenmarktes sein können.
Territoriale Lieferbeschränkungen können Wettbewerb ausbremsen
Eine mögliche strukturelle Ursache für Preisunterschiede innerhalb des EU-Binnenmarktes sind sogenannte territoriale Lieferbeschränkungen. Dabei verhindern große Hersteller die Möglichkeiten von Handelsunternehmen, Produkte grenzüberschreitend dort einzukaufen, wo diese günstiger angeboten werden.
Gerade für kleinere Märkte wie Österreich kann das erhebliche Folgen haben: Händler können günstigere Einkaufsmöglichkeiten in anderen EU-Ländern nicht oder nur eingeschränkt nutzen. Der Wettbewerb wird dadurch geschwächt – was letztlich zu höheren Verkaufspreisen für die Konsument:innen führen kann
Auch die Europäische Kommission sieht Handlungsbedarf. Sie beschäftigt sich derzeit mit Maßnahmen gegen ungerechtfertigte territoriale Lieferbeschränkungen und prüft mehrere Optionen – von freiwilligen Vereinbarungen bis hin zu verbindlichen gesetzlichen Vorgaben.
Aus Sicht von foodwatch reicht ein freiwilliger Verhaltenskodex nicht aus. "Der europäische Binnenmarkt darf nicht nur auf dem Papier existieren. Wenn Konzerne Europa in nationale Märkte aufteilen und dadurch den Wettbewerb behindern können, zahlen insbesondere Konsument:innen in kleinen Ländern drauf. Wir brauchen deshalb ein klares, verbindliches EU-Gesetz gegen territoriale Lieferbeschränkungen – keine freiwilligen Versprechen der Industrie", fordert Maurer.
Jetzt entscheidet Brüssel
Die öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission zur Beseitigung territorialer Lieferbeschränkungen läuft noch bis 29. September 2026. Danach wird die Kommission entscheiden, welche politischen Maßnahmen sie weiterverfolgt.
foodwatch fordert die EU-Kommission auf, den Österreich-Aufschlag wirksam zu stoppen. Konsument:innen können den Druck auf Brüssel jetzt erhöhen und die foodwatch-Petition gegen ungerechtfertigte Preisaufschläge in Österreich unterstützen.
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