Zum 29. Todestag

Lady Diana, wie sie nur ihr Bruder kannte

© Gamma-Rapho via Getty Images
Am 31. August jährt sich der 
Todestag von Lady Diana zum 
29. Mal. Jetzt packt ihr Bruder Charles Spencer in einer Biografie 
über das Leben und Leiden seiner berühmten Schwester aus.
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Ausgerechnet wenige Tage vor dem 29. Todestag von Prinzessin Diana († 36) sorgt die Nachricht, dass ihr jüngerer Sohn Harry (41) und dessen Ehefrau Meghan (45) mit ihren Kindern Archie (7) und Lilibet (5) von ihrem "Megxit" nach England zurückkehren, für Aufregung. Es wäre jedenfalls eine Rückkehr mit besonderer Symbolik. Harry war zwölf Jahre alt, sein Bruder, Prinz William, 15 Jahre alt, als seine Mutter am 31. August 1997 bei dem tragischen Autounfall im Pariser Alma-Tunnel starb. Seitdem hat Harry – meist gegen den Willen des Königshauses – immer wieder öffentlich darüber gesprochen, wie sehr dieser Verlust sein Leben geprägt hat.

Harry und Meghan sorgen mit ihrem "Exit vom Megxit" für Aufsehen. © The David Foster Foundation via Getty Images
Am 31. August jährt sich der Todestag der beliebten Prinzessin zum 29. Mal. © Getty Images
“Ich wollte meine Gedanken ein für alle Mal selbst aufschreiben, statt mich der Situation auszusetzen, die Meinungen anderer zu lesen.”

Charles Spencer, Dianas Bruder und Autor

Gleichzeitig meldet sich ein anderer Mann zu Wort, dessen Leben untrennbar mit Diana verbunden ist: ihr jüngerer Bruder Charles Spencer (61). Am 22. September erscheint "Swan Song: Diana, meine Schwester", die bislang persönlichste Darstellung Dianas aus der Feder ihres Bruders. Das 384 Seiten starke Buch soll weltweit erscheinen und in zwölf Sprachen übersetzt werden. Spencer erzählt darin nicht nur vom Leben seiner Schwester, sondern auch von der tragischen Woche ihres Todes. "Nun, da sich der 30. Jahrestag von Dianas tragischem Tod nähert, werde ich erneut mit Interviewanfragen zu meiner Schwester überhäuft", erklärt Earl Spencer in ersten Interviews über sein Werk. "Das hat mich dazu bewogen, meine eigenen Gedanken und Erinnerungen ein für alle Mal selbst niederzuschreiben, statt mich der unangenehmen Situation auszusetzen, die Meinungen anderer zu lesen." Denn viele davon würden auf Unwahrheiten beruhen, "die im Laufe der Zeit fälschlicherweise zu Tatsachen geworden sind."

Mit ihrem Bruder Charles war Diana Zeit ihres Lebens eng verbunden. © Tim Graham Photo Library via Getty Images

Er erlebte ihre gefährliche Verwandlung hautnah

Als "kleiner Bruder", der sich an eine Zeit erinnert, bevor Diana zu einem globalen Markenzeichen wurde, habe er das Buch geschrieben – nicht als Royal-Experte, Journalist oder ehemaliger Mitarbeiter. Schließlich waren die beiden jüngsten von vier Spencer-Kindern eng miteinander verbunden. Sie hatten sogar private Spitznamen füreinander: Diana war "Duch", Charles "Carlos". Gemeinsam streiften sie durch das Familienanwesen, erlebten schwierige Internatsjahre und mussten als Kinder die schmerzhafte Scheidung ihrer Eltern Frances Shand Kydd († 2004) und Earl John Spencer († 1992) verkraften. Diese gemeinsame Kindheit bildet einen wichtigen Teil von "Swan Song". Ebenso wie Charles Spencers Aufarbeitung von Dianas Verwandlung nach ihrer Hochzeit mit Prinz Charles im Jahr 1981 – zum globalen Markenzeichen der Monarchie und zu einer der beliebtesten Frauen der Welt. Ihr Bruder erlebte aus nächster Nähe, wie aus seiner Schwester eine Projektionsfläche wurde: Märchenprinzessin, betrogene Ehefrau, Stil-Ikone, Mutter des künftigen Königs, humanitäre Aktivistin – und schließlich eine Frau auf der Flucht vor Fotografen.

