Jedermann
Philipp Hochmair packt über schwere Kindheit aus!
Wer Philipp Hochmair abseits des Scheinwerferlichts trifft, erlebt einen Mann, der gesellschaftliche Normen am liebsten komplett auflöst. Meist verzichtet er auf Hemd und Schuhe. Es ist ihm dabei ganz egal, was andere von ihm denken. Was wie eine Inszenierung wirken mag, ist für ihn gelebte Philosophie: "Für mich ist das ein Ausdruck von Freiheit", erklärt Hochmair. "Ich gehe gerne barfuß, um den Boden zu spüren. Wenn ich gestresst bin, hilft mir das einfach, mich zu erden", sagt er gegenüber BILD.
Dieses tief verankerte Bedürfnis nach Erdung zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des Schauspielers, der in Salzburg derzeit wieder als "Jedermann" das Publikum begeistert. Denn die Wurzeln seiner Unangepasstheit liegen weit zurück in einer Jugend, die von großer innerer Unruhe geprägt war.
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Strenge im Elternhaus: Flucht in die Kunst
Aufgewachsen als Sohn einer Ärztin und eines Beamten in Wien, fühlte sich Hochmair im bürgerlichen Alltag oft eingeengt. "Ich war ein lebendiges, sehr unruhiges Kind voller Energie, für die es kaum ein Ventil gab", erinnert er sich. Besonders die unreflektierte Autorität seines Vaters machte ihm zu schaffen: "Diese unreflektierte Autorität hat meine Kindheit geprägt. Ich war ständig auf der Suche nach meinem Platz."
Echten emotionalen Halt fand er in diesen Jahren vor allem bei seiner Großmutter in Oberösterreich, die ihn ohne Bedingungen akzeptierte. Als sie verstarb, als Philipp erst acht Jahre alt war, verlor er seine wichtigste Vertrauensperson. Aus der Enge des Elternhauses flüchtete der spätere Star schließlich in die Welt des Theaters. Am Wiener Max-Reinhardt-Seminar, unter der Ägide von Schauspiel-Legende Klaus Maria Brandauer, eroberte er sich ein eigenes Universum: "Plötzlich konnte ich sagen: Da bin ich zu Hause. Damit konnte ich mein Elternhaus aushebeln."
Das Theater als einzig wahres Zuhause
Während sein jüngerer Bruder heute als Arzt eine klassische Familie mit vier Kindern führt, hat Hochmair diesen Weg für sich bewusst ausgeschlossen. "Ich bin privat sehr glücklich, aber eine Familie mit Kindern war nie Thema für mich", stellt der Charakterdarsteller klar. Die Geborgenheit, die andere im Häuslichen suchen, findet er kompromisslos vor dem Vorhang: "Mir gibt die Zeit auf der Bühne unglaubliche Energien und Glücksgefühle. Nach einem gelungenen Theaterabend bin ich wie genesen."
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Dass die Bretter, die die Welt bedeuten, seine wahre Heimat sind, hat er vor einigen Jahren noch einmal auf ganz außergewöhnliche Weise verinnerlicht. Hochmair berichtet im Interview offen von einer therapeutisch begleiteten Erfahrung mit sogenannten Magic Mushrooms: "Das war keine Party-Geschichte. Es war eine geführte Erfahrung, mit Gesprächen vorher, einer Betreuung und einer Nacharbeitung." Diese psychedelische Reise sei für ihn wie ein schlüsselartiges Erlebnis gewesen: "Diese Erfahrung war wie ein Door-Opener zu mir selbst. Ich verstand: Ich bin richtig auf der Bühne. Und im Leben auch."
Wer ihn heute auf der Bühne erlebt, sieht nicht nur eine Rolle, sondern einen gereiften Menschen in seiner reinsten Form – frei von Zwängen, Schuhen und Altlasten der Vergangenheit.
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