Polit-Hammer

Kanada plant für eine mögliche US-Invasion

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Es klingt nach einem Polit-Thriller, ist laut Kanadas Premierminister Mark Carney aber tatsächlich Teil der staatlichen Risikoanalyse: Seine Regierung habe auch das Szenario einer möglichen US-Militäraktion gegen Kanada betrachtet.
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In einem Interview mit der "New York Times" erklärte Carney, Regierungen müssten auch extreme Risiken berücksichtigen. Eine US-Invasion sei kein "Basisszenario", dennoch wäre es unverantwortlich, sich darauf nicht vorzubereiten.

Carney sprach dabei von "extreme tail risk" – also einem äußerst unwahrscheinlichen, aber nicht völlig auszuschließenden Risiko. Die Überlegung sei schlicht Teil des Risikomanagements. Details dazu, wie genau Kanada ein solches Szenario durchgespielt hat, nannte der Premierminister nicht.

Verhältnis zu Trump massiv angespannt

Hintergrund sind die inzwischen erheblichen Spannungen zwischen Washington und Ottawa. Die USA verhängten im August zusätzliche Zölle von 50 Prozent auf bestimmte kanadische Waren. Betroffen sind Waren im Wert von rund 27,6 Milliarden kanadischen Dollar beziehungsweise etwa 20 Milliarden US-Dollar. Kanada kündigte daraufhin Gegenmaßnahmen an.

Auch politisch sorgt Trump immer wieder für Spannungen. Der US-Präsident hatte in der Vergangenheit mehrfach davon gesprochen, Kanada könne der 51. US-Bundesstaat werden.

Für zusätzliche Aufregung sorgte zuletzt der Streit um den Namen des Lake Ontario. Trump ordnete Ende August an, dass der See für die US-Bundesverwaltung künftig "Lake America" heißen soll. Kanada muss diese Bezeichnung allerdings nicht übernehmen.

EU bietet Kanada engere Verbindung an

Parallel sucht Kanada verstärkt nach Partnern außerhalb der USA. Auch die Europäische Union will die Beziehungen zu dem nordamerikanischen Land ausbauen. Im Raum steht unter anderem ein möglicher Status als assoziiertes Mitglied.

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Die Annäherung passt zu Carneys Strategie, Kanadas Handelsbeziehungen stärker zu diversifizieren und die Abhängigkeit vom US-Markt zu verringern.

Kanada und USA haben schon einmal für Krieg geplant

Dass Militärs beider Länder historische Planspiele für einen Konflikt mit dem jeweiligen Nachbarn entwickelten, ist allerdings nichts Neues.

Kanada erarbeitete nach dem Ersten Weltkrieg den sogenannten "Defence Scheme No. 1". Der Plan aus den 1920er-Jahren sah für den Fall eines amerikanischen Angriffs sogar schnelle kanadische Vorstöße auf US-Gebiet vor. Ziel war es, Zeit für eine mögliche Unterstützung durch Großbritannien zu gewinnen. Der Plan wurde nie umgesetzt und später aufgegeben.

Auch die USA entwickelten mit "War Plan Red" ein Szenario für einen möglichen Krieg mit Großbritannien, bei dem Kanada als Teil des Britischen Empire zum möglichen Kriegsschauplatz geworden wäre. Der Plan wurde 1930 fertiggestellt und später wieder verworfen.

Heute wäre das Kräfteverhältnis enorm

Die USA und Kanada verbindet heute eine rund 9.000 Kilometer lange gemeinsame Grenze – die längste unverteidigte internationale Grenze der Welt. Beide Staaten arbeiten eng bei der Sicherung und beim Grenzverkehr zusammen.

Militärisch sind die Kräfteverhältnisse allerdings sehr unterschiedlich. Die US-Streitkräfte verfügen über rund 1,3 Millionen aktive Soldaten. Bei den kanadischen Streitkräften lag die Stärke Ende Juli 2026 bei rund 68.500 Soldaten der regulären Truppe sowie gut 33.000 Reservisten.

Ein Krieg zwischen den beiden Nachbarn ist damit weiterhin ein extremes Szenario. Dass Kanadas Regierung es zumindest als mögliches Risiko analysiert, hat Carney nun jedoch selbst bestätigt.

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