Die Schonzeit ist im Wiener Volkstheater vorbei. Es wird auf der Bühne gejagt.
Verdienstvolle Stücke der Theatergeschichte gelegentlich auf den Prüfstand zu stellen und neu auf ihre Gegenwartstauglichkeit zu untersuchen ist an sich ein lobenswertes Unterfangen. Und genau das wird zurzeit im Wiener Volkstheater gemacht. Das Volkstück von Martin Sperr "Jagdszenen aus Niederbayern" wird derzeit im Volkstheater aufgeführt.
Ausgrenzung, Gruppendruck und Gewalt
Es geht um Ausgrenzung von Außenseitern, um Gruppendruck und Entstehung von Gewalt. Zeitlose Themen, möchte man denken. Die Handlung des Stücks spielt wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs in einem niederbayerischen Dorf. Ein junger, aus dem Gefängnis entlassener Mann wird als "schwule Drecksau" denunziert und auch von seiner Mutter, die um ihre neuerliche Vertreibung aus einer Dorfgemeinschaft fürchtet, verstoßen. Eine harmlose Freundschaft mit einem verhaltensgestörten Bauernbuben wird zum Auslöser einer Hetzjagd, an deren Ende ein Selbstmord und eine Bluttat stehen, von der Sperr bekannte, sie aus Büchners "Woyzeck" "voll geklaut" zu haben.
Bühnenbild wirkt auf Publikum
Die Dramaturgie des Stücks, welches am Wochenende im Volkstheater Premiere feierte, wirkt auf das Publikum mit. Denn die sperrigen Pressspannplatten versetzten die Handlung in eine Art Sperrmüll-Depot ähnliche Lokation, die die Handlung somit noch verstärken. Neu inszeniert hat das Volksstück Schirin Khodadadian. Wer sich nun davon überzeugen will, ob Khodadadian mit der Inszenierung von "Jagdszenen aus Niederbayern" gute Arbeit geleistet und das Theaterstück somit gegenwartstauglich gemacht hat, kann dieses ab sofort im Volkstheater tun.
Info
"Jagdszenen aus Niederbayern" von Martin Sperr wird im Volkstheater Wien noch am 20., 26., 28.2., 5., 10., und 11.3. aufgeführt. Karten sind unter der Nummer 01 / 52111 / 400 sowie unter www.volkstheater.at erhältlich.
Die Kultur-Highlights des Jahres 2012
Kunsthalle Wien 2013/14: Von Thomas Bernhard bis Constantin BrancusiVon Thomas Bernhard bis Constantin Brancusi reichen die Pläne, die der neue Leiter der Kunsthalle Wien, Nicolaus Schafhausen am 10. Jänner bekannt gegeben hat. Ein reduziertes, eher divers wirkendes Programm, das mit dem in den Presseunterlagen formulierten "prägnanten Profil" ("Thematische Gruppenausstellungen, Einzelpräsentationen internationaler KünstlerInnen, Retrospektiven bekannter VertreterInnen der Gegenwartskunst sowie Ausstellungen bislang noch weniger bekannter KünstlerInnen") noch nicht viel zu tun hat. In-Künstler findet man im Gegensatz zu früher nicht. Schafhausen: "Es geht selbstverständlich nicht um die Replizierung von Trends, sondern um die Kenntnis der Diskurslage."
© Stephan Wyckoff
Schnörkellos-leichter "Figaro" im neuen Festspielhaus ErlBot der Eröffnungsfestakt am 26. Dezember noch eine wilde Mischung aus Donizetti und Bartok, so hatte das neue Festspielhaus in Erl seine wahre Feuertaufe mit Mozarts "Le Nozze di Figaro" zu bestehen. Gustav Kuhn startete das Opernprogramm der ersten Winterfestspiele im kleinen Tiroler Dorf in seiner bewährten Doppelfunktion als Regisseur und Dirigent mit einer schnörkellosen Da Ponte-Produktion. Dabei strich der Maestro die Stärken dieses architektonischen und vor allem akustisch gelungenen neuen Festspielhauses heraus. Allgemeine Jubelsalven für Kuhn und seine vorwiegend jungen Sänger nach einem langen Mozart-Abend.
© tirolerfestspiele.at
Staatsoper: Salzburger "Ariadne auf Naxos" als Wiener Erfolg Kommt der Prophet nicht zum Berg, kommt der Berg zum Propheten: Nach der dissensbedingten Absage von Dirigent Franz Welser-Möst, der 2013 bei den Salzburger Festspielen mit Sven-Eric Bechtolf die "Cosi fan tutte" hätte inszenieren sollen, feierte am Mittwochabend (19. Dezember) die "Ariadne auf Naxos" der heurigen Festspiele in der Wiener Staatsoper ihre umjubelte Premiere - mit Welser-Möst am Pult und Sven-Eric Bechtolf als Regisseur. Vornehmlich auf sängerischer Ebene bot der begeistert aufgenommene Abend einige echte Entdeckungen.
© APA/HERBERT P. OCZERET