Jahrhundertfund
Mozart: Verschollene Briefe zeigen völlig neue Seite
In der Französischen Nationalbibliothek wurde ein lange verschollenes Notenheft von Wolfgang Amadeus Mozart entdeckt, das Experten bereits als bedeutendsten Mozart-Fund in Frankreich in diesem Jahrhundert bezeichnen. Das Manuskript gewährt nicht nur neue Einblicke in Mozarts Schaffen, sondern zeigt auch eine bislang wenig bekannte Seite des Komponisten.
Entdeckt wurde das Notenheft vom Bibliotheksmitarbeiter François-Pierre Goy in den historischen Beständen der Pariser Nationalbibliothek. Bekannt war dessen Existenz bislang lediglich aus Briefen der Familie Mozart. Wo sich das Dokument befand, war über Jahrhunderte hinweg unbekannt geblieben.
Das Manuskript stammt aus dem Jahr 1778, als Mozart mehrere Monate in Paris verbrachte. In dieser Zeit unterrichtete er die 19-jährige Herzogin Marie-Louise Philippine de Bonnières de Guînes in Komposition und Tonsatz. Das nun wiederentdeckte Heft enthält zahlreiche Übungen, Korrekturen und Anmerkungen aus Mozarts eigener Hand. Darüber hinaus fanden die Forscher mehrere kurze Musikstücke, die bislang unbekannt waren und nun wissenschaftlich ausgewertet werden.
Besonders spannend ist jedoch, was die Aufzeichnungen über die Beziehung zwischen Lehrer und Schülerin verraten. Mozart soll von der jungen Adligen zunächst durchaus angetan gewesen sein und ihr großes musikalisches Talent zugetraut haben. Doch mit der Zeit wich die anfängliche Begeisterung offenbar zunehmender Ernüchterung. In einem Brief an seinen Vater Leopold klagte Mozart damals: "Es kömmt nichts. ich habe es auf alle mögliche art mit ihr Probirt."
Auch im Notenheft selbst lässt sich diese Entwicklung nachvollziehen. "Er wollte ihr das Komponieren beibringen und hat sich eine Zeit lang in ihren Fähigkeiten getäuscht. In dem Manuskript lässt sich sehr schön erkennen, dass ihr Anteil an dem Heft immer geringer wird, weil er ihr offenbar immer weniger zutraut und von ihr kaum noch eigene Beiträge kommen. Am Ende steht tatsächlich fast nur noch Mozart auf dem Papier", erklärt Ulrich Leisinger, wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Mozarteum.
An der Identifizierung des Notenhefts waren auch Experten der Internationalen Stiftung Mozarteum in Salzburg beteiligt. Für die Mozart-Forschung ist der Fund von großer Bedeutung, da er erstmals direkte Einblicke in Mozarts Unterrichtsmethoden und seine Arbeit als Kompositionslehrer ermöglicht. Das Manuskript soll nun als neuer Eintrag in das Köchel-Verzeichnis aufgenommen werden. Im Oktober wird die Stiftung Mozarteum den außergewöhnlichen Fund erstmals öffentlich in Salzburg präsentieren.
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