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So verändert die Horror-Hitze unseren Körper

Frau sitzt erschöpft vor Ventilator auf dem Sofa und hält ein Handy in der Hand.
© Getty Images
Schwitzen, Müdigkeit und ein schnellerer Herzschlag: Bei Hitze arbeitet der menschliche Körper auf Hochtouren, um seine Temperatur möglichst konstant zu halten.
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Die Hitze ist dabei nicht nur unangenehm, sondern laut Expertinnen und Experten der Uni Graz ein körperlicher und psychischer Stressfaktor. Kann der Organismus nicht mehr ausreichend Wärme abgeben, drohen Kreislaufprobleme, Hitzeerschöpfung und im schlimmsten Fall ein lebensgefährlicher Hitzschlag.

Wie belastend eine bestimmte Temperatur ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Neben der Lufttemperatur spielen unter anderem Luftfeuchtigkeit, direkte Sonneneinstrahlung, Wind, körperliche Aktivität, Kleidung und die Dauer der Hitze eine Rolle. Auch der Gesundheitszustand, das Alter und die Gewöhnung an hohe Temperaturen beeinflussen, wie gut jemand damit umgehen kann. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Hitzestress als eine der größten wetterbedingten Gesundheitsgefahren. Hitze könne bestehende Herz-Kreislauf-, Nieren-, Atemwegs- und Stoffwechselerkrankungen verschärfen und sich auch auf psychische Erkrankungen auswirken.

Körper leitet Blut zur Haut

Steigt die Umgebungstemperatur, weiten sich die Blutgefäße in der Haut. Dadurch wird mehr warmes Blut aus dem Körperinneren an die Oberfläche transportiert, wo Wärme an die Umgebung abgegeben werden kann. Gleichzeitig beginnt der Mensch zu schwitzen. Verdunstet der Schweiß auf der Haut, wird dem Körper Wärme entzogen. Dieser Mechanismus funktioniert besonders gut bei trockener Luft. Ist die Luftfeuchtigkeit hoch, verdunstet der Schweiß schlechter. Der Körper schwitzt dann möglicherweise stark, ohne sich entsprechend abzukühlen.

Das Herz-Kreislauf-System muss währenddessen mehr leisten. Weil mehr Blut in Richtung Haut fließt, schlägt das Herz häufig schneller, um die Organe weiterhin ausreichend zu versorgen. Gesunde Menschen kommen mit diesem Anpassungsmechanismus mit hohen Temperaturen zurecht. Hitze bleibt aber auch für sie eine Belastung, insbesondere bei körperlicher Arbeit oder Sport. "Hitze kann man als Stressor sehen, psychologisch, aber auch physiologisch", erklärte Gesundheitspsychologin Katja Čeplak von der Universität Graz im Gespräch mit der APA. Wie Lärm oder andere Umweltbelastungen zwinge sie den Körper dazu, ständig gegenzusteuern.

Durch die Klimakrise nimmt diese gesundheitliche Belastung weiter zu. Der Weltklimarat IPCC hält fest, dass heiße Extreme einschließlich Hitzewellen seit den 1950er-Jahren weltweit häufiger und intensiver geworden sind. Auch in Österreich ist der Trend deutlich: Laut Geosphere Austria hat die Zahl der Hitzetage - also der Tage mit mindestens 30 Grad - in allen Landeshauptstädten zugenommen. So dauerten in Eisenstadt etwa Hitzewellen von 1961 bis 1990 im Schnitt 7,0 Tage, 2024 wurden in der burgenländischen Landeshauptstadt und in Wien Rekorde von 31 Tage dauernden Hitzeperioden verzeichnet. Die längste Hitzewelle in Wien dauerte im Schnitt der Jahre 2020 bis 2025 16,0 Tage, vor 1990 waren es 6,3 Tage.

Schwitzen kostet Wasser und Salze

Durch das Schwitzen verliert der Körper Flüssigkeit und Salze. Werden diese Verluste nicht ersetzt, nimmt das Blutvolumen ab. Der Kreislauf wird zusätzlich belastet, und Organe wie Herz und Nieren werden schlechter versorgt. Mögliche Folgen sind Durst, trockener Mund, Kopfschmerzen, Schwäche, Schwindel und Konzentrationsprobleme. Bei starker Belastung können Muskelkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und eine ausgeprägte Erschöpfung auftreten. Fachleute sprechen dann unter anderem von Hitzeerschöpfung.