Über seine große Schwester schrieb Spencer jetzt wohl das persönlichste Buch. © Getty Images
Die junge, noch ganz unbeschwerte Diana Frances Spencer. © Getty Images
“Ich glaube nicht, dass sie jemals verstand, warum ihre aufrichtig guten Absichten von den Medien verhöhnt wurden...”

Charles Spencer in seiner Trauerrede 1997

Der Titel des Buchs beruht auf der Trauerrede, die Dianas Bruder am 6. September 1997 in Westminster Abbey am Sarg der Prinzessin hielt. Millionen Menschen sahen zu, als Spencer nicht nur über seine geliebte Schwester sprach, sondern auch mit einer Welt abrechnete, die sie seiner Ansicht nach verfolgt und vereinnahmt hatte. "Sie sprach immer wieder davon, England zu verlassen, vor allem wegen der Art und Weise, wie sie von den Zeitungen behandelt wurde", so Charles Spencer damals. "Ich glaube nicht, dass sie jemals verstand, warum ihre aufrichtig guten Absichten von den Medien verhöhnt wurden und warum es den Anschein hatte, als würden diese unablässig danach streben, sie zu Fall zu bringen. Es ist unbegreiflich." Doch seine Kritik richtete sich nicht nur gegen die Medien, sondern auch gegen das Königshaus. Und genau daran dürfte der Autor in "Swan Song" 30 Jahre später anknüpfen.

Am 6. September 1997 beim Begräbnis der Prinzessin: Ihr Exmann Charles, ihre Söhne Harry und William sowie ihr Bruder. © Corbis/VCG via Getty Images

Das persönlichste Werk über Dianas Leben und Leiden

Das Timing könnte kaum wirkungsvoller sein. Im kommenden Jahr, am 31. August 2027, liegt Dianas Tod genau 30 Jahre zurück. Die Buchveröffentlichung erfolgt also nicht erst zum Jubiläum selbst, sondern eröffnet gewissermaßen das Erinnerungsjahr und soll sowohl Menschen erreichen, die Diana noch erlebt haben, als auch eine jüngere Generation, die sie nur aus Dokumentationen, Serien und den Erzählungen ihrer Eltern kennt. Durchaus ein Alleinstellungsmerkmal in der Unmenge an Biografien, Dokumentationen und Erzählungen über Lady Diana. Kaum eine Lebensgeschichte des 20. Jahrhunderts wurde so häufig erzählt, interpretiert und vermarktet wie ihre. Freunde haben gesprochen, Butler haben Bücher geschrieben, Journalisten rekonstruierten ihre Ehe, Filmemacher ihre letzten Stunden. Netflix machte aus ihrem Leben Generationen später wieder Popkultur.

"Swan Song – Diana, meine Schwester" von Charles Spencer erscheint am 
22. September im Penguin Verlag. © Penguin Verlag

Der Kreis zu Harrys Geschichte schließt sich

Eine objektive Darstellung beansprucht ihr Bruder keinesfalls – vielmehr sei es gerade die Subjektivität, die sein Werk ausmache: Er kann von der Diana erzählen, die existierte, bevor Kameras ihr Leben begleiteten. Von einer Schwester statt einer Prinzessin. Von Erinnerungen, die nicht aus Palastakten oder Pressearchiven stammen. Der Kreis zu ihrem Sohn Harry schließt sich an dieser Stelle. Denn auch er hat mit seinen Interviews, Dokumentationen und seiner Autobiografie "Spare" versucht, die Geschichte seiner Familie aus der eigenen Perspektive zu erklären. Nun kehrt er mit Meghan und den Kindern in jenes Land zurück, in dem die Geschichte seiner Mutter begann und endete – während sein Onkel ein Buch veröffentlicht, das ebenfalls verspricht, hinter die öffentliche Fassade zu schauen.

Die Welt wartet gespannt darauf, wie sich der Konflikt zwischen Harry und William weiterentwickelt. © Getty Images

Wenn sich Dianas Tod 2027 zum 30. Mal jährt, wird man deshalb nicht nur der Prinzessin gedenken, sondern wohl erneut darüber diskutieren, welche Rolle das englische Königshaus in diesem Drama spielte. Und wie die Ikone weitergelebt hätte, wenn sie damals nicht mit 36 Jahren in Paris gestorben wäre. Ob auch das Leben ihrer Söhne – besonders jenes von Harry – anders verlaufen wäre? Auch Charles Spencer kann darauf leider keine Antwort geben.

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