Nicht alle Menschen können oder sollen jedoch pauschal große Mengen trinken. Personen mit Herz- oder Nierenerkrankungen sollten ihre geeignete Flüssigkeitsmenge mit dem Arzt abklären. Auch Medikamente dürfen bei Hitze nicht selbstständig abgesetzt oder anders dosiert werden. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt, mögliche Anpassungen mit behandelnden Ärzten zu besprechen.

Ältere Menschen kühlen schlechter ab

"Bei älteren Personen und Personen mit mehreren chronischen Erkrankungen sind die Prozesse zur körpereigenen Kühlung nicht mehr so selbstverständlich", sagte Čeplak. Die Haut verändert sich, die Schweißproduktion kann abnehmen und der Körper passt sich langsamer an plötzliche Temperaturanstiege an. Auch das Durstgefühl ist im Alter mitunter schwächer ausgeprägt. Hinzu kommt, dass ältere Menschen häufiger chronische Erkrankungen haben und mehrere Medikamente einnehmen. Das kann die Reaktion auf Hitze beeinträchtigen. Weil Hitze insbesondere das Herz-Kreislauf-System belastet, können sich bei vorbelasteten Menschen bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschärfen. Auch die Nieren sind betroffen. Sie regulieren den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers. Bei Flüssigkeitsmangel versucht der Organismus, Wasser zurückzuhalten.

Das Gehirn reagiert ebenfalls empfindlich auf Überhitzung und Flüssigkeitsmangel. Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit nehmen ab. Menschen machen häufiger Fehler und fühlen sich erschöpft. Dadurch steigt beispielsweise bei körperlicher Arbeit oder im Straßenverkehr auch das Unfallrisiko. Die WHO weist darauf hin, dass Hitze sowohl Erkrankungen verschärfen als auch die Gefahr von Unfällen erhöhen kann.

Hitze wirkt auch auf die Psyche

Hohe Temperaturen können auch müde, gereizt und antriebslos machen. Der Gesundheitspsychologe Andreas Schwerdtfeger von der Universität Graz verwies im APA-Gespräch auf "Konzentrationsprobleme und Erschöpfung". Die Energie und Vitalität nähmen ab, weil die Anpassung an die Hitze für den Körper anstrengend sei.

Zusätzlich kann schlechter Schlaf die Belastung verstärken: Kühlen Wohnungen während der Nacht nicht ausreichend ab, fehlt dem Körper eine wichtige Erholungsphase. Auch psychische Erkrankungen können sich bei Hitze verschärfen. Manche psychotropen Medikamente beeinflussen zusätzlich die Temperaturregulation oder den Flüssigkeitshaushalt. Die WHO zählt Menschen mit psychischen Erkrankungen daher zu jenen Gruppen, die bei extremer Hitze besonders gefährdet sein können.

Keine Temperatur ist für alle gleich

Wann Hitze als unangenehm empfunden wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden. "Es gibt riesige interindividuelle Unterschiede, wie Personen auf Hitze reagieren", betonte Schwerdtfeger. Manche Menschen fühlten sich bereits bei 25 Grad stark belastet, andere kämen subjektiv auch bei deutlich höheren Temperaturen noch vergleichsweise gut zurecht. Das persönliche Wohlbefinden ist allerdings nicht automatisch ein verlässlicher Hinweis darauf, ob eine Situation gesundheitlich ungefährlich ist. Gerade ältere oder kognitiv beeinträchtigte Menschen nehmen hohe Temperaturen und ihre körperliche Belastung mitunter nur eingeschränkt wahr. Zu den möglichen Warnzeichen gehören starkes Schwitzen, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Übelkeit und Kreislaufprobleme.

Ein Hitzschlag entsteht, wenn die Temperaturregulation zusammenbricht und der Körper gefährlich überhitzt. Mögliche Anzeichen sind eine sehr hohe Körpertemperatur, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen oder Krampfanfälle. Die WHO spricht von einer Erkrankung mit hoher Sterblichkeit, wenn sie nicht rasch behandelt wird. Bei Verdacht sollte sofort die Rettung gerufen werden. Die betroffene Person muss laut österreichischem Gesundheitsportal möglichst schnell aus der Hitze gebracht und etwa mit feuchten Tüchern gekühlt werden.

Viele hitzebedingte Erkrankungen lassen sich verhindern. Dazu gehört, starke körperliche Belastung in die kühleren Morgen- oder Abendstunden zu verlegen, ausreichend zu trinken, Räume früh zu lüften und tagsüber zu beschatten.

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